358. Widerwärtiger Blödsinn! (TVS 23/08)

Ein bisschen beleidigt bin ich ja schon: da wettert man selbst bereits seit Jahren auf das deutsche Fernsehen, beleidigt es samt seiner grinseärschigen Protagonisten aufs Kreativste, unterwandert das System, motzt und rotzt und klagt und schimpft, aber irgendwie scheint das keine Sau zu interessieren. Lass den kleinen dicken Mann ruhig reden, sagen sich die Verantwortlichen, ist doch niedlich, wie er sich aufregt, hahaha! Sicher hat er recht, irgendwie, aber wir können halt nix dagegen tun, ist nun mal so, lalala, komm, wir ziehen die Nase noch mal längsseits des Schreibtischs und machen früh Feierabend! Doch kaum kommt da so ein 88-jähriger Literaturpapst daher, schmeißt aus rechtmäßig genervter Langeweile den ehrenwerten Gästen des hehren deutschen Fernsehpreises ihre Statue vor die Mauken und sagt, dass er die ganze Grütze in der Glotze richtig zum Kotzen findet, da stehen sie alle da mit offenem Maul und glotzen wie ne Kuh wenn’s donnert! Und plötzlich fängt die ganze Nation an zu diskutieren, die Medien rotieren und alle fragen sich: Moment mal – ist das ganze Programm etwa in Wirklichkeit gar nicht so toll wie die Trailer bei RTL und SAT1 es immer behaupten? Aber die würden doch nicht lügen?

Seien wir ehrlich: der Zusammenbruch des internationalen Finanzmarkts war schon nicht wirklich schön.  Den ganzen Bankern hatten wir schließlich auch all die Jahre vertraut, einfach weil sie so seriös lächelten und immer eine Krawatte trugen. Aber wenn jetzt auch noch unsere alte Mutter Fernsehen eine Betrügerin sein soll, dann ist irgendwie das Grundvertrauen zerstört. Also formieren sich bereits die ersten Bürgerwehren des Publikums-Pöbels und rufen lautstark: Soll er doch stille sein, der alte Mann, wer die herrlichen Unterhaltungs-Pralinen unserer televisionären Zuckerbäckergehilfen nicht zu schätzen weiß, der möge doch einfach abschalten und so ein verschissenes Buch lesen, auf das sich diese ganzen Intellektuellen immer einen runterholen! Worauf die andere Seite kontert, da sehe man doch gleich, wie doof das Fernsehen die ganzen Blöden gemacht hat, die sind mit ihrer Dämlichkeit auch selber schuld, dass sie nur Schwachsinn vorgesetzt bekommen! Und der mittelständische Familienvater schaut noch einmal stolz auf sein einst so mühsam erschuftetes Abiturzeugnis, nimmt einen Schluck verdientes Bier auf seine gehobene Schulbildung und schaltet, sich nachdenklich am Sack kratzend, um zu Aspekte, um noch irgendwie die Wartezeit bis zu den Sexy Clips auf DSF rum zu kriegen.

Doch was sollen wir nun also tun? Das Fernsehen ist entweder ein großer Haufen aufgepumpter Schwachsinnskacke oder pseudo-inellektuelle Flatulenz im Kulturdarm, schön ist beides nicht. Recht hat er also eigentlich, der Reich-Ranicki, selbst wenn das Programm, das er gern hätte, erst recht niemand überleben würde. Also am besten Augen zu und durch, Fernseher anschalten, Gehirn abschalten, die Scheiße als Dünger akzeptieren und die wohlige Wärme der unbegründeten Zufriedenheit genießen. Lieber doof und glücklich als klug und scheiße drauf, oder?

STARS AM ENDE

1. Keine Zuschauer

Endlich kein Quotendruck!  Weil RTL durch die Änderungen im Glücksspiel-Staatsvertrag die SKL-Show nicht mehr zeigen darf, die viele Kohle aber dennoch irgendwie standesgemäß verbraten werden muss, zeichnet man die dazugehörige Jauch-Sendung jetzt einfach trotzdem auf, sendet sie zur Strafe aber nicht! Die Bedeutung der Zuschauer wird ohnehin überschätzt. Eigentlich keine schlechte Idee: alle haben eine Beschäftigung, die abgehalfterten Gast-Promis sind weg von der Strasse, jeder darf endlich mal tun und lassen was er will, und die Zuschauer müssen sich den zähen Quiz-Käse erst gar nicht ansehen! Warum macht RTL das nicht viel öfter so?

2. Kein Geschmack

Kuscheln, bis die Pflaume qualmt! Ja, das ist Romantik pur, und ich persönlich kann mir kaum etwas Schöneres vorstellen, als so eine richtig emotional unter die Hirnhaut gehende SAT1-Kuschelrock-Show mit Kai Pflaume im Schmusesender Numero Uno. Ein ganzer Abend voll schnuffeliger Schlüpferstürmer nach Noten, und dazwischen jede Menge grinsend moderierte Love-Storys mit Schmierschleimgarantie. Wer da nicht schmachtend in die Sofaritze flennt, hat kein Herz. Und wer es tut, keinen Verstand. Aber man kann ja nicht alles haben.

3. Keine Ahnung

Bravo, die neue DSDS-Jury ist da! Diesmal hatte RTL dem Bohlen-Didi zwei junge coole Laberpfosten daneben gesetzt, die endlich mal nicht durch unsympathisches Fachwissen glänzen und noch weniger Ahnung haben als er: MTV-Moderatorin Nina Eichinger (hat schon selbst Musik angesagt und teilweise sogar gehört!) und Jungschauspieler Max von Thun (hat selbst eine CD aufgenommen und sich wahrscheinlich schon einige  selbst gekauft, auch von anderen).  Dem allerdings fiel dann schon nach dem ersten Casting-Tag ein, dass er DSDS eigentlich noch nie gesehen hatte und es doch irgendwie eher kacke fand, was wohl bei Dieter auf Gegenseitigkeit beruhte. So holte man sich trotz möglicher Kompetenz noch schnell aus Not Musikmanager Volker Neumüller an den Bewertungs-Table. Jedenfalls bis Bohlen auch auf den keinen Bock mehr hat!

2017-02-10T01:40:18+00:00

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