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1806, 2022

Verlieren um zu gewinnen!

18. Juni 2022|

710 | TVS 13/22

Es ist schon ein paar Tage her, aber dennoch schmerzt es immer noch. Trotz aller Bemühungen hat Deutschland erneut die Schwarze Null beim Eurovision Song Contest verfehlt und den dauerhaft fest gebuchten letzten Platz, nach zuerst erfolgreich erkämpften Zero Points sämtlicher teilnehmender ESC-Jurys, am Ende mit 6 Mitleids-Punkten des Publikums doch nur knapp halten können. Die Enttäuschung bei den Verantwortlichen des NDR ist durchaus verständlich, denn wenn man nicht aufpasst, rutscht man auf diese Weise ruckzuck ungewollt auch mal auf den nur vorletzten Platz, und von dort aus ist es nicht mehr weit bis zum Mittelfeld, wo wirklich niemand landen möchte. Und kaum hat man die Rolle als stolzer Träger der Roten Laterne einmal verloren, kann sehr schnell die Stimmung in der Bevölkerung kippen. Wir alle erinnern uns noch mit Schrecken an 2018, als wir nach Jahren siegreichen Verlierens urplötzlich in Lissabon mit Michael Schulte unbeabsichtigt einmal auf Platz 4 landeten! Prompt begann das deutsche Publikum, sich von falscher Euphorie überrumpeln zu lassen, viele erinnerten sich gar an längst vergangene Zeiten des Triumphs mit Lena und Nicole und verstiegen sich in absurde Fantasie-Diskussionen, ob man nicht auch mal wieder gewinnen könnte.

Selbst wenn es in der Öffentlichkeit mitunter Missverständnisse darüber gibt: Sieg war für den NDR noch nie eine Option! Auch wenn dies nach außen hin bislang nicht offiziell so kommuniziert wurde, so ist es doch offensichtlich. Wäre dem nicht so, hätte man längst Konsequenzen gezogen! Zehn Jahre komplettes Totalversagen auf ganzer Linie ohne jede erkennbare Selbstreflexion oder Aussicht auf Besserung würde in keinem Unternehmen der Welt einfach immer wieder so hingenommen, ohne dass Köpfe rollen oder zumindest mal die Strategie geändert wird. Das wäre weder in der Wirtschaft möglich noch beim Fußball oder in der Politik, selbst ein Andi Scheuer wäre nach einer derartigen Maut-multiplikatorischen Mega-Vergeigungs-Serie irgendwann freiwillig zurückgetreten, um zumindest einen minimalen letzten Rest an Selbstachtung zu wahren. Und dass eine deutsche ESC-Teilnahme mit Platzierung im vorderen Ranking-Bereich durchaus möglich wäre, haben Kooperationen mit engagierten Menschen wie zB Stefan Raab ja bereits zweifelsfrei bewiesen.

Wenn wir den Verantwortlich*Innen beim NDR also keine systematische Unfähigkeit, bockige Sturheit oder bürokratische Borniertheit vorwerfen wollen, muss es sich ergo um eine planmäßig gezielte Taktik handeln, Deutschland als permanentes Schlusslicht zu etablieren, um auf gar keinen Fall doch noch einmal versehentlich zu gewinnen und den ganzen megateuren Bums von den Gebührengeldern ausrichten zu müssen. Dann lieber brav jedes Jahr etwas Kohle für die garantierte Teilnahme abdrücken, drumherum ein bisschen billiges Käseigel-TV mit überdrehtem Fake-Fan-Fun veranstalten und gemütlich die Quote beim Main-Event abgreifen, danach ein paar Tage entspannt das Media-Bashing abperlen lassen und routinierter Walk-of-Shame durch die Anstaltsflure – schon ist wieder alles vergessen und das nächste Debakel kann vorbereitet werden. Win-Win für alle. Denn nur wer konsequent professionell verliert, wird am Ende Sieger sein!

Renovierungs-Revival

Im TV wurde bereits fast jeder olle Gammel reality-technisch repariert und renoviert. Auf Sat1 Gold sind donnerstags von Acht bis Mitternacht jetzt mal wieder alle Arten von Bauwerken dran – und das in regelrechter Reihenhaus-Programmierung: erst schäbige Schlösser schönspachteln in ZWISCHEN PRUNK & PANIK: DIE GUTSHAUSRETTER, danach allgemeine Wohnraum-Aufhübschung in DER RENOVIERUNGSRETTER – AUS ALBTRAUM WIRD WOHNTRAUM und zum Abschluss der ganze ramschige Rest in AUS ALT MACHT WOW – WOHNTRÄUME WERDEN WAHR. Wenn das so weitergeht, ist Deutschland bis Ende des Jahres komplett grunderneuert. Und der Titel-Erfinder sollte dringend einen eigenen Lyrikband herausbringen!

