513. Wozu noch die Mühe? (TVS 23/14)

Es tut vielleicht ein bisschen weh, aber wir müssen der traurigen Wahrheit ins Auge sehen: Wir – das Publikum – haben unsere Fernsehsender sehr, sehr enttäuscht. Wir haben wir ihnen weh getan, rein menschlich gesehen, tief in ihrem allein für uns schlagenden Herzelein drinnen. So äußerte sich kürzlich ein anonymer Mitarbeiter im (sehr) gehobenen Management einer (sehr) großen Privat-TV-Station (wahrscheinlich RTL) der Presse gegenüber (sehr) vertraulich und (etwas) angetrunken: ‚Glaubt dieses undankbare, arrogante Zuschauer-Glotzvieh-Pack eigentlich, wir machen den ganzen Scheiß hier zum Spaß? Denken diese geistlosen Pimmelnulpen, wir würden all diese hingerotzte Hirngrütze produzieren, weil wir das gut finden oder gern selber anschauen würden? Sehen wir etwa so bescheuert aus? Ich habe sogar (kurz) studiert und viele meiner Kollegen haben eine abgeschlossene Schulausbildung! Für wie blöd halten uns diese kleinen Scheißer eigentlich?’

Es steckt viel Wahrheit in diesen emotionalen Worten. Und wir können wohl alle nachempfinden, wie frustrierend es für einen ansatzweise halbgebildeten Fernsehmacher sein muss, sich auf das unauslotbar tiefe Niveau seiner Zuschauer hinab in den Dreck zu begeben und dann animalisch darin zu suhlen. Wenn diese aufopfernde Mühe vom Publikum dann aber als Dank nur mit Füßen getreten bzw. am Ende nicht einmal ordentlich eingeschaltet und konsumiert wird, so kann es selbst Menschen ohne Seele in eine Art Sinnkrise stürzen. Solch ein Sender hat es schließlich nicht gerade leicht, sich fortwährend unsere kollektive Blödigkeit vorstellen und auch noch bedienen zu müssen. Wären wir alle nicht so extrem intellektuell durchgefönt, anspruchslos und primitiv, könnten die TV-Verantwortlichen glatt gutes und abwechslungsreiches Fernsehen machen, anstatt uns dämlichen Säuen immer nur polierte Plastikperlen vor die Rüssel zu kippen. Jedes Land bekommt das Programm das es verdient, sagen einige – also dürfen wir uns nicht beschweren, wir sind selber Schuld an unserem Leid. Die Öffentlich-Rechtlichen halten uns für dumm, debil und dement – die Privaten für doof, infantil und pervers. Das würden diese schlauen Leute ja nicht tun, wenn es nicht der Wahrheit entspräche, oder? Ich jedenfalls schäme mich sehr für meine mir vorher nicht bewusste Dummheit und bitte das deutsche Fernsehen dafür aufrichtig um Entschuldigung.

STARS AM ENDE

Life of Mellie

In den USA gilt immer noch ‚vom Tellerwäscher zum Millionär’ als ultimative Traum-Karriere. Hier sind wir schon weiter – vor allem die modernen jungen Frauen. Ihnen gilt als neues Vorbild Melanie Müller und ihr glorioser Erfolgsweg: vom Ex-Porno-Sternchen-Teilzeit-Escort über Bachelor-Beilage bis auf den Promi-Olymp als Dschungelkönigin! Heute kennen sie ganz dolle viel Leute, wenn auch keiner versteht warum. Und alle fragen sich natürlich: wie lebt es sich eigentlich mit so großen Brüsten? Daher begleitet RTL2 das blonde Role Model – Märchen demnächst durch den ultra-aufregenden Alltag in der Doku-Soap MELANIE IN LOVE. Endlich wieder Fernsehen mit Bildungsauftrag und dicken Titten!

Hochzeits-Quickie

Ein ganz frischer Trend im TV sind ja Beziehungen und Verkupplungen und so Leute zum Kuscheln für ulkige Loser finden. Aber weil das meist ja doch nix wird, hat SAT1 jetzt den perfekten Ausweg gefunden: in HOCHZEIT AUF DEN ERSTEN BLICK lässt man Paare durch ein Computerprogramm ermitteln und verheiratet sie noch vor dem Kennenlernen – um dann mit der Kamera mal zuzuschauen, ob da vielleicht nicht trotzdem mit der Zeit was draus werden kann. Klingt erst mal ziemlich bescheuert – aber bei den Buntball-Bumsbirnen weiß man ja zum Glück, dass es wahrscheinlich noch viel viel schlimmer wird!

Stehendes Laufband

AM LAUFENDEN BAND war in den 70ern innovativ, frech und für damalige Verhältnisse regelrecht revolutionär. Nach dem Tod von Rudi Carrell grinste sich vor acht Jahren schon einmal der junge Florian Silbereisen durch ein peinliches Zombie-Revival und bewies, dass man mit etwas Mühe auch eine großartige Vorlage in biederes Mittelmaß zurück schunkeln kann. Jetzt hat Quiz-Moses Pilawa angekündigt, das gleiche mit einer erneuten Neuauflage noch einmal zu versuchen. Natürlich nicht wie damals mit ‚Normalos’ als Kandidaten, sondern den obligatorisch langweiligen ‚Promi-Paarungen’. Ich steck so lange einfach mal den Kopf ins Klo und lass mich überraschen!

2017-02-10T01:40:03+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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