454. Was haben wir euch getan? (TVS 16/12)

Irgendwann in unserer Vergangenheit müssen wir Zuschauer dem Fernsehen unwissentlich etwas sehr Schlimmes angetan haben. Anders kann ich mir diesen Hass uns gegenüber nicht erklären. Wir haben es schließlich immer noch ein wenig lieb, selbst wenn es uns jedes Mal ins Gesicht spuckt wenn wir ihm die Hand zur Versöhnung reichen. Immer wieder bitten wir das Fernsehen höflich zu uns in die gemütliche Wohnstube, aber seit einigen Jahren tritt es einfach die Tür ein, kackt auf den Couchtisch und wischt sich den Hintern an unseren Gardinen ab. Als Publikum fühlt man sich fast wie ein trauriges Elternpaar, das darüber verzweifelt wie ihr süßer fröhlicher Sohn, der einst so niedlich lächelnd auf den Knien hüpfte, Jahre später zum skrupellosen Drogendealer und Zuhälter mit Primaten-Vokabular, Bewährungsstrafe und Jogginghose auf Halbmast mutieren konnte. Die Legende besagt: wann immer ein Mensch beim Betrachten irgendeines lieblos in den Kanal erbrochenen Sendungsabfalls denkt, es könne jetzt ja definitiv nicht noch furchtbarer werden, wird genau in diesem Moment ein noch viel schlimmeres Teufelswerk aus den löchrigen Suppenhirnen der degenerierten Satanistensender geköttelt.

Ganz vorn an der Front der Fiesen Verblödung agiert neuerdings der einstige Kuschelsender SAT1. Erst begann er mit nie geahntem Elan die grausigsten Kuppelformate der Konkurrenz mit lediglich neuem Titel exakt zu kopieren, dann verkündete er voller Verzweiflung den dezenten Versuch der Wiederbelebung totgeglaubter Formate wie z.B. Daily Talk (sogar gleich doppelt: Annica Hansen und Ernst-Marcus Thomas). Okay, dachte man, nicht doll aber immer noch besser, wieder echte Bekloppte Dünnes labern zu lassen als all die unerträglichen Scripted Realities der debilen Hilfsautoren mit ihren verklemmten Proletenporno-Fantasien. Jetzt aber wurde bekannt, dass Sat1 selbst diese täglichen Gesprächs-versuche von seiner üblichen Schimpansenbrigade schreiben lässt! Reale Gäste suchen ist halt einfach zu mühsam und man weiß nie, ob die auch wirklich pervers, bescheuert und gewaltbereit genug sind. Ey, Sender – wenn Ihr demnächst gesiegt, das eigene Medium zerstört und den menschlichen Verstand vollständig vernichtet habt – seid wenigstens so fair und sagt uns noch, warum Ihr uns so abgrundtief verabscheut habt!

STARS AM ENDE

1. Alter Zausel ZDF

Das ZDF hat eine eigene Image-Umfrage in Auftrag gegeben, und laut jener sehen die Zuschauer den Kneifaugen-Kanal als einen Sender für ‚alte Leute’. Anfangs freute man sich auf dem Leichenberg, dass demnach das Publikum zumindest als ‚noch lebend’ eingestuft wurde. Allerdings war der Rest ernüchternd: ‚Tonalität unmodern, steif, trocken, künstlich und zu weit weg vom Zuschauer’. Selbst für die jugendliche Pilawa-Power-Offensive erntete man bislang keinen Dank. Beim ZDF nimmt man diese erschreckenden Werte sehr ernst und verspricht, die nächsten Jahre intensiv mit den Kreativgruppen in den Redaktions-Begegnungsstätten darüber diskutieren zu wollen.

2. Endlich mehr Models

Bei ProSeven gilt seit längerem das Motto: bloß nichts Neues produzieren – außer es ist saudoof und schweinebillig oder teuer und mit Models! Deshalb plant man jetzt Million Dollar Shooting Star mit Mega-Top-Super-Wahnsinns-Model Bar Refaeli. Was Übermutter Zicki Klum natürlich nur so mittel findet, weshalb man es jetzt auch nicht Casting- sondern Challenge-Show nennt! Show-Idee: zehn Shootings in crazy Locations auf der Suche nach dem perfekten Foto! Oh yeah, Baby, darauf warten wir doch alle: das perfekte Foto für die Ewigkeit – und dann ist endlich Ruhe mit dem ganzen Scheiß!

3. Backfische beobachten

RTL ist und bleibt der letzte aufrechte Sender für alle Aufklärer und Enthüller, denen die Suche nach der Wahrheit noch heilig ist! Neuester Beweis dafür: Teenis auf Partyurlaub – Eltern Undercover! Wilde Teens in engen Jeans machen Ferien – was natürlich heißt: sich besinnungslos saufen, balzende Bums-Anbahnung und sonstige Sauereien. Alles durch die guten Freunde von RTL mitgefilmt und dann den geschockten Eltern gezeigt, die danach mit ihren Kindern und Sozialpädagogen das Gesehene diskutieren. Am Ende haben alle ganz doll viel daraus gelernt und uns ist wie immer übel.

2017-02-10T01:40:08+00:00

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Hier schreibt der Chef.

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