Heute müssen wir einmal ganz offen über eine soziale Randgruppe reden, die es gerade nicht leicht hat in unserer zunehmend verrohenden Gesellschaft: die sogenannten ‚Influencer‘. Eine optisch meist asozial ansprechende, aber emotional ausgehöhlte Lebensform zwischen attraktivem Arbeitslosen, nihilistischem Egomanen und mental benachteiligtem Intelligenz-Flüchtling, von tausenden Unbekannten virtuell verfolgt, grundlos bewundert und ob ihrer konsumfreundlichen Belanglosigkeit von Werbewirtschaft und Boulevard-Medien umschmeichelt. Doch plötzlich spüren viele von ihnen statt gewohnter Herz-Smiley-Klick-Liebe so etwas wie Kritik und Gegenwind. Was irgendwie voll gemein und echt nicht fair ist.

Der Grund für diese unschöne Entwicklung hat leider wie so oft mit Geld zu tun. Nicht dass die präsentationsfreudigen Personality-Poser generell geldgierig wären, nur sind sie halt per definitionem daran gewöhnt, ohne Arbeit mehr als genug davon zu bekommen und für nichts selbst zu bezahlen. So beschwerten sich einige der selbsternannt erfolgreichen Netzdarsteller lauthals öffentlich, dass sie nicht kostenlos in diverse Clubs oder Hotels aufgenommen wurden, sondern unverschämterweise zum Zahlen aufgefordert wurden wie ganz normale Asis von der Straße mit nur ein paar hundert Followern. Völlig unverständlich, wäre das kostenfreie Rumlungern in der Location ja eine tolle Aufwertung und Werbung für den jeweiligen Bums gewesen, wenn man von dort ein schickes Duckface-Smiley veröffentlicht hätte. Win-Win gewissermaßen, zumindest einseitig.

Einen regelrechten Shitstorm-Fäkal-Tsunami musste jüngst ein total sweetes deutsches Insta-Pärchen erleiden, nur weil sie mit einer höflichen Bitte an ihre Bilder-Anguck-Fans herantraten. Sie wollten nämlich ein Fest des Lebens feiern und monatelang mit dem Tandem durch Afrika reisen, auch an richtig beautifulle Luxus-Places, um dann von dort superschöne Fotos von sich zu posten. Dafür wollten sie von ihren Folgefreunden lediglich schmale 10.000 Euro via Crowdfunding einsammeln, was ihnen allerdings viele übelnahmen. Einige waren sogar so kleingeistig unsachlich, dass sie vorschlugen, sie sollten doch einfach für das Geld arbeiten gehen! Sowas tut natürlich weh, vor allem wenn man vor lauter Celebration of Life und Picture-Making ja nachweislich gar keine Zeit dafür hat und mit den Happy-Pics von der Travel-Aktion den poor People, die ja selber nicht raus kommen, auch richtig viel emotional zurückgegeben hätte.
Ein junges britisches Cosplay-Girl war cleverer und bot kürzlich becherweise ihr benutztes Badewasser für 30 Dollar pro Glas im eigenen Shop an. Die persönlich gesuhlte Body-Lulle war nach einem Tag ausverkauft, was schon bald zu einer Internet-Sale-Schwemme für ähnliche Produkte führen dürfte: getragene Unterhosen mit Bremsstreifen-Signatur, self-clipped Zehennägel, Kopfschuppen-Scratch-Collections, Zahnzwischenraum-Fundstücke, Achselschweiß-Pads und alte Arschtücher – der Verkäufer-Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Den Rest regelt der Markt. Denn solange es genügend Idioten gibt, die anderen Vollidioten jede Blödheit abkaufen und dafür noch den Daumen hoch machen, haben sich die Bekloppten gegenseitig verdient.

Penetrations-Pension

Es gibt Show-Formate, die entstehen aus Respekt, Menschenliebe und dem Wunsch, Kandidaten und Zuschauern das Leben ein wenig schöner zu machen. Bei RTL laufen die allerdings nicht, dort zeigt man lieber PARADISE HOTEL: elf Singles ziehen in eine bumsfreundliche Bettenburg und müssen sich paaren, als Lohn winkt ein Zimmer-Upgrade. Wer übrig bleibt, kommt in die Besenkammer und fliegt kurz darauf raus, außer er kann rechtzeitig ein anderes Pimper-Pärchen auseinanderbringen. Ja, auch die Privatsender haben Herz und Niveau! Gute Nachricht: nur die erste Folge läuft im Free-TV, der Restschiss nur bei TVNow zum Streamen! Schwein gehabt.

Vermählungs-Hilfe

Wann immer sich irgendwelche minderbekannten C- bis Z-Promis mit eigenem Instagram-Account vermählen wollen, steht RTL2 bereit, um die schnulzige Ja-Sagerei mit peinlich pompösem Trash-TV-Tamtam und Täterä zu begleiten. Nach Katzenberger & Cordalis werden nun Tochter Wollny und ihr Peter Soundso-Namekennichnich vor den Altar gezerrt, um den Zuschauern ein wenig fernsehgerechte Holzhammer-Romantik aufs Sofa zu suppen. DIE GROSSE WOLLNY-HOCHZEIT – SARAFINA TRAUT SICH! lautet der schmissige Titel und ich sage schon jetzt aus vollem Herzen: Nein, ich will nicht!

Hochzeits-Highlights

Wenn bei RTL2 so fleißig Lebensbünde geschlossen werden, möchte man beim großen Bruder RTL natürlich nicht dagegen abstinken und greift noch mal ganz tief in die Vermählungs-Restekiste. Und um auch den frisch gedüngten Erfolg von BAUER SUCHT FRAU gleich noch etwas auszuwalzen, zeigt man einfach zwei Primetime-Specials mit BSF – DIE SCHÖNSTEN HOCHZEITEN. Die hormonell hochpeitschenden Herzilein-Highlights aller bisherigen 29 Farmer-Vereinigungen im Power-Bauer-Remix. Da schluchzt das Schwein, da heult die Kuh – und ich halt mir die Augen zu! Und die Ohren natürlich auch.