618. Germanys Next Top Merkel (TVS 24/18)

Oops, jetzt ist ganz plötzlich doch etwas geschehen, womit wirklich niemand im Land mehr gerechnet hatte: die Kanzlerin hat sich bewegt! Und das auch noch in Richtung Ausgang, nicht nur wie sonst mal kurz zum Baumarkt um einen neuen Eimer Sitzkleber für den Regierungssessel zu besorgen oder in sämtlichen Zimmern des Reichstags die Uhren anzuhalten. Nein, nach dem bayerisch-hessischen Arschtritt-Doppel-Whopper für die Union blieb ihr am Ende anscheinend doch keine Wahl als zumindest eine Konsequenz zu ziehen: die Aufgabe des Parteivorsitzes. Und auf einmal geht’s jetzt richtig rund im Altenheim, denn aus allen Ritzen kommen die möglichen Nachfolger gekrochen, die sich vorher höchstens trauten,  mauseschüchtern nickend hinter der Raute her zu trippeln. Mindestens ein Dutzend Konservativ-Kasper haben bereits schnipsend den Finger gehoben, um die rechtsdrehende Rasselbande ab Dezember als neuer Führer in eine gloriose Zukunft zu führen.

Wären beide Seiten clever, würden Fernsehen und CDU eine Kooperation schließen und statt langweiliger Zettelwahl beim nächsten boring Parteitag die ganze Chose via TV-Casting durchziehen. GERMANYS NEXT TOP MERKEL läge als Titel auf der Hand, aber für Pro7 wären da wahrscheinlich zu viel olle Humpel und zu wenig magersüchtige Instagram-Models im Spiel. Denkbar wäre allerdings im Zusammenspiel mit SAT1: Blind Auditions ohne Hingucken, was sicher für alle von Vorteil wäre, auf der Suche nach der VOICE OF CHRISTLICHDEMOKRATISCHE-UNION, in der Jury zB Norbert Blüm, Christian Wulff, Alexander Gauland und Xavier Naidoo. RTL als Mutter aller Casting-Gewölle hätte natürlich diverses im Programm, was man für die Wahl umbauen könnte. DSDSV – DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERVORSITZ oder DAS FÜHRUNGSTALENT wären sichere Quotenhits. Andererseits wäre eine LET’S DANCE – Variante, in der die Kandidaten ihre Vision für das neue Parteiprogramm vortanzen müssen, wesentlich mutiger und auch unter Darwin’schen Gesichtspunkten spannender, da sich die meisten Kandidaten bei zu überdrehten Ideen durch Haxenbruch von selbst aus dem Rennen schießen würden. Sollte keine der großen Stationen anbeißen, bliebe immer noch NIX FACTOR bei SKY oder CURVY SUPERVORSITZ (aka THE FATTEST FRONTMAN)  bei RTL2.

Alles etwas unorthodoxe Ideen, wenn man das bislang übliche Seilschaften-Geschachere im Intriganten-Stadl der Politik betrachtet, aber wenn sich schon im Kern der Fäulnis ohnehin nichts ändert und wir als Bürger später darunter leiden müssen, darf man ja wenigstens vorher etwas Spaß haben. Sollte das Modell funktionieren, könnte man in Zukunft sogar die lästigen Bundestagswahlen umgehen, bei denen eh nichts Gescheites rauskommt, wie wir unlängst erfahren durften. Soll das doch besser gleich das HÖHLE DER LÖWEN bzw HÖLLE DER DOOFEN – Team übernehmen, Maschmeyer hat da ja bereits einige Mauschelei-Erfahrungen. Und beim Programm der AfD gäbe es dann zB keine langen Diskussionen, sondern hieße nur: da ist keine Substanz drin, gab’s alles schon mal und ging in die Hose, die Bewertung ist viel zu hoch und es fehlen Herz und Verstand – Wir sind raus!

Wohn- und Back-Wahn

Schluss mit jung & crazy – RTL möchte den Sonntagnachmittag von nun an der öffentlich-rechtlichen Ruhe und lauwarm-lulligen Gemütlichkeit widmen und bringt zwei neue Wohlfühl-Family-Formate im Doppelpack. Erst UNSERE SCHÖNE GEMEINSAME WOHNUNG, wo mit Hilfe von Schönwohn-Profis Resi & Guido schwierige ‚Krisen- zu Kuschelzonen’ umgemuckelt werden sollen, danach zur Kaffeezeit dann HAUPTSACHE SÜSS, eine Art regionaler Bäcker-Battle für virtuelle Tortenfresser. Früher aß man am Sonntagnachmittag Kuchen in der Wohnung und schaute dazu Filme – heute sieht man anderen Leuten beim Wohnen, Backen und Essen im TV zu und netflixt zum Nachtisch.

Fang die Wurst

Da SAT1 schon seit Jahren verlässlich eine Show nach der anderen geradlinig mit Schwung an die Wand fährt, reist man derzeit wiederholt ein bis zwei Jahrzehnte zurück, um alte Konzepte aufzuwärmen oder das Genre der ‚Promis-machen-Kinderspiele’-Genre zu recyceln. Neue Idee von Luke Mockridge, dem mainstreamlinienförmigen Gag-Granatenwerfer des Bällesenders: CATCH – DER GROSSE SAT1 FANG-FREITAG’. Funny Fangen mit Abschlagen und Wegducken über ulkige Hindernisse ohne Wiederklatsch – wahrscheinlich aber nur der Vorläufer zum Promi-Käsekästchen, Eurovision Eierlauf und Celebrity Topfschlagen. Frei nach dem Motto: sinnfreie Langeweile soll wenigstens lustig sein! Und sei es nur im Titel so behauptet.

618. Germanys Next Top Merkel (TVS 24/18)2018-11-21T18:39:38+00:00

617. Die Grenzen der Pressefreiheit (TVS 23/18)

Reden wir einmal offen über ein wirklich heißes Eisen im Medienbetrieb: den so genannten ‚kritischen Journalismus’, auch bekannt als ‚Lügenpresse’. Gut, früher war das vielleicht mal eine ganz gute Sache, da gab es auch viel aufzudecken und zu berichten überall, weil damals noch eine ganze Menge vertuscht und gemauschelt wurde. Mitunter soll es sogar Fälle gegeben haben, in denen Reporter echte Skandale oder politische Schweinereien entlarvten, aber wie gesagt: das ist lange her. Heute leben wir glücklicherweise in einer viel besseren Welt, angeführt von so integren wie intelligenten Politikern, denen wir hundertprozentig vertrauen können. Seehofer, Söder, Merkel bis hin zu Gauland, Trump, Erdogan – von solch redlichen und klugen Köpfen konnten wir früher nur träumen. Mehr als verständlich aber, wenn tapfere Weltverbesserer wie sie dann auch mal sauer werden, wenn sie sich trotz aller Philanthropie und ausnahmslos grandioser Leistungen immer wieder hämische und überpingelige Kritik gefallen lassen müssen, gewürzt mit erfundenen Fakten über angebliche Fehlleistungen. Früher haben sich Obrigkeiten solche Respektlosigkeiten jedenfalls nicht einfach so gefallen lassen, und wir wissen: früher war nicht alles schlecht!

Uns sollte spätestens klar sein, dass mit unserer überheblich agierenden ‚Freien Presse’ etwas faul ist, wenn sogar herzensgute, grundehrliche und sensible Männer wie K.H. Rummenigge und Uli Hoeneß vom karitativen Leibesertüchtigungs-Verein FC Bayern München sich aus purer Verzweiflung gezwungen sehen, in einer öffentlichen Fußball-PK das Grundgesetz zu zitieren. ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar!’ – eine eher weniger bekannte Phrase aus unserer Verfassung, die im Zusammenhang mit der ungerechtfertigten Kritik am sportlichen Kicker-Club so viel heißen sollte wie ‚die Spieler des ewigen deutschen Meisters sollten doch bitteschön von der bösartigen Journaille komplett in Ruhe gelassen werden, wenn sie mal ausnahmsweise nicht glanzvoll siegen!’ Der Journalismus muss sich endlich angewöhnen, nicht immer bloß über die Herrschenden, Erfolgreichen und Wohlhabenden – also die Leistungsträger und Gestalter der Gesellschaft – zu meckern, sondern sich lieber die eher so linksgrünuntenrumversifften Skeptiker und Nörgler vorzunehmen, die ein Problem damit haben sich einfach mal still und leise den weisen Mächtigeren zu unterwerfen.

