717 | TVS 20/22

Welch eine Schande! Der edle Indianer Winnetou findet einfach keinen Frieden, obwohl er sich bereits im dritten Teil seiner eigenen Trilogie eine tödliche Gewehrkugel einfing, die eigentlich für seinen alten weißen Kumpel Shatterhand gedacht war. Trotzdem lässt man ihn selbst heute nicht seinen wohlverdienten Ruhestand in den Ewigen Jagdgründen der gehobenen Trash-Literatur genießen. Auslöser für die neuesten Unruhen ist die überraschende Entscheidung des Verlags Ravensburger, in letzter Sekunde die geplante Veröffentlichung des Buchs zum Film DER JUNGE HÄUPTLING WINNETOU zurückzuziehen.  Prompt entzündete sich in den verwirrten Medien ein wütender Kampf um die indigene Ehre des stolzen Häuptlings der Mescalero-Apachen sowie die kriegerische Verbotskultur der linken Wokeness-Wilden, der den erst kürzlich überstandenen und emotional aufwühlenden National-Schlager-Beef um die junge geile Puffmutter Layla plötzlich wie eine harmlose Boulevard-Plauderei beim nachmittäglichen Blasentee im Sanatorium erscheinen ließ.

Kurios ist allerdings, dass es sich dabei im Grunde um eine mit nichts als heißer Luft aufgeblasene und um sich selbst drehende Schein-Debatte handelte, die sich jedoch bereits nach dem ersten Anstupser nicht mehr stoppen ließ. Okay, die wahren Gründe, warum der Verlag die gesamte Auflage seines bereits gedruckten Kinderbuchs, nach lediglich ein wenig erwartbarer Kritik ob der mangelnden historischen Korrektheit der trivialen Wild-West-Schmonzette, derart unerwartet kurzfristig komplett einstampfte, werden wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Wahrscheinlich irgendwo zwischen ‚schockierte Scham über die eigene geschmackliche Unsicherheit‘ und ‚heftiger Hosenschiss aus Angst vor möglichen zukünftigen Social-Media-Meckereien‘.

Viel interessanter ist hingegen, dass wir es bei dem darauf erfolgten heftigen Mediengewitter mit einem klassischen Plot der alten Karl May-Filme zu tun haben, in denen ja auch meist eine Horde verschlagener weißhäutiger Bösewichte versuchte, ihre eigenen Schandtaten irgendwelchen unschuldigen und friedvollen Indianern in die Mokassins zu schieben. So wie auch diesmal, wo sich die öligen Schmierprinzen der diabolischen B-Zeitungs-Bande unschicklich anschickten, als Grund für die freiwillige Ravensburger Selbstkontrolle einen gigantischen linken Wokeness-Shitstorm zu erfinden, gepaart mit diversen anderen ebenfalls niemals irgendwo erwogenen Winnetou-Verboten – wie zB der Behauptung, die ARD würde deswegen von nun an keine Karl May-Filme mehr zeigen. Was zwar theoretisch stimmt, allerdings nur daran liegt, dass sie bereits vor zwei Jahren die öffentlich-rechtlichen Lizenzen an das ZDF abgegeben hat.

Egal, Fakten sind langweilig und Empörung macht Spaß! Vor allem aber bringt sie den beteiligten Erregungs-Influencern mächtig Klicks und Kohle, denn nichts lässt sich in der vernunftsverdörrten Boulevard-Wüste besser verkaufen als die blinde Wut auf vermeintlich linksgrün-gutmenschliche Cancel-Culture-Kackstelzen! Wie traurig – im Film hätten Shatterhand und sein roter Blutsbruder dieses hetzerische Krawall-Komplott längst entlarvt und die verantwortlichen Fake-News-Desperados ihrer gerechten Bestrafung zugeführt. In der Realität gewinnt leider die Geier-Bande. Winnetou würde weinen!

Laber-Revival

Wer vermisst eigentlich all die prolligen Krawall-Talk-Shows der vergangenen Privatfernseh-Tage? Niemand? Okay, macht nix: kommt trotzdem wieder, weil ja derzeit jeder Scheiß von damals zwangsweise als vermeintliches Kult-Revival reanimiert wird. So kehrt nun auch mit BRITT HAGEDORN ungefragt eben jene Debatten-Dompteuse in die tägliche Laber-Manege zurück, die einst höchstpersönlich den letzten Nagel in den zuklappenden Deckel des Genre-Sargs hämmerte. Allerdings nicht mit einer komplett eigenständigen Sendung, sondern irgendwie integriert in den demnächst wild wuchernden SAT1-Nachmittags-Kuddelmuddel VOLLES HAUS. Darauf ein gepflegtes: Fresse!!!

DSDS-Implosion

Seit zwei Jahrzehnten sucht RTL bereits verzweifelt nach Deutschlands neuem Superstar, aber zur angeblich finalen Jubiläumsstaffel wird es noch mal besonders bizarr: nach bösem Quotenknick erst die schamvolle Rückholung des zuvor aus Qualitätsgründen großspurig geschassten Dieter Bohlen mit seinem Schlager-Schoßhund Pietro Lombardi, gefolgt vom medienwirksamen Jury-Ausstieg von Instagram-Rapperin Shirin David inklusive Veröffentlichung ihres privaten sms-Chat-Verlaufs mit dem grinsenden Knitter-Lurch. Statt ihrer soll jetzt Pubertäts-Pseudo-Porno-Idol Katja Krasavice folgen, die nachweisbar von echter Musik so wenig Ahnung wie große Brüste hat. Im Grunde aber eh egal, notfalls funktioniert auch Ikke Hüftgold, Olaf Scholz oder ein Frottee-Waschhandschuh mit aufgemalten Augen. Wird scheiße, aber erfolgreich, und danach verkündet man dann überrascht, dass es wegen der großen Resonanz doch wie gewohnt hammermäßig weitergeht! Alles wie immer.

Baby-Watching

Bei der Frage, wen man eigentlich noch nicht für irgendeinen Reality-Doku-Soap-Murks missbraucht habe, kam RTL2 auf eine verblüffende Antwort: Babys! Okay, die kleinen quäkenden Windelkacker galten bisher als relativ unspannend für das Zoff-affine Gaffer-Publikum, aber dank NightCam im Kinderzimmer können für BABYALARM – ELTERN AM LIMIT jetzt acht Krisen-Familien beim verzweifelten Aufzugs-Stress rund um die Uhr beobachtet und bemitleidet werden. Die Begleitsendung zum erfolgreichen Geburten-Rückgang!