621. Generation Unzufrieden (TVS 27/18)

Wiederholt sich die Geschichte? Manchmal sieht es jedenfalls so aus, denn einige der größten Fehler der Menschheit scheinen sich in gewissen Zyklen automatisch erneut zu ereignen. Langfristig aus selbst produzierten Katastrophen zu lernen, fällt uns anscheinend schwer. Kaum sind ein paar Jahrzehnte vergangen, denken viele, selbst im schlimmsten und ungerechtesten Chaos sei irgendwie ja auch nicht alles schlecht gewesen, und sogar der stinkendste Horrorhaufen erscheint manch verblendetem Ignoranten in der Rückbetrachtung nur noch als harmloser Vogelschiss. Besonders gefährlich wird es absurderweise aber in relativ guten Zeiten.  Stehen nicht mehr Lebenserhaltung und Existenzsicherung an erster Stelle, kümmert man sich stattdessen vermehrt um den eigenen Status in der egomanischen Gesellschaft, denn leider neigt man in Zeiten von Ruhe und Stillstand weniger zum kollektiven Zusammenhalt als in  echter Not. Überspitzt gesagt: geht es dem Menschen zu gut, wird er unzufrieden!

Vergleicht man zB die 80er Jahre mit der Gegenwart, entdeckt man viele Gemeinsamkeiten: größenwahnsinnige Weltmachtsführer im Testosteron-Taumel, Hetzer und Kriegstreiber an allen Ecken, Deutschland in lethargischer Langzeit-Regierungsstarre, industriell verursachte Naturkatastrophen und vieles mehr. Allerdings haben sich in der Zwischenzeit die Generationen und ihr jeweiliger Antrieb verschoben. Die damalige Jugend hatte Eltern, die von Krieg, Entbehrung und der daraus resultierenden Wohlstands-Spießigkeit geprägt waren. Ab 50 galt man als altes Eisen, deshalb wurde die medial ‚werberelevante Zielgruppe der 14-49jährigen’ erfunden, da man Älteren eh nichts mehr zutraute. Jungen Menschen ging es zum ersten Mal vergleichsweise gut und die engsten Ketten der Verklemmtheit begannen vom Körper der Gesellschaft zu platzen. Da Selfies und Influencer allerdings noch nicht erfunden waren, suchte man die Gemeinschaft im persönlichen statt virtuellen Kontakt und ging gemeinsam auf die Straße um gegen globale Bedrohungen und allgemeine Ungerechtigkeit zu demonstrieren.

Heute hingegen geht es den meisten Kindern der westlichen Welt besser denn je, aber sie erstarren im immensen Entertainment-Überangebot und medialen Zelebrieren des Bedeutungslosen, während die Alten um/über 50 die verzweifelten Versuche der Motivation übernehmen. Am Ende fühlen sich immer mehr Menschen grundlos unzufrieden, nur weil sie überall Leute sehen, die noch blöder sind als sie selber, aber trotzdem viel erfolgreicher und im Haus von Promi Big Brother wohnen. Nach Generation Babyboomer/Golf/X/Y/Z sind wir nun bei ‚Generation Unzufrieden’ angekommen, im Zeitalter von Neid und Mauligkeit, wo jeder denkt dass ihm im Grunde irgendwie mehr zusteht, einfach weil andere das ja auch haben. Daher mein Wunsch fürs neue Jahr: Herr, lass Hirn vom Himmel regnen und rühre den Menschen einen Löffel Verstand mit ins Essen! Und für die Jüngeren das Ganze vielleicht zum Runterladen als Nächstenliebe-App im altmodischen Retro-Look mit kostenlosem Verstands-Upgrade. Notfalls hilft allerdings auch ein simpler, altmodisch-kräftiger Tritt mit Anlauf in den Arsch!

Vortänzer

Die Dance-Season ist eröffnet und Pro7 will diesmal unbedingt zuerst auf die Tanzfläche! Deshalb startet man noch vor dem Jahresende in München mit MASTERS OF DANCE, wo statt bemühter Humpel-Promis professionelle Top-Tänzer vor einer vierköpfigen Jury sich durch verschiedene Stile und Aufgaben um den Meistertitel batteln. Gewissermaßen THE FEET OF GERMANY mit Fresse halten und Hingucken, wie immer lächelnd an die Wand moderiert von Thore Schölermann plus Rebecca Mir statt Langweiler-Lena als optische Ablenkung.