So kann das jedenfalls nicht weitergehen. Vielleicht sollte man über eine Art ‚Freiwillig rechtsverbindliche Vorab-Genehmigungspflicht für kritische Äußerungen’ gegen gefühlt Unantastbare nachdenken. Denn wäre es von diesen selbst ernannten ‚Journalisten’ wohl wirklich zu viel verlangt, wenn sie ihre geplanten Kommentare (aka Frechheiten) vorher kurz den Betroffenen zum Redigieren vorlegen würden, um im Interesse der Nationalen Sicherheit und Guten Laune unangenehme Anschuldigungen ein klein wenig schönfeilen zu lassen? Pressefreiheit sollte – wie jede gute Freiheit – klare, enge und gesunde Grenzen kennen. Denn die Freiheit der Berichterstattung sollte niemals die Freiheit des unentdeckten Scheißebauens einschränken dürfen!

Schöne Bergwelt

Das ZDF weiß was seine Zuschauer zum Einschlummern lieben: ruhige. nette Menschen in schönen Landschaften, wo die Welt noch in Ordnung ist. Wenn nicht auf schwülstig schippernden Traumschiffen, dann bevorzugt auf den grünen Auen der herrlich hügeligen Bergwelt, bei frischer Luft in der (außer von trampeligen Fernseh-Teams) unberührten Natur. Nach diversen Berg-Doktoren/-Rettern/-Gefährten/-Bauern/-Familien/-Besteigern und –Ziegen wird nun mit GIPFELSTÜRMER ein alpines Berg-Internat seine friedlichen Pforten öffnen. Auf dass sich ja nichts ändert und bloß keine Aufregung ins Programm einkehrt!

Wohn- und Back-Wahn

Auch RTL möchte den Sonntagnachmittag anscheinend der lauschigen Ruhe und lauwarm-lulligen Gemütlichkeit widmen und plant zwei neue Wohlfühl-Family-Formate im Doppelpack. Erst UNSERE SCHÖNE GEMEINSAME WOHNUNG, wo mit Hilfe von Schönwohn-Profis Resi & Guido schwierige ‚Krisen- zu Kuschelzonen’ umgemuckelt werden sollen, danach zur Kaffeezeit dann HAUPTSACHE SÜSS, eine Art regionaler Bäcker-Battle für virtuelle Tortenmampfer. Früher aß man am Sonntagnachmittag Kuchen in der Wohnung und schaute dazu Filme – heute sieht man im Fernsehen anderen Leuten beim Wohnen, Backen und Essen zu und netflixt zum Nachtisch.

St. Pauli – TV

RTL 2 weiß auch immer was seine Zuschauer am meisten interessiert, nämlich beispielsweise ein betreuter Spaziergang über den Hamburger Kiez, für alle die lieber analytisch dem Gebumse von außen zuschauen und im Notfall selbst Hand anlegen. REEPERBAHN PRIVAT! DAS WAHRE LEBEN AUF DEM KIEZ beleuchtet das Rotlicht-Milieu von allen Seiten und lässt den GV-interessierten Hobby-Voyeur bequem daheim im Warmen das anrüchige Milieu theoretisch miterleben, ohne ihm den mühsamen Gang in den Puff inklusive anstrengendem Dienstleistungs-Vollzug praktisch zumuten zu müssen. Das nennt man echtes Mitfühl- und Service-Fernsehen!

617. Die Grenzen der Pressefreiheit (TVS 23/18)2018-11-06T01:24:54+00:00

616. Evolutionsfaktor Doofheit (TVS 22/18)

Es lässt sich weder leugnen noch schönreden: uns allen geht es viel zu gut und die Erde wird immer voller. Mehr als 7,6 Milliarden Menschen leben derzeit auf unserem Planeten, rein rechnerisch kommen sekündlich 2,6 Nasen hinzu. Selbst wenn wir es oft anders empfinden und es an Ungerechtigkeiten und Katastrophen wahrlich nicht mangelt, so geht es der Weltbevölkerung ganz generell in puncto Gesundheit und Wohlstand mit jedem Jahr besser. Trotz unfairer Umverteilung der errungenen Vorteile ist es eine Tatsache, dass die Menschen immer älter werden und nur wenige Interesse verspüren, freiwillig Platz für die ungebetenen Nachrücker zu machen. Da gleichzeitig die Anzahl globaler Epidemien und Weltkriege deutlich reduziert werden konnte, muss sich das Ökosystem wie immer selbst helfen.

