548. #BeschiFaZ (TVS 06/16)

548. #BeschiFaZ (TVS 06/16)

‚Das deutsche Fernsehen wird immer beschissener!’ oder ‚Ich guck ja gar kein Fernsehen mehr!’ Huiuiui, harte Worte, die man allerdings immer öfter von allen Seiten in der so genannten Bevölkerung hört. Was wurde nur aus unserer geliebten alten Flimmerkiste mit dem dicken Hintern, vor der sich einstmals in friedlicher Glückseligkeit ganze Familien aus mindestens sieben Generationen mit Nachbarn, Verwandten, Flüchtlingen, Haustieren und Straßenmusikanten in steinzeitlicher Lagerfeuerstimmung einträchtig versammelten, um im Wohnzimmer zu grillen und gemeinsam WETTEN DASS zu schauen? Heute lassen wir uns emotionslos einlullen von hochnäsigen Quality-Programmen aus Online-Diensten, deren Inhalte so plan- wie seelenlos auf unsere glatt gebügelten Flatscreen-Flittchen gestreamt werden, die gelangweilt an unseren Wänden hängen oder anbiedernd auf dem Sideboard stehen wie zwangsprostituierte Billignutten am Straßenstrich des Datenverkehrs. Erschütternd. Wie sollen wir mit dieser medialen Verrohung und Entzauberung der Fernsehmagie umgehen? Eine Möglichkeit fand ich im Umgang mit boshaft schlechten Zelluloid-Schundwerken, so wie ich es mit meinem Kollegen Peter Rütten in unserer Sendung #SchleFaZ – Die schlechtesten Filme aller Zeiten praktiziere: wir akzeptieren sie einfach so, wie sie sind. Wir umarmen und zelebrieren sie, lachen über sie statt mit ihnen, wir feiern offensiv ihre selbst verschuldete Scheißigkeit mit selbst ersonnenen Cocktails und Trinkspielen. Je schlimmer der Film, desto größer das Fest!
Warum machen wir dies mit unserem trantütigen Trash-TV nicht einfach genauso? Wir wissen doch, wie schlimm es ist – wieso regen wir uns dann eigentlich noch darüber auf und versuchen hoffnungslos es zu verändern? Nennen wir es schlicht #BeschiFaZ – DAS BESCHISSENSTE FERNSEHEN ALLER ZEITEN, küssen es gönnerhaft auf die Stirn, schenken ihm seine verkniffen erzwungenen GEZ-Gebühren und dazu noch eine Tafel Schokolade. Lachen wir über seine vergeblichen Versuche, etwas wirklich Großes zu leisten, uns mit nie gesehenen Unterhaltungs-Eskapaden zu verblüffen oder noch einmal so wie früher eine ganz große Samstagabend-Show für die ganze Familie zu landen. Lassen wir seine Bestrebungen, uns mit güllegleichen Billigformaten in den Gulli der werbefinanzierten Belanglosigkeit zu spülen, einfach an uns abperlen wie Pennälerpisse an der Pinkelrinne. Trinken wir einen hochprozentigen Brägenbetäuber auf ex, immer wenn Pilawa eine neue Quizfrage stellt, Pflaume die Hände reibt oder in einer Scripted Reality-Aufführung des Absurden Theaters der Satz ‚Sag dass das nicht wahr ist!’ fällt, selbst wenn uns so bereits nach wenigen Stunden die Gnade der Alkoholvergiftung garantiert ins ewige Testbild-Traumland gleiten lässt. Fernsehen kann so schön sein, wenn man nichts von ihm erwartet und man lernt, sein tölpelhaftes Unvermögen als Stärke oder zumindest liebevolle Eigenart zu akzeptieren und als Konsequenz aktiv zu ignorieren. Denn Abschalten ist der Sex des alternden Fernsehzuschauers.

Nacktnullen

Schon immer eine der erfolgversprechendsten Möglichkeiten, die wahre Liebe zu finden: Sich irgendwo splitternackt am Strand zu dubiosen Blind Dates mit fernsehgeilen Schmierlappen treffen und dabei von RTL-Kameras bis in die eigene Kimme verfolgen zu lassen. Siehe ADAM SUCHT EVA. Da aber nackte Normalos beim Brüstebaumeln, Sackschaukeln und Schwachsinnlabern schnell langweilig werden, will man nun eine Promi-Version nachschieben. Natürlich mit all den üblichen uninteressanten Pimmel-Punzen-Promis, die eh überall ungefragt sämtliche Geschlechtsteile in die Linse halten. Dummerweise werden manche Menschen proportional sympathischer, je weniger man von ihnen sieht!

Katzenkuppelei

Es gibt sogenannte Promis, die sind weder Schauspieler, Sänger noch Filmstars oder irgendwas sonst – sie können einfach gar nichts wirklich richtig und gehen in der Realität den Mitmenschen größtenteils auf die Eier, sind aber irgendwie auf amüsante Weise verhaltensauffällig und universell auslachbar. Deshalb lassen sie sich statt Psychotherapie schlicht bei ihrem eigentlich schwer vermurksten Leben fürs Fernsehen abfilmen. Ikone dieser Kaste ist und bleibt ‚die Katze’ Daniela Katzenberger, die nach ihrer schwer aufdringlichen Schwangerschafts-Doku nun auch die Hochzeit mit dem kaumcharismatischen Cordalis-Ableger Lukas inklusive Vorbereitungen auf ihrem neu infizierten Wirtstiersender RTL2 feiern will. Wer das nicht sehen möchte, der schalte nun ab und schreie laut NEIN oder möge für immer schweigen und leiden. Amen.

Fürstversagen

Die Post-Dschungel-Phase flutscht nicht ganz so erfolgreich wie erhofft für die Öffentlichtkeits-nymphomane Ex-RTL-Zwirbelzopf-Nervziege Helena Fürst. Die großen Angebote für die Pseudo-Anwältin verstecken sich und sämtliche Medien versuchen sie weitläufig zu umfahren. Selbst Super-RTL hat nun ihre alten Wiederholungen aus dem Programm genommen, womit das Fernsehen vorübergehend wieder erfreulich Fürstfrei ist. Dennoch gelungen: boshafte Gehässigkeit wird im Bereich der Psychoanalyse ab jetzt in FÜRST gemessen!

2017-02-10T01:40:01+00:00
Hier schreibt der Chef.

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