401. Von Frankreich lernen (TVS 15/10)

Die WM 2010 hielt für uns alle zahlreiche Überraschungen parat. Die Ex-Weltmeister Italien beispielsweise müssen Kickus und Schwalba, die ihnen bislang selbst bei größten Gurkereien stets holden Götter des Fußballs, sehr erzürnt haben. Die weichgekochte Nudelelf durfte sich bereits nach der Vorrunde gegenseitig am Goldkettchen nach Hause führen. Überhaupt taten es fast alle Favoriten Europas aus Höflichkeit den afrikanischen Mannschaften gleich und ließen sich so früh wie möglich aus dem Turnier ballern. Allen voran wieder einmal die Franzosen, die Tricolore der Niederlage – Dummheit, Eitelkeit und Inkompetenz – in blödigem Stolz vor sich herwedelnd. Was aber war geschehen, das plötzlich die ganze Welt so gegen die eingebildeten Knalltüten aufbrachte?
Man sagt, Nationalcoach Domenech hätte in der Halbzeitpause des grandios vergeigten Mexiko-Spiels seinen Stürmer Anelka aufgefordert, doch bitte etwas mehr zu laufen. Woraufhin dieser entgegnete, der ‚dreckige Hurensohn von Trainer’ solle sich lieber mal ‚rektal penetrieren lassen’ (= ‚bumsen in’ Arsch’, für alle Nicht-Lateiner). Nun, wir kennen weder die Familie des Herrn Domenech, noch wissen wir ob es sich bei dieser Aussage um eine leise Provokation oder einfach einen gut gemeinten Ratschlag unter Freunden handelte, wenn nicht gar um eine Art kumpelhafte Begrüßungsfloskel. (So wie in vielen Schulen von Berlin ‚Guten Morgen, Herr Lehrer’ und ‚Fick dich ins Knie, altes Sackgesicht’ durchaus als Äquivalent durchgehen, je nach regionaler Lage.) Wie auch immer, le Trainèr fand das nicht ganz so toll und wechselte den Popofick-Vorschläger aus, woraufhin der gesamte Dialog an die Presse ging, der kleine Präsidentendarsteller Sarkozy sich auch noch einmischte, die Nation schmollte, die Mannschaft erst recht und am Ende dann noch desaströser spielte als schon vorher, was Experten für unmöglich gehalten hatten.

Was können wir nun daraus lernen? Nichts, fürchte ich. Höchstens dass das Angebot zum Zeugungsakt an exotisch anmutenden Orten der menschlichen Anatomie nicht immer nur positiv aufgenommen werden muss. Oder dass man sich eine große Fresse nur dann erlauben sollte, wenn man die eigene Arroganz zumindest mit einem vagen Hauch von Leistung untermauern kann. In Zukunft werden wir uns alle jedenfalls bei heftig anmutenden Beleidigungen Fremder immer fragen müssen: war das jetzt ein blödes Arschloch oder nur ein Franzose, der Hallo sagen wollte?

STARS AM ENDE

1. Klingelstreiche für Doofe

Wenn man im Radio lustig sein will, aber weder Geld hat noch fähige Leute und dazu keine Ahnung, wie das geht, dann macht man ein lustiges Spaßtelefon. Wo man so Leute anrufen und total verarschen tut, hihi. Die fallen auch meist drauf rein, die Trottel, und darüber kann man dann voll ablachen. Theoretisch jedenfalls. Beim Fernsehen hat man sich so eine peinlich-billige Klingelgrütze noch nicht getraut. Jedenfalls bisher, denn jetzt bringt Funkiller Pro7 Phreak, eben genau dieses Konzept plus noch ulkige Späße mit versteckter Kamera. Laut Presseankündigung ‚spontan, frech, zügellos, verrückt und aufsehenerregend’! Fünf Worte, die mir dazu garantiert nicht eingefallen wären.

2. Nachrichten für die Tonne

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Nachrichten werden einfach überschätzt! Der durchschnittliche Glotzmuffel ist im Grunde ganz froh, wenn er nicht alles weiß, sonst würde ihn das nur zum Nachdenken zwingen. Zuviel Wissen erhöht die Verantwortung und lässt die Murmel jucken. Deshalb hat die zuschauerorientierte P7S1-Mediagroup-Fun-Family nun auch endlich ihren defizitären N24-News-Klotz am Bein an die Betreiber verkauft und das Budget für die dort zugekaufte Information mit beherztem Schnitt halbiert. Nächster Schritt wahrscheinlich: ‚Scripted Reality News’! Neuigkeiten aus aller Welt, geschrieben, gesprochen und nachgestellt von improvisationsfreudigen Laiendarstellern ohne Schulabschluss. Würde sicher ein Hit!

3. Filter für die Tröten

Wieder ein neues Wort durch die WM gelernt: Vuvuzela, deutsch für Mumututut, der sportliche Tinnitus zum selber blasen! Schön dass die Südafrikaner eine eigene Fankultur in den Stadien haben, auch wenn sie nur aus ‚Tröten bis der Arzt kommt’ besteht, und die will ihnen ja auch keiner nehmen. Wenn sonst keiner zuschaut können sie sich von mir aus mit den nervigen Hörsturzhelfern gegenseitig den Restverstand aus den Lauschlappen pusten bis die Rübe qualmt. Wenn allerdings die Welt zu Gast ist, könnte man das nervige Hochfrequenz-Fan-Furzen allerdings ruhig mal etwas zurückstellen. So müssen die armen TV-Sender sich jetzt mit immer neuen Vuvuzela-Filtern für die Spiele gegenseitig überbieten, und die Verkäufer von Ohrstöpseln werden reich aber taub. Tröten macht doof!

2017-02-10T01:40:13+00:00

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Hier schreibt der Chef.