In den ärmeren Regionen der Erde regulieren zum Großteil noch immer die altbekannten Evolutionsfaktoren wie Krankheit, Hunger und Armut die statistischen Populationswerte. In den wirtschaftlich besser gestellten Gebieten wird es schon schwieriger, den zähen Ludern der Wohlstandsgesellschaft die eigene Sterblichkeit schmackhaft zu machen, außer man ist Kassenpatient. Deshalb hat die Natur die Dummheit, den Egoismus und die Ignoranz erfunden. Je blöder man ist, desto unsterblicher fühlt man sich und sorgt dadurch für eine erhöhte Chance auf vorzeitigen Exitus.

Ein schönes Beispiel ist die individuelle Neuzeit-Todesfalle ‚Handy’. Allein die Zahl der jährlichen Opfer durch Unachtsamkeit im Straßenverkehr wegen Gerät am Ohr bzw. konzentriert belangloser Twitter-/sms-oder-Whatsapperei steigt exorbitant, mögliche Strahlungsfolgen nicht mitgerechnet. Dazu kommt der neue tragische Trend des Selfie-Tods durch das ultimative finale Grinsefoto am Klippenrand oder auf der Balkonbrüstung, bei dem Hintergrund und Vordergrund oft schneller und härter als erwartet aufeinander treffen. Alles hochgradig unnötig und durch nichts anderes verursacht als die unheilige Paarung von Dämlichkeit und Egomanie. Im größeren Umfang hilft generelle eselhafte Problem-Verleugnung, wie das sture Abstreiten menschlicher Beteiligung am Klimawandel, Feinstaub-Verschleierung durch kreatives Marketing, gepflegtes Scheißen auf den Umweltschutz um die sensible Wirtschaft zu schonen, etc. Dauert zwar etwas, schnürt aber langfristig genauso zuverlässig den Lebenssack zu. Hilfreich ist dafür die weltweit steigende Intelligenz-Resistenz der Politik sowie als notwendiger Nährboden die allgemeine schleichende Verblödung durch Fernsehen, Internet und Boulevard-Medien. Doof und selbstbewusst sind wunderbare Voraussetzungen für den verfrühten menschlichen Existenz-Ausstieg zur Wahrung der Selektiven Evolutionslehre. Solange wir uns also weiterhin nicht darum kümmern, Schulen attraktiver zu machen, Bildung zu fördern oder zu verhindern dass künstlich aufgespritzte Hohlhirn-Influencer im Ego-Koller mehr Applaus bekommen als blässliche Krebsforscher und so boring schwerverständlich labernde Wissenschaftler, müssen wir uns um die Überbevölkerung keine all zu großen Sorgen machen.

Kapitäns-Suche

Nach der unerwarteten Mützen-Rückgabe von Sascha Hehn steht dem ZDF eine der bedeutendsten und schwierigsten Aufgaben seiner Geschichte bevor: wer soll neuer TRAUMSCHIFF-Kapitän werden? Sogar eine Frau (!) wäre denkbar und es wurde bereits mit Veronica Ferres (!!) spekuliert, vielleicht sogar im Doppelpack mit Leichtmatrose Maschmeyer als trickreich-charmanten Bord-Betrüger. Noch ist nichts entschieden und je nach anvisiertem Publikum alles denkbar, von Mario Barth über Jorge Gonzales oder Daniela Katzenberger  bis Micaela Schäfer. Notfalls geht auch immer ‚Unser Charly’, der war stets beliebt, ist seit Jahren arbeitslos und wäre mit Abstand der beste Schauspieler an Bord.

Ideen-Casting

Supersänger, Topmodels und Talentinhaber hat das deutsche Privatfernseher inzwischen zur Genüge gefunden und gezüchtet, die braucht kein Mensch mehr, man weiß ja gar nicht mehr wohin damit. Was das Land bzw. das TV jetzt sehen will sind Gründer, Erfinder und Ideenhaber. Damit fernab von Löwenhöhlen und anderen Wichtigtuern auch der kleine Geistesblitzer eine Chance hat, bietet RTL jetzt die nachmittägliche Chance bei HOL DIR DIE KOHLE! – 5000 EURO FÜR DEINE IDEE, wo man eben jenes für eben solche gewinnen kann, wenn man in 100 Sekunden das 100-köpfige Publikum zu überzeugen schafft. Interessantes Konzept, aber nicht wirklich neu – und deshalb steige ich aus!

