Fragt man nach der gefährlichsten Frau im deutschen Fernsehen, kommt man schnell auf einen Namen: Heidi Klum (by Heidi Klum). Einer scheinheilig-diabolischen Märchenspinne gleich lockt sie mit falscher Freundlichkeit junge unschuldige Mädchen in ihre Falle vermeintlich verlockender Glamour-Scheinwelten, modelliert sie kurzfristig zu erotisch-folgsamen Laufsteg-Latschludern um, bricht nach und nach mit eiskalter Härte ihre Seelen und schickt sie dann zurück nach Hause mit einem geheuchelten Bussi-Bussi-Krokodilstränen-Arschritt und einer Designertasche voll emotionaler Traumata.

Fragt man allerdings nach der erfolgreichsten Frau im deutschen TV, fällt ebenfalls der Name der Klum. Seit nunmehr 14 Jahren entscheidet sie als autokratische Alleinherrscherin der GNTM-Jury, wer die schönste und gehorsamste laufende Schminkmurmel im ganzen Land ist – die dann wiederum als Belohnung wie auch Strafe gezwungenermaßen durch die väterliche Model-Wurstmaschine von Papa Klum gedreht wird, um so auch im Nachklang noch ein bisschen mit abzugreifen. Was erklärt, warum die Heidi auch ganz vorne bei den international reichsten und bestbezahlten Frauen gelistet ist.

Wie ist das alles möglich? Nun, eine Antwort gibt uns freilich die alte Binsenweisheit: Geld stinkt nun mal nicht, Moral riecht nicht nach Blümchen und wer ehrlich arbeitet, müffelt oft nach Schweiß! Da kümmert es auch nicht, dass die Klum mit wächsernen Wangen und piepsiger Stimme moderiert wie ein verrosteter Grinse-Roboter, dem man verdorbenes Koks mit Brausepulver ins Benzin gespritzt hat, oder dass das letzte GNTM-Finale den Fremdscham-Level im Paralleluniversum der Peinlichkeiten errötet durch die Decke ins Weltall schießen ließ. Sie ist nun mal super erfolgreich, das reicht als Erklärung! Die jungen Mädels lieben sie halt, lassen sich von der plakativen Vortäuschung theoretischen Ruhms und scheinbarer Bedeutung blenden und erkennen nicht, dass sie in Wirklichkeit nur Opfer sind. Fast so naiv wie ahnungslose Jungferkel, die sich mit einer glamourös fotografierten Hochglanz-Anzeige des neuen Schnitzel-Sonderangebots und dem Versprechen bei Erfolg den Preis als ‚Dümmstes Schwein Deutschlands‘ gewinnen zu können, lachend vom Metzger ins Schlachthaus führen lassen. Beauty-Industrie und Boulevard-Magazine sind jedenfalls begeistert, überschütten die lächelnde Rattenfängerin buckelnd mit Werbeverträgen und Sponsoring und sparen auch nicht an glanzvoller Berichterstattung über ihre Show und das öffentlich ausgiebig zelebrierte Privatleben mit ihrem jungen Hotelfachangestellten aus Tokyo.

So hat Pro7 nicht nur den Vertrag mit der teutonischen Model-Domina und ihren aufdringlichen Boob-Bodyguards Hans & Franz um schockierende sechs Jahre verlängert, sondern plant mit ihr jetzt auch noch eine neue Reality-Casting-Show, in der sie die QUEEN OF DRAGS auswählen soll – wobei die zirkushafte Zurschaustellung durch die hämische Hetero-Heidi von der Queer-Community ungefähr so begeistert aufgenommen wurde wie eine Ankündigung, man hätte für die Jury Donald Trump, Putin und Erdogan verpflichtet. But who cares – Klum castet alles, was man äußerlich beurteilen kann und bei Drei nicht auf den Bäumen ist. Und so lange man mit ihr so einfach so viel Geld verdienen kann, muss man sie doch einfach liebhaben, oder?

Abschuss

Kaum hatte ich sie freudig hier angekündigt, waren sie auch schon wieder Geschichte: sowohl die musikalisch-mediokre Geschlechtsverkehrs-Anbahnungs-Dokusoap SCHLAGER SUCHT LIEBE mit Beatrice Egli als auch der frisch gestartete GERICHTSREPORT DEUTSCHLAND waren direkt zum Start so erfrischend erfolglos, dass RTL den Stecker zog noch bevor die neuen Babys laufen lernen konnten. Dafür gibt es jetzt ein paar flotte Scripted Reality-Wiederholungen und anderen aufgewärmten Altgammel. Denn es gilt die alte RTL-Regel: etwas Mäßiges abzusetzen darf niemals zu einer Verbesserung des Programms führen!

Fehlschuss

Ein neuer Anwärter auf den ersten Platz im ‚Überflüssigste Sendung der Welt‘ – Wettbewerb: PERFECT SHOT auf ProSieben! Egomanische Influencer-Pärchen müssen im geistigen Hohlfrucht-Battle gegeneinander antreten und versuchen, ein zugewiesenes Model mit subtiler Werbebotschaft so krassgeil-oberlit zu inszenieren, dass es Star der Fashion-Week wird, es mit dem Bild in ein Modemagazin schafft oder neue Herzchen-Daumenhoch-Rekorde bricht. Natürlich fett gesponsert und in Selbstverliebtheit über die eigene Schönheit badend. Ich hole mal einen großen Sack Kotze-Smileys…

Knieschuss

Nichts gegen Jörg Pilawa, aber so langsam macht einem als Zuschauer die Über-Pilawasierung der ARD-Programme doch etwas Angst. Kaum eine Sendung, in der er nicht irgendwo an ein Arschpolster gelehnt in der Ecke steht und Fragen stellt oder selbst in der Ratejury sitzt. Und um ja nicht irgendwen Neues on Air oder sich von Kai Pflaume in der Präsenz überholen zu lassen, übernimmt er nach dem Abschied von Alexander Bommes jetzt auch noch die Co-Talk-Rolle neben Bettina Tietjen. Was zusätzlich zum kreativen Knaller-Output führte, die neue alte Laberrunde jetzt auch NDR-TALKSHOW zu nennen, die man aber bitte nicht mit der anderen NDR-TALKSHOW ohne Pilawa (also heute nicht mehr, früher natürlich auch mal!) verwechseln sollte. Toller Zuschauerservice!