So langsam sollten wir uns schon mal mental und emotional auf den schwierigen Prozess des Jahreswechsels und die damit gewöhnlicherweise verbundenen Neujahrs-Depressionen vorbereiten. Eine wohlbekannte Mischung aus Kater, Frust und Enttäuschung, wenn man wieder einmal bemerkt, dass sich trotz aller guten Vorsätze, Wünsche und Bekundungen absolut gar nichts verändert hat, erst recht nichts zum Positiven. Auch wenn man es sich bis Mitternacht noch so herrlich schöngesoffen hatte, so realisiert man bereits im Laufe der ersten Januartage doch sehr schnell, dass man weder schöner noch jünger oder reicher geworden ist, die Hosen immer noch kneifen und die rituell aufgegebene Kippe schon wieder halb verglüht im Mundwinkel hängt. Die gleichen blöden Hackfressen aus Politik und Boulevard glotzen einem immer noch aus Fernsehen, Netz und Presse entgegen und sind genauso bescheuert wie vorher. Im Dschungelcamp sitzt wieder eine Ansammlung asozial-aufmerksamkeitsgeiler Arschgeigen, die man bisher das Glück hatte nicht zu kennen, sich von nun an aber penetrant als madige Medienmilben unerwünscht durch den fauligen Morast sämtlicher Peinlichkeits-Präsentations-Plattformen winden und uns mit ihrer aggressiven Eitelkeit endlos auf die Eier gehen werden.

Egal was einem klebrige Glückskeks-Zettel, Tischfeuerwerks-Orakel und köttelförmige Bleiklumpen an Weissagungen weismachen wollten, die bittere Wahrheit lautet: das neue Jahr kocht auch nur mit Wasser – und dabei nur dieselbe fade Suppe aus der angebrochenen Schicksalsdose mit dem abgelaufenen Haltbarkeitsdatum, lauwarm und auf kleiner Flamme. Und ehrlicherweise muss man gewöhnlich zugeben dass letztlich auch der glorios geplante Silvesterabend selbst nur so mittel bis nicht ganz-so-doll war. Die meisten Partys sind immer zu voll, zu laut und schleppen sich quälend bis Mitternacht, danach ist man dann viel zu schnell besoffen und am Ende kriegt man nicht mal ein Taxi. Im Grunde nicht anders als jede stinknormale Feier sonst auch, nur mit Extra-Zeitdruck, Luftschlangen und Berliner-fressen – und einer Erwartungshaltung von etwas ganz Besonderem, die niemals erfüllt werden kann.

Wer zuhause bleibt und sich für den betreuten Jahreswechsel mit TV-Begleitung entscheidet, hat allerdings noch tiefer ins Klo gegriffen. Denn egal ob die schunkelschöne Silvestershow mit Pilawa oder die bravbräsige Brandenburger Tor – Sause mit Kerner und Kiwi – der öffentlich-rechtlich zusammengepantschte Gute-Laune-Einlauf aus einlullender Schmunzelstimmung und betulicher Ballermann-Gaudi führt bei den meisten Patienten zu akuter Hirntaubheit mit Zwerchfell-Lähmung bis hin zu schwerer Mental-Diarrhoe und  Intellekt-Infarkt. Wobei all die ausgelutschten Komödienkamellen aus den Wiederholungs-Wundertüten der anderen Sender die Stimmungskurve auch nicht wirklich über Bodenhöhe treiben. Und selbst der Blödeste hat bei DINNER FOR ONE nach zwanzig oder dreißig Jahren mal so langsam den Witz verstanden (Saufen – Tigerkopf – Oma knattern!).

Kann man sich diesen ganzen Silvester-Hype also besser auch gleich komplett schenken. Kein ‚Prost Neujahr!‘, gute Wünsche in die Kimme, vor Mitternacht ins Bett und Kalender vom letzten Jahr einfach noch mal benutzen. Wenn die doofe Welt sich eh nicht ändert, müssen wir auch gar nicht erst so tun. Frohes Altes Jahr!

Dödel-Duo-Doku

Man kann dem knittrigen Botox-Burschen Bohlen und der hampelnden Laberglatze Bruce im Fernsehen ja eh nicht entfliehen, aber RTL foltert seine im gefälligen Mittelmaß eingelullten Zwangszuschauer zwischen den Jahren noch einmal zusätzlich und bringt zur besten Sendezeit einen desaströsen Doppelpack an Dokumentationen über die zwei kuriosen Casting-Kapeiken. Erst ABSOLUT DIETER BOHLEN über das Phänomen des dauergrinsenden ostfriesischen Musikmörders und danach ABSOLUT BRUCE DARNELL, allerdings nur halb so lang – damit wir die beiden Bewertungs-Buddys mal so richtig persönlich kennenlernen können. Obwohl keiner jemals darum gebeten hat. Danke für Nix!

Wiederholung auf Streife

Es ist niemals ein gutes Zeichen, wenn ein Sender ordentliche Erfolge mit gequirlter Scheiße einfährt, dann irgendwann entscheidet es endlich mal mit einem Hauch mehr Qualität zu versuchen, nur um damit zu scheitern und dann wieder kleinlaut den gleichen Müll wie vorher zu senden. So wie jetzt gerade SAT1, das nach erfreulicher Einstellung der tumben Tatütata-Pseudo-Dooftrottel-Doku AUF STREIFE – DIE SPEZIALISTEN nun eben genau diese wieder aus dem Keller holt, weil alles andere noch schlechtere Quoten eingefahren hat. Peinlicher als die Polizei erlaubt!

Neuer Sonntag

Okay, die LINDENSTRASSE erhält im März das endgültige Durchfahrverbot. Aber mit welchem brandneuen Unterhaltungskracher wird unser TV-Innovator Numero Uno DAS ERSTE sein erwartungsvolles Publikum wohl an ihrer Stelle erfreuen? Welchen Knüller haben die Entertainment-Hasardeure als Nachfolge auf der Pfanne, wenn sie schon einen ihrer letzten großen Klassiker opfern? Die kaum überraschende Antwort – Trommelwirbel: Gar nichts! Die SPORTSCHAU wird einfach etwas verlängert und vorher gibt es eine Sonntags-Ausgabe von BRISANT. Wow! So viel Nichts muss man sich erst mal trauen.