349. Ein Gebot der Höflichkeit (TVS 14/08)

Scheiße bauen ist kein Kavaliersdelikt. Aber es kann ja mal passieren. Das ist nicht schön, aber so ist halt das Leben. Die Frage bleibt nur: wie geht man selbst als aktiver Scheißebauer mit seinen Taten um? Nach vielen Jahrtausenden gelebter Unfähigkeit hat die Menschheit zwei Grundlinien dafür entwickelt: A) Reue zeigen und sich dafür entschuldigen. B) Den produzierten Bockmist stur aussitzen und genau so weitermachen. Während Variante A meist bei Verbockungen in kleinerem Kreise oder im zwischenmenschlichen Bereich gewählt wird, ist Reaktion B äußerst beliebt, sobald das verursachte Desaster eine breite Öffentlichkeit betrifft. In seltenen Fällen, so wie zB gerade aktuell bei der internationalen Abschiedstour von George Bush, wird auch mal eine Kombination aus beiden benutzt, allerdings erst wenn es einem ohnehin am Arsch vorbeigehen kann. Beim Fernsehen sieht es allerdings etwas anders aus. Da wechseln zwar Programmdirektoren und verantwortliche Redakteure schneller als so mancher Politiker seine Meinung, aber der Sender an sich bleibt halt meist doch bestehen und muss sich weiter mit seinen Zuschauern arrangieren. Weshalb ich eine Entschuldigung beim Publikum langsam mal für überfällig halte, einfach als ein Zeichen der Höflichkeit. 9live und all die Call-In-Beschiss-Granaten z.B., die haben doch eigentlich genug Platz im Bild, das ist ohnehin voll mit sinnfreien Countdowns, Hotline-Nummern und Info-Bannern. Da könnte man schön in einem als Dauercrawl laufen lassen: ‚Liebe Zuschauer, es tut uns echt leid, dass wir Euch hier so krass betrügen und dabei noch nicht mal so tun, als wäre das eine richtige Sendung, und dass das alles hier auch noch so hässlich und die Moderatoren so pupsdoof sind, ehrlich, das habt Ihr eigentlich nicht verdient. Aber dass Ihr trotzdem drauf reinfallt und weiter anruft, finden wir echt spitze, Ihr seid knorke, weiter so, ruft an, Ihr habt immer noch ne Chance auf den Hauptgewinn! Haha, kleiner Scherz. Wir danken Euch für Eure Blödheit!’

            RTL, SAT1 und Pro7 könnten Ihre ganzen Info-Balken, Plings und sonstigen das Bild zukleisternden Störer während der Sendungen für Kurz-Infos benutzen. ‚Achtung! Wir nerven echt tierisch, sorry, aber super, dass Ihr das mit Euch  machen lasst!’ oder ‚Jetzt mitärgern! Wieder eine sinnlose Botschaft im Bild, die total die Stimmung versaut! Tut uns leid, ehrlich, wir sind halt einfach scheiße. Danke fürs Verständnis!’ Bei den Öffentlich-Rechtlichen sollte man das Erfreuliche mit dem Nützlichen verbinden. Einfach die saublöd-peinlichen GEZ-Spot aus dem Programm schmeißen und dafür eine persönliche Entschuldigung senden. Schächter und Struve, einfach nebeneinander auf Hockern vor schwarzem Vorhang, dem Anlass entsprechend. So Guido Knopp-Style wie bei ‚Hitlers willige Weiber’ oder wie die Dinger so hießen. Und dann müssten Sie dem Publikum in die Augen sehen und sagen: ‚Hallo, wir sind der Günter und der Markus, und wir wissen, unser Programm ist jetzt gerade nicht so doll. Aber wir sind nicht mehr jung, und wir brauchen das Geld. Wir können es halt nicht besser. Nun ja, wir könnten schon, aber dann müssten wir uns anstrengen, und das steht nicht im Rundfunkstaatsvertrag. Und wir leben halt auch so sehr gut von Ihrem Geld. Also vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Barmherzigkeit. Wir schalten um zum Frühlingsfest der Volksmusik!’ Und die ganzen GEZ-Fahnder könnten Ihre Jobs behalten, würden nur jetzt umgekehrt herausfinden, wer in der Straße alles Gebühren bezahlt, und denen dann Blumen und Pralinen vorbeibringen. Das Programm wäre dann zwar immer noch nicht schöner, aber man würde sich als Zuschauer vielleicht ein ganz klein wenig besser fühlen.

STARS AM ENDE

1. Verrückt verliebt

Ach, wie waren sie doch vor three Jahren fernsehtauglich in Love, die Delmenhorster Popstar-Blaupause Sarah Connor und ihr American Alsowannabestar Marc Dingsbums. Am Ende wurde dann sogar noch kitschig bei ProSeven gemarried, das war really great. Und weil das alles schon damals keinen interessiert hat und bereits während der Ausstrahlung live vom Publikum wieder vergessen wurde, gibt es jetzt das Sequel, auf das wirklich nobody gewartet hat: Sarah & Marc crazy in Love! Ich dreh durch, what a Knaller – doppelt doof und dreifach unnötig! Tippe auf Hit.

2. Schluss mit Tanzen!

Musik aus, Ruhe, Feierabend! Die ARD hat entschieden: keine deutsche Teilnahme mehr am Eurovision Dance Contest! Und das obwohl wir da nicht mal die Letzten waren und man damit ganz toll viel Gebührengelder sinnlos hätte verprassen können, obwohl das ganze Euro-Gehopse eigentlich keine Sau interessiert. Erschreckend sinnvolle Entscheidung so gesehen. Wenn die jetzt auch noch den Grand Prix in die Tüte stecken und stattdessen ein paar gute Filme und Serien produzieren, zahl ich freiwillig ein Jahr meine GEZ-Kohle doppelt!

3.  Operier mir!

Das passt doch: Ex-Star, der nix mehr zu melden hat, trifft auf Sender, der nix mehr zu senden hat! Weil Brigitte Nielsen, das Ex-Stallone-Luder mit den globusgroßen Killermöpsen, nicht mehr viel zu bieten hat außer altern und Drogen nehmen, macht sie halt das zum Programm. Erst lässt sie sich mit Kameras beim Entzug begleiten, und jetzt von RTL Exklusiv beim Schnippel-Marathon in der Schönheits-Chirurgie. Flippig-griffiger Titel: ‚Aus alt mach neu – Brigitte Nielsen in der Promi-Beauty-Klinik’. Da soll noch einer sagen, es gäbe keine intelligenten und innovativen TV-Formate mehr!

2017-02-10T01:40:19+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hier in unserer Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen