520. Satire ohne Grenzen (TVS 04/15)

Seit dem barbarischen Anschlag auf die Redaktion von CHARLIE HEBDO in Paris wird in den Medien und der Bevölkerung hitzig über die Bedeutung der Meinungsfreiheit diskutiert, verbunden mit der Frage: was darf Satire? Inzwischen scheint man sich einig zu sein: Satire darf ALLES! Mit einer klitzekleinen Einschränkung natürlich. Sie sollte weder unter die Gürtellinie gehen noch den guten Geschmack oder die Meinungen/Gefühle Einzelner oder bestimmter Gruppen verletzen. Muss man selbstverständlich nicht einhalten, aber dann braucht man sich auch nicht zu wundern wenn es mal Ärger gibt.

Wer jedoch schon einmal in der Satireherstellung oder einem medialen Humorvertriebszentrum gearbeitet hat, der erkennt die Problematik. Denn ein Blick auf das Etikett der Satirepackung zeigt deutlich, dass sie Spuren von Sarkasmus, beißender Ironie und Spott enthalten kann, besser gesagt: muss! Weil das ihre Aufgabe ist. Da zudem bislang noch kein Mensch diese sagenumwobenen Grenzen des guten Geschmacks gefunden oder den Sitz der imaginären Gürtellinie modisch zweifelsfrei definiert hat, bleibt jegliche noch so universelle Wertung immer nur eine Frage des individuellen Geschmacks.

Dennoch ist es immer wieder überraschend zu sehen, wie sehr eine öffentliche satirische Äußerung oder Karikatur Menschen – egal welcher Religion, politischen Gesinnung oder Interessengruppe zugehörig – zu emotionalen Höchstleistungen anfeuern kann. Schaut man sich beispielsweise Kommentare bei Facebook an, so kann man nur froh sein, dass die meisten Helene Fischer-Fans nicht bewaffnet sind. Kaum ein seriöser Kommentar führt so schnell zu solcher Wut und Empörung wie eine gut gesetzte Satire. Doch zu selten nehmen die Be- bis Getroffenen das freundliche Angebot des Humors an, einfach intellektuell über der Äußerung zu stehen und gemeinsam darüber zu lachen, sondern lassen ihren Gefühlen mit Protesten, Beschwerden und körperlichen Angriffen freien Lauf. Wobei meist gerade jene, die nicht unbedingt als Baby in einen Topf mit Klugheit gefallen sind, am lautesten schreien und am aggressivsten den Respekt einfordern, den sie weder anderen entgegenbringen noch sich selbst durch Taten verdient haben. Wer schlau genug ist, sich nicht all zu ernst zu nehmen, kann auch über sich selbst lachen. Wer allerdings auf Humor oder Kritik generell mit Gewalt reagiert, unterschreibt damit die Bankrotterklärung seiner eigenen Intelligenz. Und erkennt nicht den Unterschied zwischen ‚wichtig sein’ und ‚sich wichtig nehmen’. Etwas mehr Selbstironie und Lässigkeit täte uns allen gut. Nur der Dumme sieht Satire als Bedrohung. Der Kluge ist dankbar für die Freiheit, die sie bringt – selbst wenn er den Witz mal nicht versteht!

STARS AM ENDE

Beschiss-Ende

Sie müssen jetzt ganz stark sein: der ASTRO TV SHOP existiert nicht mehr! In stiller Trauer wurde er Ende letzten Jahres zu Grabe getragen. Keine Angst, die gemütlich durchgeknallten Kartenleger und Kaffeesatz-Übersetzerinnen am Hotline-Table gibt es immer noch, aber es gibt über den Sender leider keine Abnehm-Zauberspiegel, Reichtums-Geldbörsen oder geweihten Karma-Klosteine mehr zu kaufen, dafür muss man jetzt wieder in die Winkelgasse. Blöd für die ehemaligen Mitarbeiter, der Markt für esoterische Scharlatane und geisteskranke Trickbetrüger wird ja immer umkämpfter und unübersichtlicher. Am Ende war der offizielle Beschiss über einen eigenen Sender nur wohl leider nicht mehr lukrativ genug. Aber es bleibt ja immer noch das Hütchenspiel oder die musikalische Leih-Lama-Begleitung in der Fußgängerzone!

Nachrichten-News

Die Auswertung der Marktanteile aller deutschen Nachrichten-Formate brachte zwei interessante Ergebnisse: 1) TAGESSCHAU und HEUTE konnten Gewinne einfahren. 2) Sämtliche Privatsender verloren Zuschauer – mit Ausnahme der RTL2-NEWS, die vor allem bei den Jungen unter 30 zulegten. Die WM erklärt unter anderem das Plus der Öffentlich-Rechtlichen. Allerdings überrascht es, dass die einzige Nachrichtensendung ohne wirkliche Nachrichten als Sieger auf der anderen Seite hervorgeht. Okay, dafür gibt es bei RTL2 cool-krasse und good lookende Moderationsdarsteller und auch jede Menge Fun und gute Laune zwischen all den Bad News. Wahrscheinlich aber bleibt einfach ein Großteil des Publikums von BERLIN – TAG & NACHT dabei hängen, weil sie es für einen leicht unverständlichen Scripted Reality–Ableger aus der Fernsehbranche halten.

Jury-Müdigkeit

Schaut man die neuen Folgen von DSDS, wird man das Gefühl nicht los, einem sprechenden Wachsfigurenkabinett im Schlummermodus kurz vor dem Einnicken zuzusehen. Ein ausgestopfter Heino in buntem Jugendfummel, der ab und zu lustlos einen halben Satz murmelt, ein gelangweilter Bohlen, der noch älter und künstlicher aussieht als Heino, und noch irgendwelche zwei anderen Pappkameraden dazwischen, alle nur geeint durch elementare Bocklosigkeit. Da hört man vor lauter eigenem Gähnen die Kandidaten ja gar nicht mehr!

2017-02-10T01:40:03+00:00

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Hier schreibt der Chef.