Trockentänzer

Wer sich für total uninteressante Gerüchte interessiert, hatte vielleicht Spaß an den unspektakulären Spekulationen rund um die ewig gleich bleibende RTL-Hüpf-und-Hoppel-Show LET’S DANCE! Breaking News: die große Veränderung lautet, dass es auch im dutzendsten Jahr keine Veränderungen geben wird. Selbst das fahrige Verplapperhühnchen Victoria Swarovski (als Ersatz für die grinsende Moderationsmaschine Sylvie Meis) bleibt trotz schwerer Stammelstolpereien im Team, und vorher geht es mit Arroganz-Adlatus Llambi und Restjury noch auf Deutschland-Tournee. Darauf einen verstolperten Quickstep mit Arschbombe!

Eistänzer

Klar ist: wenn alle anderen zum Quotentanz bitten, darf SAT1 nicht ganz ohne rhythmische Sportgymnastik bleiben. Um sich aber selbst zumindest auf den ersten Blick vom Rest unterscheiden zu können, verlegt man die grazile Bewegungstherapie hier auf die Eisbahn mit Marlene Lufen: DANCING ON ICE lässt ab Anfang Januar gleitfreudige Pseudo-Promis von Pietro-Ex Sarah Lombardie bis Giftzicke Desiree Nick elegant auf den Pöter plumpsen. Genauso langweilig wie alle anderen Formate, aber das Hinfallen ist lustiger!

621. Generation Unzufrieden (TVS 27/18)2018-12-29T12:19:08+00:00

620. Der Rest vom Weihnachtsfest (TVS 26/18)

Weihnachten ist nicht mehr das was es mal war. Alle Leser jenseits der Verwesungsgrenze, die vor dem Jahrtausendwechsel geboren wurden, wissen was ich meine. Früher hatte das Christfest noch unveränderbare Rituale, fest verwurzelt in den Traditionen der jeweiligen Eltern, Großeltern und Vorfahren, stoisch begleitet von der jahrzehntelang unveränderten Abfolge des öffentlich-rechtlich gesalbten TV-Programms – vererbte Langeweile und  vorgelebte Ödnis im Taumel der simulierten Barmherzigkeit. Heiligabend und seine zwei sackfaulen Fress- und Feiertagsgesellen standen stets im Zeichen der Familie, bzw. meist den Teilen der verabscheuten Verwandtschaft, deren störende Existenz man den Rest des Jahres über erfolgreich aus dem Bewusstsein verdrängt hatte. Doch egal wie groß die Abscheu zu den Mitgliedern im Blutlinien-Brutclub auch war, an mindestens einem der heiligen drei X-mas-Days musste man in den übersäuerten Giftapfel beißen und mit den nervigen Kacknasen ein paar gemütlich behauptete Stunden verbringen, meist weil die senilen oder einfach bösartigen Großeltern das wünschten und sonst mit plötzlichem Herztod plus vorheriger Enterbung drohten.

Der 24.12. selbst stand meist unter dem Motto ‚Familien am Rande des Nervenzusammenbruchs’. Die Organisation von prachtvoller Baumschmückung plus Bescherung, verbunden mit dem vorherigen Großkampf-Kochspektakel und nur schwer erträglichem Blockflöten-Musizieren des eigenen Rudels – das überstanden vor allem die Mütter nur selten ohne Schrei- und Heulanfälle, denn auf ihren schmalen Schultern ruhte stets die Anforderung aller, gerade diesen schwierig überfrachteten Tag zu etwas GANZ BESONDEREN zu machen. Eine undankbare Aufgabe, die seit Erfindung des Jesus-Birthdays an sich zum kompletten Scheitern verurteilt ist. Kein Tag im Jahr birgt ein statistisch gesehen höheres Risiko für Tränen, Streit und Verzweiflung, allein durch die überhöhte Erwartungshaltung überdurchschnittlich großer Freude und Harmonie, der kein Mensch in der Geschichte des Homo Sapiens je gerecht werden konnte.

Das Fernsehen mit seinen einst gerade mal zwei amtlichen Vollprogrammen tat sein Übriges, um die volle Dröhnung betulichen Überschmalzung zu vollenden. Am Nachmittag warteten die zwangsweise vor der Glotze geparkten und verzweifelt der Beschenkung entgegenhibbelnden Kinder gemeinsam aufs Christkind, später versauten einem wachsvisagig grinsende Schlager-/Volksmusik- oder Operetten-Knödler bei kunstschnee-verkitschten Krippengesängen den Abend, und in jeder Programmlücke wurde irgendwo georgelt und im Chor gesungen. Tausend Gründe zur Flucht, nur kaum Möglichkeiten sich zu verstecken.

Heute ist das eh alles wurscht. In den Familys mit einem letzten minimalen Hauch von Eltern-Autorität wird vielleicht noch schnell ne Kleinigkeit gemeinsam gegessen, danach wird ein X-mas-Sampler gestreamt und später gehen die Kids irgendwas mit irgendwelchen obskuren Freunden machen, während sich die Eltern angesoffen in die Festtags-Starre netflixen und noch mal kurz einander zulallen, wie wundervoll besinnlich es früher doch alles war. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und so!