Wort-Weitergabe

Die Jüngeren werden gar nicht wissen was das überhaupt ist, die älteren sich wundern, dass es das immer noch gibt: DAS WORT ZUM SONNTAG. Eine seit Jahrzehnten als unchristliche Pullerpause geschätzte ARD-Samstagabend-Zäsur zwischen den späten Spielfilmen, quasi 5-Minuten-Kirchen-Stand-Up ohne (gewollte) Lacher, aber mit irgendwas zum Nachdenken. Jetzt wurden zwei brandneue Sprecherinnen angekündigt – obwohl man bisher gar nicht wusste, wer da überhaupt immer so redet. War aber wohl eine feste Wortgruppe aka Das A-Z-Team. Okay, freuen wir uns also auf frischen weiblichen Wind im Hintergrund bei der wöchentlichen Blasenerleichterung. Danke und Amen.

616. Evolutionsfaktor Doofheit (TVS 22/18)2018-10-22T02:55:17+00:00

615. Erfolg durch Versagen (TVS 21/18)

Wirtschaft und Politik haben stets demonstriert, dass sämtliche naiven moralischen Werte, die uns in der Schule vorgebetet wurden, in der Realität keinerlei Bedeutung haben. Als Kind lernt man brav zu sein, zu gehorchen und gute Leistungen zu bringen, sonst gibt es schlechte Zensuren oder es droht im schlimmsten Fall der Rauswurf. Später im echten Leben Fuß spielt das alles keine Rolle mehr. Na gut, vielleicht noch für den so genannten ‚Dienstleister’ oder ‚unteren Befehlsempfänger’, der kriegt bei Problemen immer von oben auf die Mütze und einen Tritt ins Kreuz beim Rausgehen. Je höher man allerdings steigt desto unantastbarer wird man, denn die eigenen Fehler können generös auf die Untergebenen verteilt werden. Und je größer die gebaute Scheiße, desto besser die Chancen dass man schnell und unbürokratisch mit Säcken voller Abfindungskohle verabschiedet oder auf einen höheren Posten versetzt wird. Denn auch wenn einen jeder los sein möchte – wichtig ist dass der Vorgesetzte für die Verkackung des betreffenden Trottels nicht mit zur Rechenschaft gezogen werden kann. Ein Rausschmiss wäre da viel zu auffällig und würde einem Schuldeingeständnis gleichkommen, da entsorgt man den dummen Elefanten lieber in einem anderen Porzellanladen. Eine Art ‚Reise nach Jerusalem’ für Versager, bei der alle Schuldigen gewinnen.

Deutlich erkennen kann man diese Taktik beim Fernsehen. Je beschissener und dümmer das Programm, desto höher das Gehalt des Programmdirektors, und je weniger der sich überhaupt für das Medium interessiert, desto schneller sein Aufstieg in den Aufsichtsrat. In der Politik ist es sogar noch leichter, dort galt stets die Devise: Wer nichts kann, geht in den Bundestag. Wer wirklich absolut gar nichts kann, wird Minister. Und wer in einem vollgefurzten Zimmer am längsten stillsitzen kann ohne zu husten, wird Kanzler.

Doch auch wenn diese Strategie spätestens seit dem Banken-Crash, Stuttgart 21 und dem Neverending Neubau BER jedem bekannt sein dürfte, erlangte sie bei uns dennoch erst durch die Affäre Maaßen neue Popularität. Der einstige Chef des Verfassungsschutzes hatte seine Aufgabe dahin missverstanden, die schlechte Verfassung seiner Behörde schützen zu müssen, und im Zuge dessen durch einige Verbalausrutscher mit leichtem Rechtsdrall den Unmut der meisten GroKo-Clubmitglieder auf sich gezogen. So einigte man sich in einer Krisensitzung darauf, ihn knallhart mit einer Beförderung ins Heimatministerium plus zünftiger Gehaltserhöhung zu bestrafen. Viele SPD-Mitglieder und andere kleingeistige Bürger aus den unteren Wichtigkeitsschichten zeigten sich verärgert, weil ihnen das Prinzip ‚Karrieresprung als ultimative Demütigung’ nicht geläufig war, weshalb die versprochene Gehaltszulage dann doch wieder feige zurückgenommen und auf später verschoben wurde.

