438. V wie Vernsehen (TVS 26/11)

Verbrecher, Vollidiot, Versager – das alles zusammen ergibt dann das ganz große V wie Verfassungsschutz! Im Grunde ist V-Mann ein Ausbildungsberuf wie jeder andere, allerdings mit dem großen Vorteil, dass ein niedriger IQ, mangelnde Bildung und generelle Unfähigkeit hier zum Einstellungsprofil gehören. Als Einstieg empfiehlt sich ein Praktikum auf dem Gebiet der Kleinkriminalität, vorzugsweise im Fachbereich Rechtsextremismus. Nichts Großes, nur ein wenig hinein schnuppern, Kontakte knüpfen, Leute kennen lernen.
Dann meldet man sich bei seinem zuständigen ‚VP-Führer’ (klingt schon sympathisch) vom Vergeigungschutz. Das ist eine Art Sozialamt und Beratungsstelle für angehende Straftäter, die dem orientierungslos vor sich hin hetzenden Neonazi mit Tipps und Finanzspritzen zur Seite steht, um eine geordnete Krawalltruppe, offizielle Gruppierung oder NPD-Ortsvertretung auf die Beine zu stellen. Dafür ‚verspricht’ der V-Mann dann sich zu melden, wenn irgendwer (außer ihm) was wirklich Schlimmes vorhat, falls er es denn rechtzeitig erfährt und Zeit für eine sms hat (plus ein Mobiltelefon und nicht zu dicke Daumen). Verbrechen werden dadurch nicht verhindert, aber zumindest kann die negative Energie mit staatlicher Unterstützung besser gebündelt und organisiert werden. Diplom-VertrauensPerson ist für viele asoziale Dumpfhirne die letzte Möglichkeit auf einen anständigen Job. Hitler beispielsweise war anfangs auch bloß gewöhnlicher V-Mann, aber später gehörte ihm kurzzeitig sogar ganz Deutschland. Chapeau!
Etwas in die Kritik geriet das gesamte Programm allerdings dadurch, dass Dutzende teuer bezahlter V-Personen in den Fernsehsendern anscheinend ein wenig über das Ziel hinausgeschossen sind. Aus kleinen T-(wie Terror) und V-Zellen bildeten sich über die Jahre komplette T/V-Stationen, die seit langem die massenmedial gesteuerte Zerstörung allen intelligenten Lebens in Deutschland zum Ziel haben. Der Versendungsschutz hat dies total verschlafen und steht aggressiv agierenden Vereinen wie RTL, Pro7, Astro-TV, mdr, GEZ und vielen anderen nun hilflos gegenüber. Der Bundestag rief zu diesem Thema sogar zu einer Schweigeminute auf, aber kein Sender wollte sie übertragen. Die Regierung bittet um Ihre Mithilfe, weiß nur nicht genau warum und wobei.

STARS AM ENDE

1. Nanny-Abschied

Wir müssen jetzt alle sehr tapfer sein: Supernanny Katia Saalfrank schickt sich selber auf die Stille Treppe und macht Winke-Winke zu RTL, der Fernseh-Familie der Herzen. Auch wenn sie sich alle offiziell immer noch ganz doll lieb haben, so hatte sie anscheinend keinen Bock auf immer mehr Einmischung der Redaktion in Richtung Scripted Reality. Ehrlich nervende Rotzblagen und ihre überforderten Erziehungsverfluchten allein sind heute eben nicht mehr spannend genug, da muss man den kreischenden Kleinfurzern schon etwas Red Bull in den Kakao rühren und den Alten beim Ohrfeigegeben die Rückhand stärken. Müssen die Eltern jetzt halt wieder allein verzweifeln!

2. Witzigkeits-Upgrade

Die schneckenschnellen Blitzmerker der ARD haben eine Entdeckung gemacht: es herrscht ein ‚Humordefizit’ im Ersten. Selbstkritische Worte vom Comedy-Kanal Numero Uno, aber man öffnete fix die Innovations-Tiefkühltruhe und hatte gleich eine ganz toffe Idee: eine Sendung so wie dieses lustige SWITCH, am besten auch mit ein paar Leuten von Switch, aber nicht mit allen, damit man nicht denkt, es wäre Switch. Nennt man dann vielleicht Swatch oder Swutch oder so. Und natürlich auch nicht ganz so frech und modern, um keinen der älteren und/oder dümmeren Zuschauer zu vergraulen. Dafür erfindet man dann einfach einen neuen Humor-Sendeplatz mit ulkigem Titel (z.B. Lustig Lustig!, Jux-Ecke oder Hier darf gelacht werden) – dann wird’s ein Knaller!

3. Überraschungs-Erfolg

Oops, damit hat nun wirklich keiner gerechnet!
ProSeven & SATone adaptieren das internationale Erfolgsformat The Voice – und es funktioniert! Nicht wie üblich mit Karacho in die Gülle geritten, sondern gut umgesetzt und ein echter Quotenknüller, trotz/weil verwirrender Doppelsender-Belegung. Wow – wie soll man damit bloß umgehen? Wie als zuständiger Redakteur die Mörder-Erektion verbergen, wenn man sonst immer nur gebückt mit Schrumpelwurm durch die Senderflure schlurfte? Und wie den Drang bändigen, jetzt das gesamte Programm komplett zu verVoicen? Die vergängliche Süße des flüchtigen Ruhms richtig zu genießen war stets eine der größten Herausforderungen im Mediengeschäft!

2017-02-10T01:40:09+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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