584. Gewalt verbindet die Welt (TVS 16/17)

Der G20-Gipfel in Hamburg liegt bereits einige Wochen zurück, aber nach Auswertung aller Fakten kann abschließend ein für alle Seiten höchst erfreuliches Fazit gezogen werden. Der offizielle Zeitplan wurde ordentlich eingehalten, ein Großteil der Staatschefs war bei den meisten Veranstaltungen anwesend, President Trump bei einigen sogar persönlich, die kulinarischen und musikalischen Preciosen von Beethoven bis zu den Ochsenbäckchen erfreuten die Seele, und ein paar wenige der gemeinsam verabschiedeten Ergebnisse hielten sogar mehrere Stunden.

Besonderer Dank gilt an dieser Stelle den beherzten Bürgerinnen und Bürgern, die gemeinsam mit Faust, Stein und Benzin dafür sorgten, Hamburg wieder in die Medien und das öffentliche Bewusstsein zu krawallen. Mit so aufregenden wie auch anheimelnden Bildern von eskalierenden Straßenschlachten, festlich brennenden Kleinwagen und marodierenden Diebeshorden hat sich die fast vergessen geglaubte maritime Weltstadt mit Herz und Wumms auf der Liste der internationalen Power-Metropolen wieder ganz nach oben katapultiert. Zudem gelang es durch die nicht enden wollenden sinnlosen Gewalt-Eskalationen ganz vortrefflich, von den mehr als mauen Ergebnissen des eigentlichen Gipfels abzulenken, auch dafür noch einmal ein zusätzlicher Dank an alle Beteiligten. Ohne die unterhaltsamen Massenschlachten und bildgewaltigen Brandanschläge hätten die Journalisten kaum etwas unterhaltsames zu berichten gehabt und wären gezwungen gewesen, uns mit der drögen Politik zu langweilen. So spielte diese glücklicherweise nur die zweite Geige und alle Teilnehmer konnten ohne unerfreulich bindende Beschlüsse wohlgenährt und angenehm ergebnisarm nach Hause reisen.

Lob auch an die zahlreichen offenbar links orientierten Cha- und Idioten, denen es bravourös zu beweisen gelang, dass Dummheit und generelle Menschenfeindlichkeit nicht nur im rechten Spekturm des politischen Regenbogens zu finden sind. Leichter und eleganter wurden den reaktionären Kräften die Argumente für mehr Überwachung, Demonstrationsverbote und generelle Einschränkungen persönlicher Freiheiten nur selten aufs Silbertablett gelegt, da klatschten nicht nur die AfD und Erdogan mit einem fröhlichen ‘Na siehste!’ aufgeregt in die Hände. Glücklicherweise kam bei den Demonstrationen gegen den Kapitalismus ja auch niemand Wohlhabendes zu Schaden. Erfrischend auch, wie lange die Diskussionen um diese kauzigen Krawalle rund um den Gewalt20-Gipfel nun schon die Medien beherrschen und selbst friedvolle Politik-Knuddel wie Wolle Bosbach sogar erzürnt zum hoch unterhaltsamen TalkShow-Walkout treiben, wenn man ihm eine fanatisch fehlgelenkte Labernagelbombe wie die nervzickige Ditfurth an die Seite setzt.

Wir lernen also: Egal ob rechts oder links, reich oder arm, Schwarz oder Weiß – Gewalt, Hass und Dummheit gibt es überall. Und wenn diese sich die Hand reichen, dann knallt es gewaltig und der angedachte Protest explodiert in der eigenen Fresse, während sich die jeweils falsche Seite ins Fäustchen lacht. Einfache Mathematik der Blödigkeit.

Konferenz-Abschaltung

Bei der Ankündigung klang es noch halbwegs originell, in der Realität war es schlimmer als selbst von den schwarzseherischsten Pessimisten befürchtet: die Pro7 GAMESHOW KONFERENZ! Alte ausgelutschte Show-Wiederholungs-Kamellen in kleine Teile zerschnippelt und pseudo-live mit einer schmerzhaft drögen Fake-Konferenzschaltung von Elmar Paulke zurück in die Restmülltonne moderiert. Hätte mit etwas Humor, Selbstironie und Charme durchaus funktionieren können, wurde so aber ein verdient fulminanter Flop und schon am nächsten Morgen komplett abgesetzt. Konferenz Ende.

Crossover-Soaping

Nach nur wenigen Jahrzehnten ewig gleichlulliger Softserienberieselung kam man im Ersten auf eine frische Idee: Zwei Figuren aus der LINDENSTRASSE schauen einfach mal bei der ARD-Soap IN ALLER FREUNDSCHAFT vorbei – und kurz darauf umgekehrt. Ein erster Schritt in neue Dimensionen der Kollaboration, zB zwischen TATORT und PAARDUELL, TAGESSCHAU und VERSTEHEN SIE SPASS? oder auch UM HIMMELS WILLEN mit der BÖRSE VOR ACHT. Macht wahrscheinlich nichts davon besser, weckt aber vielleicht wegen der unerwarteten Veränderung den einen oder anderen komatös eingschnarchten Zuschauer.

Kunstkatzen-Styling

Was tut eine Ikone des künstlichen Fake-Lebens wie Daniela Katzenberger, wenn sie nicht gerade ein Kind kriegt, heiratet, Weihnachtskekse backt oder sonst etwas Langweiliges tut, wobei man sich für die eigene Doku-Soap abfilmen lassen könnte? Klar, man startet eine neue Sendung, so wie jetzt FASHION IN THE BOX, in der man armen normalen Frauen hilft, sich von Catwoman und drei debilen Mode-Muschis in ein künstliches It-Weib umstylen zu lassen. Klingt brutal und grauenhaft, tötet Hirnzellen und führt zu Ohrenrauschen – ein weiterer Schritt in die freiwillige TV-Lobotomie.

2017-08-07T03:40:08+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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