Quiz-Recycling

Wer dieser Tage durch die Sender zappt, den kann durchaus ein leichtes Gefühl von heftiger Überpilawasierung und Overquizzung befallen. Verwirrenderweise ist Jörg Pilawa nämlich nicht nur bereits seit Wochen wieder auf SAT1 mit QUIZ FÜR DICH zu sehen, sondern auch immer noch im Ersten und diversen Dritten mit QUIZDUELL, QUIZDUELL-OLYMP und der NDR-QUIZSHOW. Vielleicht wird es aber besser, wenn er demnächst bei der Bällchen-Bande sein neues Quiz ZURÜCK IN DIE SCHULE moderiert – das ist zwar auch ein Quiz, hat aber wenigstens kein QUIZ im Titel! Wenn das mal nicht schiefgeht…

Promifutter-Return

Ich hatte es gar nicht bemerkt, aber schon seit vier Jahren gab es auf VOX keine neuen Folgen vom PERFKTEN PROMI-DINNER mehr. Da das vorabendliche Daily-Speisungs-Battle mit Normalos aber gerade so erfolgreich läuft, lässt man die Promi-Version jetzt ebenfalls wieder an den Start – obwohl man so langsam keine erkennbaren Promis mehr hat, nicht mal genügend Dschungelcamp-Trümmer. Deshalb werden jetzt wie gewohnt alle üblichen PromiPlacebo-Reality-Kuppel-Bums-Casting-Dokusoap-MalleSänger-Resterampen-NoName-Verdächtigen durchgenudelt, deren Kontaktdaten man noch in den virtuellen Papierkörben früherer Flop-Produktionen finden konnte. Egal, Hauptsache es gibt genügend Zickenkrieg, funny Fake-Cooking und ne warme Mahlzeit!

406, 2022

Mein offener Brief

4. Juni 2022|

709 | TVS 12/22

Sehr verehrter Herr Bundeskanzler*In, geschätzte Weltregierung und Geheim-Eliten!

Als von mir selbst anerkannter Intellektueller sehe ich mich gezwungen, Ihnen einen Offenen Brief zur aktuellen globalen Lage und meinen persönlichen Problemen zu schreiben, weil ich Ihre Handynummer nicht habe. Ein geschlossener Brief war keine Option, da den außer Ihnen keiner gelesen hätte, und ohne Öffentlichkeit schreibe ich schon lange nicht mehr. Ich denke, dass Sie gute Ratschläge von klugen Menschen wie mir sehr gut gebrauchen können, denn momentan ist ja die Kacke ziemlich am Dampfen überall, mein lieber Herr Gesangsverein. Ich gebe offen zu, ich verfüge vielleicht nicht über Doktortitel, übertriebenes Fachwissen oder anderen Schlaumeierkram, dafür aber über jede Menge ‚gesunden Menschenverstand‘, auf jeden Fall mehr als die Anderen.

Ich fang mal gleich an mit dem Ukraine-Russland-Konflikt: Also, ich bin nicht gegen die Lieferung von schweren Waffen, allerdings auch nicht total dafür, kommt halt drauf an. Ich würde es daher sehr begrüßen wenn Sie wieder so angenehm übervorsichtig wackelweich agieren würden wie zum Kriegsbeginn, als Sie eher wenig entschieden und noch weniger darüber gesprochen haben. Aber jetzt wurde angekündigt, dass doch schwere Waffen geliefert werden sollen, was ja auch moralisch gesehen richtig ist, schon klar – aber trotzdem, mal unter uns Pastorenbrüdern: wir wollen den verrückten Kreml-Fürsten doch auch nicht unnötig provozieren, wegen Atomkrieg und so! Oder? Daher ein paar Vorschläge von mir: wie wär’s mit nur so mittelschweren Waffen? Oder sehr gefährlichen leichten Waffen? Es kommt ja nicht immer nur aufs Gewicht an, oder? Vielleicht könnte man sie auch einfach umetikettieren (Made in China oder Ungarn), bestimmt hätte der smarte Maskenschummler Flynn Kliemann dazu ein paar clevere Tipps für Sie. Oder Sie drucken auf den Beipackzettel, dass die Waffen ausschließlich defensiv als allerletzte Notwehrmaßnahme benutzt werden dürfen, nachdem man vorher dem Aggressor erneut die Möglichkeit zum ergebnisoffenen Gespräch angeboten hat. Irgendwas in diese Richtung, Ihnen fällt da sicher der ‚gewisse Kniff‘ noch ein (Zwinkersmiley). Nur wie gesagt bitte Vorsicht, dass wir nicht alle noch Ärger kriegen!

Zu Corona, das läuft ja auch immer noch, selbst wenn das gerade keinen mehr so recht interessiert. Bitte bemühen Sie sich auch hier noch mal rechtzeitig um Verhandlungen mit dem Virus und lassen Sie (ohne Pflicht!) noch vor dem Herbst alle Menschen freiwillig durchimpfen, die immer noch querdenken. Ich hab im Herbst einiges vor (Konzerte, Urlaub, Familienfeste) und will nicht wieder in diesen verschissenen Lockdown (verzeihen Sie meine aufrichtige Ausdrucksweise)!  Wenn danach noch Zeit ist, verbieten Sie doch bitte gesetzlich ungesundes Essen, Diskriminierung, schlechte TV-Sendungen, den Klimawandel und die ganzen anderen Ungerechtigkeiten, die uns alle nerven. Selbstverständlich stehe ich bei Bedarf auch weiterhin gern mit Rat und Tat zur Verfügung, sofern es meine Zeit zulässt (viel zu tun!).

Hochachtungsvoll,

Oliver Lars Fred Kalkofe

(in 28 verschiedenen Handschriften erstunterzeichnet)

Pietros Suche

Im RTL-Hauptprogramm wird weiter nach neuen Superstars gesucht, auch wenn wir schon seit Jahren wegen Übersättigung gar keine mehr benötigen. Der coole junge Streamer-Buddy RTL+ forscht allerdings stattdessen lieber nach neuen Künstlern für DSDS-Gewinner und Ex-Bohlen-Jury-Beilage Pietro Lombardi für dessen neues Label zum Singen, Tanzen und Putzen. Die Lombardi Show mit dem innovativen Titel LOMBARDI SHOW soll dann allerdings nicht als typisches Casting laufen, sondern als Doku mit Einblicken hinter die Kulissen, wo es soga