709 | TVS 12/22

Sehr verehrter Herr Bundeskanzler*In, geschätzte Weltregierung und Geheim-Eliten!

Als von mir selbst anerkannter Intellektueller sehe ich mich gezwungen, Ihnen einen Offenen Brief zur aktuellen globalen Lage und meinen persönlichen Problemen zu schreiben, weil ich Ihre Handynummer nicht habe. Ein geschlossener Brief war keine Option, da den außer Ihnen keiner gelesen hätte, und ohne Öffentlichkeit schreibe ich schon lange nicht mehr. Ich denke, dass Sie gute Ratschläge von klugen Menschen wie mir sehr gut gebrauchen können, denn momentan ist ja die Kacke ziemlich am Dampfen überall, mein lieber Herr Gesangsverein. Ich gebe offen zu, ich verfüge vielleicht nicht über Doktortitel, übertriebenes Fachwissen oder anderen Schlaumeierkram, dafür aber über jede Menge ‚gesunden Menschenverstand‘, auf jeden Fall mehr als die Anderen.

Ich fang mal gleich an mit dem Ukraine-Russland-Konflikt: Also, ich bin nicht gegen die Lieferung von schweren Waffen, allerdings auch nicht total dafür, kommt halt drauf an. Ich würde es daher sehr begrüßen wenn Sie wieder so angenehm übervorsichtig wackelweich agieren würden wie zum Kriegsbeginn, als Sie eher wenig entschieden und noch weniger darüber gesprochen haben. Aber jetzt wurde angekündigt, dass doch schwere Waffen geliefert werden sollen, was ja auch moralisch gesehen richtig ist, schon klar – aber trotzdem, mal unter uns Pastorenbrüdern: wir wollen den verrückten Kreml-Fürsten doch auch nicht unnötig provozieren, wegen Atomkrieg und so! Oder? Daher ein paar Vorschläge von mir: wie wär’s mit nur so mittelschweren Waffen? Oder sehr gefährlichen leichten Waffen? Es kommt ja nicht immer nur aufs Gewicht an, oder? Vielleicht könnte man sie auch einfach umetikettieren (Made in China oder Ungarn), bestimmt hätte der smarte Maskenschummler Flynn Kliemann dazu ein paar clevere Tipps für Sie. Oder Sie drucken auf den Beipackzettel, dass die Waffen ausschließlich defensiv als allerletzte Notwehrmaßnahme benutzt werden dürfen, nachdem man vorher dem Aggressor erneut die Möglichkeit zum ergebnisoffenen Gespräch angeboten hat. Irgendwas in diese Richtung, Ihnen fällt da sicher der ‚gewisse Kniff‘ noch ein (Zwinkersmiley). Nur wie gesagt bitte Vorsicht, dass wir nicht alle noch Ärger kriegen!

Zu Corona, das läuft ja auch immer noch, selbst wenn das gerade keinen mehr so recht interessiert. Bitte bemühen Sie sich auch hier noch mal rechtzeitig um Verhandlungen mit dem Virus und lassen Sie (ohne Pflicht!) noch vor dem Herbst alle Menschen freiwillig durchimpfen, die immer noch querdenken. Ich hab im Herbst einiges vor (Konzerte, Urlaub, Familienfeste) und will nicht wieder in diesen verschissenen Lockdown (verzeihen Sie meine aufrichtige Ausdrucksweise)!  Wenn danach noch Zeit ist, verbieten Sie doch bitte gesetzlich ungesundes Essen, Diskriminierung, schlechte TV-Sendungen, den Klimawandel und die ganzen anderen Ungerechtigkeiten, die uns alle nerven. Selbstverständlich stehe ich bei Bedarf auch weiterhin gern mit Rat und Tat zur Verfügung, sofern es meine Zeit zulässt (viel zu tun!).

Hochachtungsvoll,

Oliver Lars Fred Kalkofe

(in 28 verschiedenen Handschriften erstunterzeichnet)

Pietros Suche

Im RTL-Hauptprogramm wird weiter nach neuen Superstars gesucht, auch wenn wir schon seit Jahren wegen Übersättigung gar keine mehr benötigen. Der coole junge Streamer-Buddy RTL+ forscht allerdings stattdessen lieber nach neuen Künstlern für DSDS-Gewinner und Ex-Bohlen-Jury-Beilage Pietro Lombardi für dessen neues Label zum Singen, Tanzen und Putzen. Die Lombardi Show mit dem innovativen Titel LOMBARDI SHOW soll dann allerdings nicht als typisches Casting laufen, sondern als Doku mit Einblicken hinter die Kulissen, wo es sogar noch langweiliger sein dürfte als vor den Kulissen.

Harrys Suche

Während auf Jungspund-Channel RTL+ im Streaming-Sumpf das Land nach juvenilen Lombardi-Jüngern durchforstet wird, konzentriert man sich beim Elternsender RTL auf die Suche nach deutschsprachigen Talenten für das reifere Publikum, moderiert vom überreifen Holland-Import Harry Wijnvoord. Da sein HEISS-PREIS-Retro-Comeback gerade recht erfolgreich lief, spendiert man ihm jetzt als Belohnung die neue Show SCHLAGER, MEIN LEBEN, in welcher der nächste Schlagerstar gecastet werden soll. Wir lernen: selbst wenn die DSDS-Ringfahndung nicht mehr recht zieht, so bleiben dennoch genügend andere Lala-Lurche, die man stattdessen aufspüren kann! Hauptsache keine neuen Ideen!

Liebes-Suche

Schon vor einem Jahr angekündigt, aber jetzt wird es Ernst! Ultra-Retro-Dating so wie es Anfang des 19. Jahrhunderts üblich war, inszeniert als gefühlvolle Reality-Zeitreise mit strengen Verhaltensregeln und klassischen Tänzen auf pompösen Bällen in prachtvollen Schlössern, mit liebeshungrigen Kandidaten in glamourösen Gewändern, aber ohne Handy oder anderen neumodischen Krimskrams! Allerdings startet LOVE IS KING jetzt nicht auf Pro7, sondern first zum Streamen bei JOYN und erst danach der Seven, da die BRIDGERTON-Doku-Soap als ihre erste große Koproduktion in die Fernsehgeschichte eingehen soll. So romantic!