384. Endlich zahlen dürfen (TVS 23/09)

Eine überraschende Nachricht geisterte kürzlich durch die verhuschte Medienwelt und ließ das deutsche Publikum in ungeduldiger Vorfreude die Öhrchen spitzen: pfiffige Privatsender, wie z.B. die vom Volk sehr geschätzten Stationen der Pro7Sat1etcblablaMedienAG, liebäugeln mit dem Modell des Pay-TV und würden sich demnächst für ihre Dienste vom Endkonsumenten doch gern bezahlen lassen! Ein freudiger Ruck ging durch das Land, juhu, Schluss mit dem dubiosen Abzocke-Monopol der Öffentlich-Rechtlosen, endlich dürfen wir auch für die anderen Sender unseren gerechten Lohn abdrücken! Für echte Qualität zahlen wir schließlich immer gern. Okay, es wurde flink eingelenkt, man plane nicht wirklich gleich die Umstellung zum totalen Gebührenfernsehen, aber weil die Schweinebande von der Werbung immer weniger Kohle für flächendeckende Produktinformationen aus dem Fenster wirft, müssten halt die Zuschauer mal so langsam zur Kasse gebeten werden. Auf anderen Plattformen, wie diesem ominösen Internet, über das man in letzter Zeit soviel hört, klappt das ja anscheinend auch schon ganz gut. Zwar werden dort meist nur qualitativ hochwertige Serien aus dem Ausland von den Nutzern runter geladen, aber mit der Zeit wird man den Anspruch schon noch runterschrauben können, hat im Fernsehen ja auch funktioniert. Und wenn man den Doofen die eigenen Kreativ-Kackhaufen nur lange genug als hochwertigen Modeschmuck verkauft, werden sich irgendwann bestimmt auch mal ein paar verzweifelte Heimbewohner freiwillig eine ganze Staffel von Richterin Alexandra Hold, Nichtig & Kurz oder Gina Lisas Best Arschkisser kaufen. Okay, da kann man vielleicht nicht ganz so viel Kohle verlangen wie für richtige Sendungen, aber für die ersten 1000 Folgen als Paket sollte knapp ein Euro vielleicht schon drin sein. Ist es nicht wert, klar, aber vielleicht kann man es ja als Spende von der Steuer absetzen. Man muss die Schädelgrütze ja auch nicht wirklich anschauen, auf dem eigenen PC kann man sie ja zum Glück gleich nach dem Kauf löschen.

Andererseits, wenn man schon ein Bezahlmodell aufstellt – wäre es dann nicht auch möglich, den Anstalten für gesehene Sendeminuten eine Rechnung zu stellen? Denn sollte es sich um ein ehrliches Geschäftsmodell handeln, könnten sie für den Großteil der derzeit produzierten Fernseh-Flatulenzen ja nicht allen Ernstes Geld verlangen, das wäre so skandalös wie lächerlich. Da könnte ich mich auch auf die Straße stellen und meinen alten Hausmüll verkaufen. Vielleicht meinen sie im Grunde eher eine Art Entschädigungs-Zahlung für die vergeudete Lebenszeit des Publikums oder das mutwillige Zerstören der individuellen Intelligenz und medialen Vielfalt. Das wäre wiederum fair, so ein monatlicher Scheck würde vieles wieder gut machen, und wirklich klein könnte die Summe ja nicht ausfallen. Und wenn sich dann noch die GEZ freiwillig bei der Polizei anzeigt, wäre die Gerechtigkeit wieder endgültig hergestellt.

STARS AM ENDE

1. Gerechte Strafe

Lange hat es gedauert, aber endlich gibt’s mal einen zwischen die Hörner für die moralamputierten Betrugs-Banditen von 9live! Knappe hunderttausend Euro Strafe für diverse Verstöße gegen die Gewinnspiel-Vorschriften sollen sie blechen. Klingt amtlicher als ‚Tritt in den Arsch für allzu dummdreiste Beschiss-Versuche’, bedeutet aber im Grunde nix anderes. Viel zu spät und viel zu wenig, aber die schamlosen Schummelschurken des furzfrechen Abzockervereins wollen sogar noch Einspruch erheben! Vielleicht wird die Strafe dann ja verdoppelt. Die Gerechtigkeit ist zwar nicht immer die Schnellste, aber irgendwann holt sie alle ein!

2. Pfanne heiß

Kaum eingesperrt in die Pro7-Model-WG, schon gibt’s den ersten Ziegen-Zoff im Zickenheim! Zwei der laufenden Schminkflächen streiten sich beim Kochen, Sarah wirft aus Spaß mit Gemüse und Tessa pfeffert die heiße Gusseisenpfanne vom Herd zurück! Gezeter und Geheule, Polizei, Strafanzeige, Terror-Tessa fliegt aus der Tortenhütte. So was passiert halt, wenn man magersüchtige Bulimie-Babes ohne psychologische Betreuung so was Artfremdes machen lässt wie ‚Kochen’. Sich ankotzen kennen sie aus dem Alltag, aber dass Pfannen nicht zum Werfen da sind, sondern nur zum Braten und Schlagen, können die ja gar nicht wissen. Freue mich schon darauf, wenn die ersten mit Wattebällen werfen und versuchen, sich gegenseitig tot zu schminken oder mit dem Hornhauthobel die Pulsadern aufzureiben!

3. Langweiliges Leben

Erst mal die gute Nachricht: die strunzlangweiligen Volldeppen-Dokus aus der Kloschüssel der Pseudo-Wirklichkeit gehen langsam ihrem Ende entgegen. Denn selbst die leerköpfigen Allesglotzer scheinen keinen Bock mehr zu haben, den anderen Doofen beim Versagen zuzuschauen. Abenteuer Alltag, pures Leben – wird alles eingestellt, und weitere TV-Gurken werden folgen. Schlechte Nachricht: die noch viel bescheuerteren RTL-Megablödformate mit von kokainsüchtigen Schimpansen geschriebenen Fake-Reality-Stories laufen gerade wie Hulle! Was bedeutet, dass die Kackhaufen demnächst durch Diarrhöe-Flatschen ersetzt werden. Bitte abputzen!

2017-02-10T01:40:15+00:00

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