Sollten Sie also demnächst eine fristlose Kündigung erhalten, so nehmen Sie diese mit Stolz und Würde. Bietet man Ihnen einen beruflichen Aufstieg mit mehr Geld an, schämen Sie sich und denken Sie einmal in Ruhe darüber nach, was Sie alles falsch gemacht haben, Sie Loser!

Trennungs-Test

Wenn sich nicht genügend Promi-Paare trennen und für knackige Fremdbums-Affären sorgen, muss man eben nachhelfen. Deshalb bringt RTL2 jetzt bekannt erscheinende Celebrity-Couples in Versuchung mit 48H SINGLE – PROMIS TESTEN IHRE LIEBE. Geplant ist in diesem Experiment, vormals glückliche Pärchen zwei Tage lang gewaltsam zu trennen und zum Außerhaus-Knattern zu animieren, unter Aussetzung aller Beziehungsregeln und ohne Konsequenzen. Jedenfalls bis sie die Aufzeichnung sehen – dann gibt’s hoffentlich ordentlich Zoff, Tränen und Trennungen mit fetten Schlagzeilen! Geilomat!

Jury-Shuffle

Wir müssen jetzt ganz stark sein: laut gut informierter Klatschquellen wird es in der nächsten Staffel keine feste Jury mehr bei GERMANYS NEXT TOP MODEL geben! Oh mein Gott, hör ich Sie rufen, das kann, nein das darf doch nicht wahr sein! Seid Ihr des Wahnsinns? Kann Heidi Klum die schwere Last des Mädel-Beglotzens und der Gerhorsams-Bewertung denn ganz allein auf ihren zarten Brüsten tragen? Darf man diese wichtigen Entscheidungen wechselnden Gast-Juroren überlassen? Kennt denn Pro7 keine Verantwortung? Und wie lange kann ich meine Tränen der Verzweiflung zurückhalten?

Meis-Scheiss

Endlich haben die Götter uns erhört! RTL-Dauergrins-Beauty Sylvie Meis bekommt ihre eigene Model-Such-Show passend zur persönlichen Schlübber-Kollektion: SYLVIES DESSOUS MODELS! Darin sucht sie eine ‚neue Sylvie’, also einen offiziellen jungen neuen Vorführkörper für ihre verspielten Frauen-Unterhosen und Brusthalter. Außerdem sollen wir aber auch die ‚wirkliche’ Miss Meis kennenlernen: als Mutter, taffe Business-Bitch, Smile-Roboter und clevere Wäschefrau. Auch als Mann darf man sich über so eine tolle neue Sendung ruhig freuen! Man muss es aber nicht. Nicht mal als Frau.

615. Erfolg durch Versagen (TVS 21/18)2018-10-09T03:37:42+00:00

614. Das verlorene Rudel-Feeling (TVS 20/18)

Der Mensch ist ein Herdentier. So richtig wohl fühlt er sich nur in der Gruppe. Selbst der nörgeligste Querulant und vorgebliche Individualist braucht die Gemeinschaft, denn sonst hätte er ja nichts wovon er sich so leidenschaftlich abgrenzen könnte. Der Rest der Menschen sucht die Wärme der Meute, um dort ein Gefühl der Zugehörigkeit zu entwickeln, zu was auch immer. Ist er nicht durch genetisch bedingte Arschlöchrigkeit dauernd auf Krawall gebürstet, wünscht sich der Homo Sapiens im Grunde stets die Zustimmung und Akzeptanz seiner Umgebung. Auch wenn man die anderen noch gar nicht kennt – das Entdecken gemeinsamer Vorlieben, Meinungen, Erfahrungen oder auch bloß (derzeit bei kollektiven Gruppenmärschen wieder sehr angesagt) die gleiche Hautfarbe oder zufällig gleiche Nationalität, verbinden einfach irgendwie.

