390. Krankenakte Karneval (TVS 04/10)

Eines der faszinierendsten und unerklärlichsten Phänomene, das unsere im Grunde doch leidlich zivilisierte Gesellschaft bereits seit Ewigkeiten beschäftigt, ist der so genannte ‚Karneval’. In einigen Gegenden auch bekannt als Fastnacht, närrische Zeit, Fasching oder Arschbunkentage. Sind die heidnischen Rituale zur Ausübung auch regional verschieden, so liegt ihnen doch dasselbe ideologische Fundament zugrunde: die Bildung einer Legitimation für unkontrolliertes Saufen, bis die Leber platzt, und für ein Verhalten in der Öffentlichkeit, das zu anderen Zeiten Inhaftierung, geschlossene Psychiatrie oder zumindest ganz kräftig eins in die Fresse bedeuten würde.Volksetymologisch betrachtet sind die verschiedenen Termini für diesen Kult höchst interessant, fanden die Sprachforscher in ihnen doch zahlreiche Wortstämme, deren Entlehnungen auch einige Erklärungen für die inhaltliche Ausrichtung der praktizierten Bräuche liefern könnten. So finden wir im Wort ‚Karneval’ sowohl lateinisch carne = Fleisch, als auch Kannibale oder val als Kurzform von Vandalismus.  In ‚Fasching’ erkennen wir das Zusammenfließen zahlreicher multilingualer Begriffe wie beispielsweise Faschismus, Fass, Schinken, Arsch und Fucking.  Der Terminus Fastnacht hingegen ist belegt als formelhafter Abschluss einer zu dieser Zeit häufig benutzten, auffordernden Redewendung: ‚Komm, Mädchen, lass uns bumsen, es ist fast Nacht!

Betrachten wir in diesem närrischen Ausnahmezustand die Fernsehbilder der Prunksitzungen, Straßenumzüge oder sonstigen Übertragungen aus den organisierten Humorvernichtungslagern, so lässt sich beim Großteil der Teilnehmer trotz aller Ausgelassenheit ein starker Wunsch nach einer exakten, militärisch anmutenden Reglementierung der Spontaneität erkennen.  Strukturierte Anarchie nach Plan, die keine Zufälle zulässt und sich von ehrlichem Frohsinn deutlich distanzieren möchte, Heiterkeit mit strenger Hand. Wissenschaftler wollen für diese mysteriösen Verhaltensweisen der Menschen nun endlich die Ursache in ihrem Erbgut entschlüsselt haben. So wurde dort kürzlich ein bislang unbekanntes Jecken-Chromosom entdeckt, das sich vervielfältigen und in Polonäsenform an der Doppelhelix des DNA-Moleküls festsetzen kann. Wird es aktiv, so reduziert es die Hirnaktivität auf ein Minimum, erhöht allerdings überproportional die animalischen Sauf-, Gröhl- und Begattungstriebe. Häufig in Kombination mit einer Einschränkung des Sprachzentrums, die zu sinnfreiem Lallen oder bemühten Artikulationsversuchen in kindlichen Reimstrukturen führt. Noch wird untersucht, ob es sich beim J-Chromosom um einen parasitären Virus oder eine genetische Mutation handelt, die bei Doofheits-Immunität viele Jahre inaktiv bleiben kann. Ein Heilmittel ist bislang nicht in Sicht, allerdings konnten mit dem Einsatz von Vernunft und gesundem Menschenverstand erste Erfolge gefeiert werden. Wir wünschen allen Betroffenen an dieser Stelle gute Besserung!

STARS AM ENDE

1. Q – Who?

Ihre bisherigen Jury-Kollegen, die bei aller Kritik zumindest eine Art glaubwürdige Persönlichkeit mitbrachten, nicht einmal persönlich zu feuern, macht Beauty-Roboter Heidi Klum nicht gerade sympathischer. Noch peinlicher aber ist es, sie dann durch zwei so konturlose Szene-Lutschluschen zu ersetzen: Fotograf Kristian Schuller (Platz 4 im Heinz Rudolf Kunze-Lookalike-Contest) und Qualid Ladraa alias ‚Q’, 27, laut irgendwem wohl auch irgendwo ziemlich bekannt. Bei seinem ersten Auftritt als Klum-Company bei Wetten dass jedenfalls so cool wie ein 17-jähriger, dessen Pubertätsantrag nicht abgestempelt wurde und der eine vertrocknete Milchschnitte im Hintern stecken hat (quer)! Soll über andere urteilen, würde es aber selbst nicht mal in den ersten Recall schaffen. Wie peinlich. Aber vielleicht holen sie ja als Hilfe seine Mutter mit in die Jury!

2. Ha-Ha-Hakenkreuz

In ihrer unfassbaren Doofheit sind sie manchmal schon fast niedlich, die putzigen Knalltüten von 9live! So sendeten sie kürzlich in ihrem Betrugsversuchsprogramm versehentlich ein Worträtsel in Form eines leidlich missglückten Hakenkreuzes. Konnten die Verwunderung der Zuschauer darüber allerdings nicht verstehen, Zitat: „Wir saßen nach dem Hinweis zu sechst um den Bildschirm herum und haben nicht erkannt, was das Problem sein soll!“ Was ich den Hilfsbunken vom Beschisskanal sogar durchaus abnehme. So blöd wie die sich dort alle immer geben, das kann man ja gar nicht spielen. Glauben wir also der Sendersprecherin, die meinte: „Man braucht schon viel Phantasie, um da etwas reinzuinterpretieren!“ Stimmt, Phantasie oder einen Schulabschluss.

3. Pizza, Pasta, nixe Quote

Langsam kriegt man fast Mitleid für Jana Dingsbums und ihren grinsenden Giovanni Soundso, der mal in irgendeiner Casting-Hüpf-Combo mitgetanzt hat. Was tun die nicht alles, um endlich bekannt zu werden: erst komplette Hochzeitsbegleitung durch Pro7, dann Schwangerschaft und Geburt als eigene Serie, und jetzt die Eröffnung der eigenen Nudelbude als Doku-Soap Pizza, Pasta und Amore. Wobei interessant ist, dass mit zunehmender Penetranz das ohnehin nicht übermäßige Interesse der Zuschauer immer geringer wird. Schon frustrierend wenn man erkennen muss, dass man einfach nicht wirklich prominent wird, egal wie oft und wie laut man darum bettelt!

2017-02-10T01:40:14+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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