617. Die Grenzen der Pressefreiheit (TVS 23/18)

Reden wir einmal offen über ein wirklich heißes Eisen im Medienbetrieb: den so genannten ‚kritischen Journalismus’, auch bekannt als ‚Lügenpresse’. Gut, früher war das vielleicht mal eine ganz gute Sache, da gab es auch viel aufzudecken und zu berichten überall, weil damals noch eine ganze Menge vertuscht und gemauschelt wurde. Mitunter soll es sogar Fälle gegeben haben, in denen Reporter echte Skandale oder politische Schweinereien entlarvten, aber wie gesagt: das ist lange her. Heute leben wir glücklicherweise in einer viel besseren Welt, angeführt von so integren wie intelligenten Politikern, denen wir hundertprozentig vertrauen können. Seehofer, Söder, Merkel bis hin zu Gauland, Trump, Erdogan – von solch redlichen und klugen Köpfen konnten wir früher nur träumen. Mehr als verständlich aber, wenn tapfere Weltverbesserer wie sie dann auch mal sauer werden, wenn sie sich trotz aller Philanthropie und ausnahmslos grandioser Leistungen immer wieder hämische und überpingelige Kritik gefallen lassen müssen, gewürzt mit erfundenen Fakten über angebliche Fehlleistungen. Früher haben sich Obrigkeiten solche Respektlosigkeiten jedenfalls nicht einfach so gefallen lassen, und wir wissen: früher war nicht alles schlecht!

Uns sollte spätestens klar sein, dass mit unserer überheblich agierenden ‚Freien Presse’ etwas faul ist, wenn sogar herzensgute, grundehrliche und sensible Männer wie K.H. Rummenigge und Uli Hoeneß vom karitativen Leibesertüchtigungs-Verein FC Bayern München sich aus purer Verzweiflung gezwungen sehen, in einer öffentlichen Fußball-PK das Grundgesetz zu zitieren. ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar!’ – eine eher weniger bekannte Phrase aus unserer Verfassung, die im Zusammenhang mit der ungerechtfertigten Kritik am sportlichen Kicker-Club so viel heißen sollte wie ‚die Spieler des ewigen deutschen Meisters sollten doch bitteschön von der bösartigen Journaille komplett in Ruhe gelassen werden, wenn sie mal ausnahmsweise nicht glanzvoll siegen!’ Der Journalismus muss sich endlich angewöhnen, nicht immer bloß über die Herrschenden, Erfolgreichen und Wohlhabenden – also die Leistungsträger und Gestalter der Gesellschaft – zu meckern, sondern sich lieber die eher so linksgrünuntenrumversifften Skeptiker und Nörgler vorzunehmen, die ein Problem damit haben sich einfach mal still und leise den weisen Mächtigeren zu unterwerfen.

So kann das jedenfalls nicht weitergehen. Vielleicht sollte man über eine Art ‚Freiwillig rechtsverbindliche Vorab-Genehmigungspflicht für kritische Äußerungen’ gegen gefühlt Unantastbare nachdenken. Denn wäre es von diesen selbst ernannten ‚Journalisten’ wohl wirklich zu viel verlangt, wenn sie ihre geplanten Kommentare (aka Frechheiten) vorher kurz den Betroffenen zum Redigieren vorlegen würden, um im Interesse der Nationalen Sicherheit und Guten Laune unangenehme Anschuldigungen ein klein wenig schönfeilen zu lassen? Pressefreiheit sollte – wie jede gute Freiheit – klare, enge und gesunde Grenzen kennen. Denn die Freiheit der Berichterstattung sollte niemals die Freiheit des unentdeckten Scheißebauens einschränken dürfen!

Schöne Bergwelt

Das ZDF weiß was seine Zuschauer zum Einschlummern lieben: ruhige. nette Menschen in schönen Landschaften, wo die Welt noch in Ordnung ist. Wenn nicht auf schwülstig schippernden Traumschiffen, dann bevorzugt auf den grünen Auen der herrlich hügeligen Bergwelt, bei frischer Luft in der (außer von trampeligen Fernseh-Teams) unberührten Natur. Nach diversen Berg-Doktoren/-Rettern/-Gefährten/-Bauern/-Familien/-Besteigern und –Ziegen wird nun mit GIPFELSTÜRMER ein alpines Berg-Internat seine friedlichen Pforten öffnen. Auf dass sich ja nichts ändert und bloß keine Aufregung ins Programm einkehrt!

Wohn- und Back-Wahn

Auch RTL möchte den Sonntagnachmittag anscheinend der lauschigen Ruhe und lauwarm-lulligen Gemütlichkeit widmen und plant zwei neue Wohlfühl-Family-Formate im Doppelpack. Erst UNSERE SCHÖNE GEMEINSAME WOHNUNG, wo mit Hilfe von Schönwohn-Profis Resi & Guido schwierige ‚Krisen- zu Kuschelzonen’ umgemuckelt werden sollen, danach zur Kaffeezeit dann HAUPTSACHE SÜSS, eine Art regionaler Bäcker-Battle für virtuelle Tortenmampfer. Früher aß man am Sonntagnachmittag Kuchen in der Wohnung und schaute dazu Filme – heute sieht man im Fernsehen anderen Leuten beim Wohnen, Backen und Essen zu und netflixt zum Nachtisch.

St. Pauli – TV

RTL 2 weiß auch immer was seine Zuschauer am meisten interessiert, nämlich beispielsweise ein betreuter Spaziergang über den Hamburger Kiez, für alle die lieber analytisch dem Gebumse von außen zuschauen und im Notfall selbst Hand anlegen. REEPERBAHN PRIVAT! DAS WAHRE LEBEN AUF DEM KIEZ beleuchtet das Rotlicht-Milieu von allen Seiten und lässt den GV-interessierten Hobby-Voyeur bequem daheim im Warmen das anrüchige Milieu theoretisch miterleben, ohne ihm den mühsamen Gang in den Puff inklusive anstrengendem Dienstleistungs-Vollzug praktisch zumuten zu müssen. Das nennt man echtes Mitfühl- und Service-Fernsehen!

2018-11-06T01:24:54+00:00