Es ist allerhöchste Zeit, die Feiertagsregelung in Deutschland grundsätzlich zu überdenken. Erster Kritikpunkt: es sind definitiv viel zu wenige, nämlich bundesweit gerade mal neun. Beschiss-Nummern wie Oster- oder Pfingstsonntag nicht mitgerechnet, denn die sind ja eh schon per definitionem ein Sonntag – werden aber oft trotzdem gern noch mal großzügig als ‚Feiertag’ deklariert, um uns vermeintlich blödem Dummvolk ein Gefühl staatlicher Generosität vorzugaukeln. Hinzu kommen noch sieben weitere Zelebrationstage, die nur regional in gewissen Bundesländern gültig sind, meistens aber in Bayern. Der fast vergessene ‚Buß- und Bettag’ hingegen existiert inzwischen nur noch in Sachsen – man wird dort schon wissen, warum.
Heute darf man sich an den meisten dieser Daten relativ uneingeschränkt bewegen und verhalten, früher war man da wesentlich resoluter, denn an bestimmten ‚Stillen Tagen’ des Gedenkens wurde die gesamte Nation zwangsweise in die landesweite Gruppendepression befördert. Rundfunk und TV sendeten ausschließlich Trauergesänge, historische Dramen, Gottesdienste und alles was sonst noch dazu diente, dem Publikum jegliches Lächeln notfalls gewaltsam aus dem Gesicht zu jagen. Es galten Tanzverbot und die generelle Untersagung sämtlicher mutmaßlich unterhaltsamen Veranstaltungen wie Kino, Theater oder sonstiger Events, die versehentlich Spuren von Lebensfreude enthalten könnten. Restaurants durften nur besucht werden, wenn das Essen dort so scheiße war, dass es einen zum Heulen brachte. Für die jüngeren Leser: ungefähr so als ob die Regierungs-Typen Dir einen ganzen Tag das Handy wegnehmen und alle Selfies außer mit traurigem Duckface und Tränen-Emojis sperren würden, dazu null Facebook, Instagram und Whatsapp plus Spotify-Abschaltung und Streaming-Verbot für alles außer ganz alte deutsche Familienserien – voll krass! Stille Tage dienten also in erster Linie als Bestrafung der Bürger für ihre reine Existenz und den frech gelebten Übermut auf Kosten des Staates.
Irgendwie erscheint einem dieses ganze Konstrukt religiös oder nationalistisch motivierter Gedenkzeiten heutzutage als nicht mehr zeitgemäß. Wenn schon von Wirtschaft und Regierung festgesetzt, dann doch aber bitte ehrlicher und zielführender. Ein ‚Total-TV-Tag’ beispielsweise, an dem wir in Echtzeit den ganzen Schrott im linearen Fernsehen plus Werbung glotzen müssen, ohne zum Streamen ins Internet ausweichen zu dürfen. Oder der ‚Blödmanns-Day’, an dem sich alle Idioten widerspruchslos als sehr, sehr schlau feiern dürfen, so wie auf einem AfD-Parteitag. Fair wäre auch ein genereller ‚Verarschungs-‚ bzw ‚Du-Opfa-Tag’, an dem die leichtgläubige Leidensfähigkeit der Bevölkerung geehrt und mit kleinen Geschenken und Danksagungen von Wirtschaft und Regierung bedacht wird. Ansonsten würde ich für individuelle Modelle plädieren: jeder Bürger bekommt pro Jahr ein gewisses Set an Auszeit-Gutscheinen, die er nach Bedarf für sich einsetzen darf, zB für je einen Krankfühl-/ Mörderkater-/ Volldepri-/ Bingewatch-/ Blaumach- oder Leckt-mich-doch-heute-mal-alle-am-Arsch-Tag! Wird ja eh gemacht, erspart aber schlechtes Gewissen und mühevolles Ausreden-erfinden!

Scripted Casting

Lange dachte man, es könne nichts Nervigeres geben als die ewig gleichen Casting-Schablonen-Shows auf der Suche nach dem nächsten Wasauchimmer-Talent oder Schlübberzurschaustell-Model. Dann allerdings kamen die so lieb- wie hirnlos hingerotzten Scripted Reality – Formate aus dem Doofen-Universum und zeigten dass alles noch viel furchtbarer sein kann. Die Qualitätstieftaucher von RTL2 verbinden nun das Schlimmste aus zwei Scheißwelten zum ultimativen Kack-TV-Event der Extraklasse: CHARTBREAKER – eine gescriptete Casting-Show um eine Horde talentloser Talent-Imitatoren beim Fake-Jury-Vortanzen auf Gran Canaria zwischen Singen, Saufen und Bumsen. Schlimmer kann ein Jahr nicht beginnen!

Erfinder-Battle

SAT1 hat was Tolles erfunden: die TV-Format-Kopiermaschine! Man stellt auf ‚Aktuelle Trends’, drückt ‚Kopie’, wählt die Qualität ‚Eins-zu-Eins’, ‚Fast genau wie…’ oder ‚Kaum merkbar abgewandelt’ – und schon hat man die eigene verwaschene Labber-Version eines anderswo erprobten Erfolgsformats. Da der Sat1-Vorabend seit Wochen quotentechnisch erbärmlich dahinsiecht, hat man jetzt diverse Gründer-/Erfinder-Shows auf die Copy-&-Paste-Platte gelegt und präsentiert nun den ‚brandneuen’ Erfinder-Battle ‚WIE GENIAL IST DAS DENN?’, in dem jeweils drei Pseudo-Daniel-Düsentriebe das Publikum von ihren Kreativ-Kreationen überzeugen sollen. Pfiffig wie der atemlos gehauchte Pfiff aus einer schlecht nachgeschnitzten Kopierpfeifen-Kopie!

Auszieh-Wohnung

Und mit Karacho drückt 5-Sterne-Shitmaker RTL2 noch einen weiteren gigantischen Hirnschiss-Bollermann aus der Kreativ-Kimme: AUSGEZOGEN – DIE STRIPPER WG! Wie der Titel schon sagt: eine fulminant freizügige Fake-Doku-Soap um eine Wohngemeinschaft semi-professioneller Klamottenabwerfer beim Versuch, Kohle für eine eigene Strip-Show zusammenzustrippen. Das zieh ich mich aus Vorfreude doch gleich mal nackig aus und schubber sabbernd die nächstgelegene Eisenstange rauf und runter!