347. Frauen in der Krise (TVS 12/08)

347. Frauen in der Krise (TVS 12/08)

Es ist heutzutage wirklich nicht mehr leicht, eine Frau zu sein. Wie definiert man sich als moderne, selbstständige XX-Chromosomenträgerin? Welchem der vielfältigen Rollenklischee-Rudel soll man sich verpflichtet fühlen, um ein erfolgreiches Leben in der Gemeinschaft aufrichtiger Weiblichkeit führen zu können? Irgendwie hatte Eva Herman schon recht, früher war das alles viel einfacher, als diese verschreckende Vielfalt der stark überschätzten Individualität noch nicht existierte und sich das Weib glücklich auf ihre von Gott gewollte Unterwerfung durch das universell überlegene Mannswesen konzentrieren konnte. Solange man nicht nachdachte oder versuchte, selbst etwas zu empfinden, wurde man zumindest vor schmerzhaften Fehlentscheidungen beschützt.

Heute ist das anders. An jeder Straßenecke steht eine vermeintlich starke Heldin und versucht ihren Geschlechtsgenossinnen zu zeigen, wie man das Frauen-nach-Zahlen-Buch des Lebens korrekt auszumalen hat. Da hätten wir zum Beispiel die sich sinnfrei durch die Existenz kichernden Label-Schlampen der Sex & the City – Generation, die durch die intellektuelle Windhose der persönlichen Hohlheit geschleudert ihre eigene Wertigkeit durch die Namen auf den Design-Etiketten ihrer Blusen oder kitschigen Mauken-Ummantelungen bestimmen. Ab und an dann noch einen Prosecco oder ein Cocktailchen, beidseitig über die Schulter gespuckte Luftküsslein zur Begrüßung und der Austausch frivoler kleiner Sex-Abenteuer unter Verwendung frecher Oops-Wörter, um von der eigentlich grundsoliden Spießigkeit abzulenken. Feminine Verlogenheit made in America, das Rote-Teppich-Romantik-Luder, das bei Pretty Woman immer weinen muss.  Dem entgegengesetzt die neue europäische Weiblichkeit, voll gegen den Trend, ey, so irgendwo zwischen ungezügelt propagierter Fotzenpower der ums Verrecken provozieren wollenden Stumpfkuh Lady Bitch Ray und den verschwitzten Arschrasuren und Muschikraulereien aus Charlotte Roches Feuchtgebieten. Da wissen die Medien ja gar nicht, in wessen Werken sie sich mit schockierterer Schein-Entrüstung suhlen sollen. Gepriesen sei das Recht auf wuchernde Achselhaare, müffelnde Unterwäsche und zelebrierte Ekligkeit als pseudo-rebellisches Zeichen moderner Emanzipation, hurra! Also irgendwie so. Feministisches Furzen für die Freiheit. Im Grunde aber nichts als die gleiche inhaltsfreie Dummheit der Schicki-Püppchen-Fraktion, nur mit anderen Mitteln an die Öffentlichkeit getragen.  Denn belanglose Blödigkeit lässt sich weder wegschminken noch wegstinken.

Was also tun als Frau? Welchem Übel der Massenexistenz soll man sich anschließen, wenn man nicht aus der eigenen Herde ausgestoßen werden will? Und wie geht man mit paradoxen Gefühlen um, wenn man trotz Prada-Tasche und Manolo-Schühchen mal gepflegt einen fahren lassen will? Wir Männer haben das da viel einfacher. Wir machen was wir wollen und fühlen uns dabei immer toll. Also jedenfalls tun wir so. Und das macht uns vielleicht nicht wirklich sympathischer, aber doch ein Stück weit entspannter

STARS AM ENDE

1. Ans Ende geschleimt

Der Vorteil an professioneller Belanglosigkeit: man stört nicht und fällt kaum auf. Der Nachteil: man wird deswegen auch weder bemerkt noch vermisst. Das musste nun auch die glattgeschmirgelte Universal-Moderiermaschine Marco Schreyl erfahren, als ihm bei einer Umfrage nach den besten und kompetentesten TV-Präsentatoren mit Abstand der letzte Platz zugewiesen wurde. Perfekt sitzendes Haar, immer gleiches Tiefkühl-Lächeln und reibungsfreie Gleitfähigkeit im Verbalbereich sind eben nicht ausreichend. So ist das beim Fernsehen: wer immer nur alles richtig machen will, macht irgendwann dadurch alles falsch!

2. So gut wie fast live

Da leck mich doch am Arschgeweih! Nazi-Grüsse, Pädophilen-Witze, Kaffeeklatsch-Rassismus – so langsam wird’s den Verantwortlichen doch zu gefährlich mit der IQ-befreiten Zone vom BIG BROTHER-Container. Deshalb sendet Premiere die Live-Übertragung aus dem betreuten Wohnklo von nun an mit 30-sekündiger Sicherheits-Verzögerung. Dann kann man fix piepen, wenn was Schlimmes gesagt wird. Oder auf Zeitlupe schalten, wenn eine Tittentussi duschen geht. Aber da selbst die hartgesottensten Müll-Redakteure bei dem Idiotengesabbel nach ein paar Minuten mit Brägenlähmung einschlafen, kriegt es wahrscheinlich sowieso keiner mit.

3.  Horror im Hotel

Eins der schlimmsten TV-Terrorkonzepte, das je von der ARD angedroht wurde: Willkommen im Musikhotel! Gedacht als fröhlicher Mix aus Schlagershow und Heimatfilm, mit Patrick Lindner als schnuckelig-gutherzigen Hoteldirektor und Sascha Hehn als seinen intriganten Geschäftsführer. Dazu dann jede Menge schmalziger Schunkelmelodien mit ranzigen Restpromis, viel dünnpfiffiger ARD-Humor aus der eingestaubten Witzbuch-Urne und hanebüchene Handlungsplacebos zwischen Hirntod und Herzstillstand. Ich habe Angst!

2017-02-10T01:40:19+00:00
Hier schreibt der Chef.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hier in unserer Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen