475. Die hohe Kunst der Volksverarschung (TVS 11/13)

Irgendwas riecht faul im Lande. Nach offener Hose, altem Fisch, ranzigen Schmiermitteln, moderigem Gemauschel und grinsender Verlogenheit. Niemandem kann man mehr trauen. Jeden Tag wird der Nation die dunkel gefärbte Ehren-Unterhose eines weiteren vermeintlichen Saubermanns präsentiert. Ulrich H., einer unserer beliebtesten Fußballclub-Präsidenten und Wurstfabrikbesitzer – für die Deutschen schon allein durch diese Kombination eine Lichtgestalt der Ehrlichkeit – entpuppt sich als Steuerbescheißer im Gutsherren-Stil. Bushi D., intellektueller Romantik-Rapper und stolzer Besitzer einer vergoldeten Schalenwild-Staue für Integration, verblüfft durch vertraglich dokumentierte Kontakte in die Unterwelt. Georg S., CSU-Fraktionschef im bayerischen Landtag, tritt ‚freiwillig’ zurück, weil er versehentlich seine Frau für ein vielfaches Regelgehalt als Sekretärin bei sich selbst angestellt hatte – so wie es zahlreiche seiner christlich-asozialen Kollegen mit ihrer arbeitslosen Sippschaft ebenfalls auf unsere Kosten taten. In der katholischen Kirche wurden/werden seit Jahrzehnten ihnen anvertraute unschuldige Kinder missbraucht, finanziert von unserer Kirchensteuer, während die Verantwortlichen im Priestergewand mit juckendem Lümmel die Frömmigkeit predigen. Und im Fernsehen bekommen wir von den verantwortlichen Programmbastlern täglich den nackten Arsch der Dummheit ins Gesicht gehalten, mit der Behauptung es sei die aufgehende Morgensonne. Während die Öffis ihre aufgedrückte Zwangsgebühr mit dreister Arroganz in ‚Beitrags-Service’ umbenennen und auf Applaus für ihre begrifflich gelungene Volksverarschung warten.
Im Grunde meines Herzens bin ich ein friedliebender Mensch, doch so langsam frage ich mich: wo ist das A-Team, wenn man es mal braucht? In wessen Tasche befindet sich gerade die Faust Gottes? Wäre eine knackige Sintflut nicht die sinnvolle Alternative zu einem weiteren verregneten Sommer? Und wie lange noch wollen wir alle es widerspruchslos hinnehmen, dass man uns lächelnd jeden feuchten Furz als Eau de Parfum verkauft? Werden wir immer wieder derart dreist betrogen, weil die anderen so schlau sind – oder einfach nur weil wir uns alles so brav-blöd gefallen lassen? Ist dieses unverschämte Ignorieren und Bescheißen der Masse vielleicht nur ein verzweifelter Schrei nach Liebe? Oder nach einem verdienten Schlag in die Fresse? Man kann ja über alles reden…

STARS AM ENDE

Talk-Diskussion

Irgendwelche Mitglieder vom Rundfunkrat des BR müssen aus Versehen oder wegen Krankheit mal wieder das eigene ARD-Programm geschaut haben und kamen spontan zu der schon längst jedem bewussten Erkenntnis: Hui! Fünf Talk-Shows pro Woche sind eigentlich ja doch ne ganze Menge! Also quasi bis zu vier Stück zuviel… und auch nicht sooo doll abwechslunsgsreich irgendwie. Deshalb überlegt man nun wie schon so oft und viel zu spät, ob nur drei davon dem Langeweile-Auftrag nicht vielleicht auch genüge täten. Wahrscheinlich bildet man jetzt eine Arbeitsgruppe zur effektiven Talk Show-Verknappung, berät sich zwei Jahre lang, und am Ende haben wir sieben statt fünf.

Tang-Zwang

Tanzen ist gesund und macht gute Laune – vor allem wenn man nicht selber blöd rumhoppeln muss, sondern anderen beim kontrollierten Body-Zucken zuschauen kann. Und weil RTL gerade mal wieder etwas Erfolg mit LET’S DANCE hat, müssen natürlich auch SatOne & ProSeven dringend ein eigenes Tanz-Contest-Format nachlegen. GOT TO DANCE soll es heißen. Allerdings überraschenderweise nicht mit arbeitslosen Promi-Ablagerungen, sondern bewegungsbegabten ‚Normalos’ – allein, im Duett oder auch in militärischen Tanz-Formationen. Noch besser fände ich allerdings THE DANCE mit einer Jury, die nicht hingucken muss. Und am allertollsten wäre es wenn wir es auch erst gar nicht zu sehen bekämen!

Richter-Rückkehr

Endlich wieder Gerechtigkeit! Nein, ich rede nicht von der neuen Gebühren-ordnung der Öffentlich-Rechtlichen, sondern der Rückkehr des Scripted Reality – Robengrinsers Richter Alexander Hold! Obwohl seine Show erst kürzlich zur sofortigen Einstellung verurteilt wurde, dürfen er und seine Juristen-Gang jetzt testweise noch mal ran: IM NAMEN DER GERECHTIGKEIT – WIR KÄMPFEN FÜR SIE! lautet der Titel kurz und knapp, oder auch einfach INDGWKFS! Diesmal sollen die erfundenen Streitigkeiten vor Ort geschlichtet werden bevor es überhaupt zu einer Gerichtsverhandlung kommt. Meine Erfahrung aus anderen Serien: bei Starrsinnigkeit hilft notfalls immer eins inne Fresse oder mit dem Richterhammer zwischen die Klöten. Eibruch stattgegeben!

2017-02-10T01:40:06+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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