407. Prominenz 2010 (TVS 21/10)

Sprachlich gesehen stammt der Begriff ‚Prominenz’ von dem lateinischen ‚prominentia’ ab, was soviel bedeutet wie ‚das Hervorragende’.Früher verstand man darunter Menschen, die durch spezifisches Können aus der Masse hervortraten oder mit besonderer Leistung überzeugten. Heute ist meist der zufällig senkrecht aus dem Darm gedrehte Kackwurstkringel gemeint, der ein kleines Stück aus dem restlichen Stinkhaufen herausragt und den Betrachter an manchen Tagen zum Schmunzeln bringt, bevor er die Spülung betätigt. In der Vergangenheit nannte man diese Art ungeliebter Bekanntheitsbestien häufig auch B- oder C-Prominenz, um scherzhaft auf ihren niederen Rang in der Popularitätskette hinzuweisen.
Inzwischen jedoch ist die deutsche Medienlandschaft in einer doppelt unterkellerten Talsohle angekommen, in der zur Kennzeichnung der fehlinterpretierten Bedeutungslosigkeit einzelner Zeitgenossen das Hinterteil des Alphabets inklusive Umlaute längst nicht mehr ausreicht. Der so titulierte ‚Promi’ ist laut Lexikon inzwischen Pseudonym für ‚komplexbehaftete, affig grinsende Arschgeige ohne Ausstrahlung, Schamgefühl oder Fähigkeiten, die bereit ist, vor laufender Kamera ohne Widerworte einfach alles zu machen und sich von jedem auslachen zu lassen (siehe auch: blödes Schwein)’.

Ein eindrucksvolles Beispiel bot kürzlich RTL mit seiner vor Scheißigkeit kaum überbietbaren Samstagabend-Blödenparade 101 Wege aus der härtesten Show der Welt! Die übliche Menge uninspirierter Kandidatenfolterspiele mit ‚prominenten Teilnehmern’, die sich allesamt denselben Vornamen ‚Whothefuckis’ teilten, wie z.B. Florian Stöhr (teuer umoperiertes Model-Meerschweinchen mit Botoxbirne), Porno-Klaus (doofiger Miet-Kopulator aus der Big Brother-Butze), Malkiel Rouven Marx (wahnsinniger Wahrsager bei Astro-TV) und die Mutter von Daniela Katzenberger (Daniela Katzenberger ihre Mutter). Letztere eröffnet selbst nach Auskratzung der längst leer geleckten Pseudopromi-Latrine ein neues Kapitel im Buch der televisionären Präsenzpickel. Jetzt endlich stehen die Tore weit offen für den Nachbarn von Kader Loth, Namensvetter von Horst Seehofer, Schamhaarfriseur von Tatjana Gsell oder Hausmeister von dem einen Polizisten da bei Alarm für Cobra 11. Nicht zu vergessen die Bekannte vom Schwager des Freundes von Gina Lisas Silikonlieferanten und die Putzfrau von der dritten Ex von Lothar Matthäus. Warnung: wer mich noch einmal als Prominenten bezeichnet, kriegt eins aufs Maul!

STARS AM ENDE

1. Zurück auf Start

Man hat es nicht ganz leicht als Harald Schmidt-Fan: erst kniet man vor ihm in Dankbarkeit für die Errettung des deutschen Humors, beobachtet stirnrunzelnd seine wachsende Moderationsmüdigkeit, betrauert den Abschied von SAT1 2003. Verblüfft verfolgt man seine Wiedergeburt in der ARD, erkennt freudig das Aufkeimen der alten Form, dann erneute Langeweile, die artfremde Pocher-Paarung gefolgt von Solophasen zwischen einstiger Brillanz und neuer Ödnis – und nun der rückwärts gespielte Paukenschlag retour zum selbst ernannten Unterschichtensender mit dem bunten Ball. Was soll man jetzt empfinden? Vielleicht einfach nur die Hoffnung auf den alten Harald, den wir alle so lieben und der wieder Spaß an seiner eigenen Show hat. Egal auf welchem Sender!

2. Serieller Katzenjammer

Auf einmal war sie da, die Katzenberger. Keiner weiß so recht, aus welchen Untiefen der Nichtigkeit dieses seltsam künstlich erscheinende Tittenwesen eigentlich herkam, das einem immer vorkommt wie eine misshandelte Schaufensterpuppe mit defekter Sprachfunktion. Aber obwohl sie nichts wirklich kann und die Suppe der Weisheit mit Gabeln gefressen hat, kriegt sie jetzt auch noch eine eigene Sendung auf VOX: Daniela Katzenberger – natürlich blond! Darin dürfen wir alle Lady KaKa bei ihrem aufregenden Leben begleiten, was ungefähr so spannend werden dürfte, wie einem alten Weichkäse in der Tupperdose beim Schimmeln zuzuschauen. Nein, nicht fair – das wäre wesentlich spannender!

3. Perfide Peinlichkeiten

Wer immer noch denkt, das Fernsehen hätte eine Seele und würde es gut mit einem meinen, sollte sich mal wieder eine Folge von Schwiegertochter gesucht anschauen. Bierdeckelsammler, Kratzbildkünstler und andere gestörte Existenzen über 40, die noch bei Mutti wohnen, werden mit ekelhaft falscher Herzlichkeit gnadenlos der Lächerlichkeit preisgegeben. Ja, auch das ist Deutschland, und wer mitmacht, hat selber schuld – stimmt alles. Schließlich gibt es ja immer unbedarfte arme Trottel, die so naiv sind, dass sie nicht merken, wie sie verarscht werden. Und wenn Mama sich dann nicht traut, RTL die Bratpfanne über den Schweineschädel zu donnern, sind sie hoffnungslos verloren. Hauptsache alle anderen Doofen haben wen zum Auslachen!

2017-02-10T01:40:13+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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