Kalkofes letzte Worte

569. Alles wird anders (TVS 01/17)

Auf dem weltberühmten und jedes Jahr aufs Neue sehr emotionalen Deutschlandtag der Jungen Union in Paderborn verblüffte und überraschte unsere ewige Kanzlerin Merkel das staunende Publikum wie gewohnt mit einigen visionären wie auch philosophisch höchst bedeutungsvollen Äußerungen. Um Ihnen die Möglichkeit zu geben, die prosaische Kraft der Worte in ganzer Tiefe auszuloten und um keine der politisch brisanten Aussagen versehentlich grob zu verfälschen, hier der wichtigste Teil im Original-Wortlaut: ‚Das vergangene Jahr war ein sehr herausforderndes Jahr, auch dieses Jahr ist es so, aber wieder anders als im letzten Jahr, und ich darf Ihnen die schöne Aussage in die Zukunft sagen dass nächstes Jahr noch wieder ein ganz besonderes Jahr sein wird. Also denken Sie nicht, dass es einfacher wird, aber es wird immer wieder anders!’

Wow. Begleitet vom Sound verblüfft herunterklappender Unterkiefer und frenetischem Applaus wurde die begnadete Rednerin daraufhin in die obligatorische Abschlussraute entlassen. Im Saal und der Republik aber begannen erst die Diskussionen über das eben Gehörte, die Medien überschlugen sich mit offenen Fragen. Was dürfen bzw. müssen wir vom nächsten Jahr erwarten? Welche Informationen hatte die Regentin, die wir nicht einmal erahnen können? Wird das nächste einfach nur besonders oder anders besonders oder schlicht besonders anders? Wenn es nicht einfacher wird, wird es dann schwerer, besonders schwer oder einfach anders schwer? Wenn das vergangene Jahr herausfordernd war, das jetzige ebenso, allerdings anders, wird uns das nächste Jahr dann automatisch wieder herausfordern, es diesmal eher lässig angehen oder vielleicht jemand ganz anderes herausfordern? Falls doch: wird es zum dritten Mal anders herausfordernd oder genau so herausfordernd wie letztes bzw. dieses Jahr? Wieso blieb die Kanzlerin gerade in diesem Punkt so schwammig? Hat sie etwas Besonderes zu verbergen? Oder etwas Anderes? Wieso muss überhaupt schon wieder alles besonders und dazu noch anders werden, wo wir doch derzeit auch so schon genug Probleme haben? Da sich beim stets so rasanten Stillstand der Regierung innerhalb der gefühlten letzten hundert Jahre noch niemals irgendetwas besonders oder gar anders angefühlt hat, fragt man sich wie die Bevölkerung derart viel besondere Andersartigkeit oder andere Besonderheit überhaupt verkraften soll. Bislang galt stets das Motto ‚Mit Vollgas in die Zukunft, aber ohne Benzin!’ bzw. ‚Vorwärts schauen, rückwärts gehen und zwischendurch ganz stille stehen!’ Binsenkanzlerin Merkel hat mit ihren provokanten Worten die Bevölkerung in Unruhe versetzt. Vielleicht hätte sie doch lieber wie sonst immer einfach gar nichts sagen oder dem kommenden Jahr ihr vollstes Vertrauen aussprechen sollen. So treibt sie natürlich viele Wähler in die offenen Arme der AfD, die dem Volk verspricht, dass mit ihnen alles anders, wenn auch nicht besser, aber vor allem für die Anderen besonders beschissen wird. Was den meisten schon ausreicht, denn die fehlende Verbesserung im eigenen Leben lässt sich durch die offensichtliche Verschlechterung in dem der anderen zumindest emotional ausgleichen.

Machen wir es einfach wie unsere Leitmutter selbst: schauen wir mit geschlossenen Augen nach vorn, umarmen wir das neue Jahr mit auf dem Rücken verschränkten Armen, ignorieren wir sein ungeduldig drängendes Vorstoßen in die Zukunft, kreuzen gemütlich sitzend die Tage im Kalender aus und beschämen das fordernde Leben mit stoischer Bräsigkeit. In diesem Sinne – Frohes Neues!

Lauwarmer Hocker

Geile Idee von RTL, gerade in der postfaktisch pervertierten Zeit des lautstarken Propagierens selbst erfundener Wahrheiten ein Relikt aus der Zeit des Kalten Kriegs der Krawall-Talk Shows im Privat-TV zurückzuholen, nämlich DER HEISSE STUHL. Konzept: Einer (in diesem Fall der professionelle Pöbel-Provokateur Thilo Sarrazin) sitzt einsam auf dem stillgelegten Scheißhausthron und ‚diskutiert’ lautstark mit drei anderen Randale-Rednern und einem aufgebracht bölkenden Publikum. Bringt inhaltlich gar nix, befriedigt aber die wallende Wut der Wenigdenker. Laut aber unfair.

Privat-Olympiade

Da fällt dem Sofa-Sportler doch glatt vor Schreck das Bier ins Popcorn! ARD und ZDF wurden mit 1,3 Milliarden aus der Portokasse von EUROSPORT beherzt aus dem Rechte-Poker für die Olympia-Übertragungen bis mindestens 2014 gekegelt! Nicht mal mit der Sublizensierung hat es geklappt, das heißt nix-nada-nullinger für die olympisch begeisterten Zuschauer der Öffentlich-Rechtlichen, jetzt stehen erst mal die Privaten plus Pay-TV auf dem Siegertreppchen. Dabei sein ist alles – nicht mehr dabei sein ist voll doof!

Promi-Schubsen

Man traut sich schon gar nicht mehr, über den krankhaften Kreativitätsmangel der Sender zu scherzen, weil selbst die Witze darüber langweilig werden. Aber ich gähne es mutig heraus: Ja, SAT1 macht wirklich mal wieder eine Show mit Promis, die in irgendwelchen ulkigen Kindergarten-Wettkämpfen gegeneinander antreten sollen! DUELL DER STARS – DIE SAT1 PROMI-ARENA heißt die feucht gewordene Innovationsrakete, und in den Ring latschen wie stets die ewig gleich grinsenden Bumsbirnen von Ross Anthony über Claudia Effenberg bis Jürgen Drews. Präsentiert von Jochen Schropp aus der bekannten Privat-TV-Grinsebart-Moderationsroboter-Serie der Gleichgesichter. Schnarch.

Autogramme

Termine

    Bauerfeind assistiert Oliver Kalkofe
    19:30 3sat
    Löwenzähnchen
    08:50 Kika
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    Kalkofes Dschungelbuch
    20:15 Tele 5
    Das Leben ist eine Deponie
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Oliver Kalkofe

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