Früher gehörte auch das Fernsehen zu solch einem Quell der Verbundenheit. Nicht weil es damals besser war, sondern weniger. Bei nur zwei Sendern und einem eher beschränkten Angebot an Fun-und-Freizeit-Aktivitäten lag die Chance, dass der andere TV-Nutzer am Vortag die gleiche Sendung wie man selbst gesehen hatte, bei knapp fünfzig Prozent. (Zumindest bis zur bundesweiten Empfangbarkeit der Privatsender war auch bei Nachbarn und Kollegen kaum von einem so aufregenden Leben auszugehen, dass ein freiwilliger Verzicht auf das Fernsehen als möglich erschien. Und wer wirklich damit prahlte, lieber ‚ein gutes Buch zu lesen’ gehörte eh zur Gruppe der langweiligen Mittelschullehrer und Außenseiter, mit denen man nichts zu tun haben wollte.) Selbst heute, diverse Jahrzehnte später, können die früh genug Geborenen noch ihre nostalgisch verklärten Erinnerungen teilen. Auch wenn vieles davon – mit neutralem Abstand betrachtet – im Grunde recht popelig, spießig, albern oder nichtssagend war: es prägte unser Weltbild und schaffte Gemeinsamkeiten, denn durch das streng begrenzte Angebot nahm man einfach alles dankbar auf. Rosenthals Spitze-Sprung, Wums Thoelke-Ruf, die brennende Bonanza-Karte, ‚Gute Nacht, John-Boy!’ oder ‚Der Weltraum. Unendliche Weiten…’ – es gab kaum jemanden, der nicht sofort wusste wovon man sprach. Und am Tag nach DALLAS oder DENVER hatte man stets ausreichend Gesprächsstoff – was in den Achtzigern nicht immer selbstverständlich war.

Eine nicht immer großartige, aber dennoch innige Möglichkeit zum Gleichklang der Menschen untereinander, die heute fehlt und es nachfolgenden Generationen schwer machen wird, im schwärmerischen Schwarm der Nostalgiker mitzusummen. Große Familienshows sind out, und an die kurzzeitig gehypten Casting-Nulpen wird sich in zwanzig Jahren niemand mehr erinnern, an die meisten noch nicht mal mehr nach 20 Minuten. Heute können wir netflixen, amazonprimen, maxdomen, internetzen, i-tunen und bingestreamen – aber halt jeder zu einer anderen Zeit und mit unterschiedlichen Inhalten. Die Qualität und die Wahlfreiheit mögen gesiegt haben, das unschuldige Kollektivgefühl durch den eklatanten Unterhaltungsmangel haben wir jedoch verloren. Denn gemeinsames Leid kann auch zusammenschweißen.

Klum-Klum-Geschoss

Bisher boten die Streamingdienste vor allem eine willkommene, qualitativ hochwertige Alternative zu den übertriebenen Glamour-Grinsefressen der Privatfernseh-Shows und Castingformate. Jetzt aber plant ausgerechnet amazon ein neues internationales Format mit GNTM-Gruselmutti Heidi Klum, das einen ‚ganz besonderen Mix aus packenden Inhalten und Shopping’ bieten soll. Das macht vor allem uns Männern Angst. Ist man denn wirklich nirgends sicher vor der blondgefährlichen Klumisierung?

Programmliche Vollverblödung

Dass RTL2 für hochwertigen Journalismus oder innovative Informationsformate bekannt wäre, kann man dem Sender wahrlich nicht vorwerfen. Das nochmalige Zusammenkürzen der Feigenblatt-Fun-Tagesschau genannt RTL2-NEWS lässt jetzt allerdings die Aufsicht der Landesmedienanstalten prüfen, ob man sich dort immer noch als ‚Vollprogramm’ bezeichnen darf, da ein solches laut Definition ‚einen angemessenen Anteil an Information, Kultur und Bildung’ liefern soll. Wobei gerade diese drei Begriffe bei RTL2 schon immer als Beleidigung angesehen wurden und unter Strafe strengstens verboten waren. Wieso also etwas ändern, wenn das bisher doch noch nie offiziell gestört hat?

TV-Tanz-Duelle

Wenn ein Sender immer wieder Erfolge mit einem Show-Genre hat, lässt das die Konkurrenz meist nicht lange auf sich sitzen. Deshalb beschloss Pro7, das Tanzformatfeld nicht weiter allein RTL zu überlassen. Geplant ist nun der ultimative Einzeltänzer-Battle MASTERS OF DANCE, bei der alle antretenden Hoppel-Mover mindestens ein Jury-Mitglied überzeugen müssen, in dessen ‚Company’ aufgenommen zu werden. Quasi eine Art THE VOICE ohne Singen für die Füße. Nicht wirklich neu für den Kopf, aber locker in den Hüften!

614. Das verlorene Rudel-Feeling (TVS 20/18)2018-09-25T00:48:20+00:00