Ära-Ende

Fast gleichzeitig mit der angekündigten Parteivorsitz-Aufgabe unserer steinernen Kanzlerin mit den Klebstoff-Schuhsohlen und dem prognostizierten Ende der unsterblich geglaubten Sozialzeigefinger-Dauerseifenoper LINDENSTRASSE erreichte uns die schockierende Nachricht eines weiteren niemals erwarteten Abgangs aus der Medienwelt: Anke Schäferkordt, die stets missmutige Miss Ellie des Mittelmaßes und mehr als 13 Jahre konservativ innovationsbremsender CEO des mächtigen Medienriesen RTL wird zum Jahresende die Sendergruppe verlassen. Das Ende einer Ära, wenn auch nur des erfolgreich vermarkteten Stillstands. Ich prophezeie: kein Zuschauer wird jemals etwas merken!

Winter-Gähns

Kurz vor Weihnachten überrascht uns ProSieben auch noch mit so einer Art groß angelegtem Promi-Sport-Event im Stil der alten Raab-Mega-Shows. Nur halt ohne Raab. Und ohne Promis. Mega-Event ist vielleicht auch eher stark übertrieben. Das debil-fröhliche Doofen-Debakel nennt sich WINTER GAMES, und dort veranstalten irgendwelche irre spontan programmierten taff-Moderationsmaschinen voll crazy Fun-Spiele wie ‚Snow-Kajak’ und ‚Schnee-Schwalbe’, unterstützt von ganz vielen nervenden Hackfressen mit selbst geritztem ‚Promi’-Tattoo auf einer Arschbacke, so wie Jürgen Milski, Antonia aus Tirol und Lucas Cordalis. Mehr Spaß haben Sie höchstens, wenn Sie im Schneesturm ein paar fahren lassen und Ihren Fürzen vorher Namen geben!

620. Der Rest vom Weihnachtsfest (TVS 26/18)2018-12-15T03:23:47+00:00

619. Sackgasse Lindenstrasse (TVS 25/18)

Wie viel Wandel und Veränderung kann ein Land vertragen, bevor es auseinanderbricht? Was tun, wenn nicht nur ein simpler Ruck durch eine Nation geht, sondern nach Jahrzehnten gemächlichen Stillstands ganz plötzlich eine erdbebengleiche Erschütterung der Stärke 11 auf der bis 10 reichenden Richterskala? Derzeit erleben wir jedenfalls ein Rütteln und Beben bislang unbekannter Heftigkeit. Das stets verlässlich starre Kohlkanzler-Mahnmal-Monument Merkel tritt auf einmal aus einer Laune heraus holterdipolter zurück (jedenfalls ein bisschen), gefolgt vom nörgeligen Alles-Aussitz-Rentner Seehofer (auch mindestens ein bisschen), und ohne angemessene mentale Vorbereitung müssen wir uns vielleicht alle irgendwann an ein oder sogar mehrere neue alte Gesichter in der politischen Führungsriege gewöhnen. Nur wenige Monate zuvor verließen erst Chefhostess Beatrice und dann sogar Kapitän Sascha Hehn das sinkende ZDF-Traumschiff, weil angeblich der Old-School-Charme an Bord der schippernden Schnulzschmonzetten-Schaluppe verloren ginge. Schockierende Umwälzungen, die ein sensibles Land wie das unsere schnell in Chaos und Krisen stürzen können.

Die gefährlichste Verletzung der filigranen Volksseele geschah allerdings jetzt durch die radikalen Spalter der ARD. Als hätte es die Schwierigkeiten um den Brexit unserer Inselnachbarn nie gegeben, verkündete man im öffentlich-rechtlichen Funkhaus Numero Uno aus heiterem Himmel ohne Volksentscheid den #Lexit, nämlich den Plan, das wöchentliche Weltkulturerbe LINDENSTRASSE inmitten seiner Anlaufphase nach noch nicht einmal 35 Jahren demnächst vorzeitig zu beenden. Begründung: zu teuer, zu alt, nicht mehr hip genug für die crazy-coolen Motherfucker von der ARD. Das sind nämlich kreativ gesehen alles total verrückte Hunde, die sich täglich neu erfinden und frische Fäulnis in die Medienlandschaft blasen. Hier geht man mit der Zeit, bzw. ihr immer in sicherem Abstand hinterher, und dieser Tage braucht halt niemand mehr behäbige Gutmensch-Geschichten aus der Feder von linksgrün-humanistisch orientierten Strickmützenträgern, sonst verliert man nämlich ganz schnell die quotentechnisch dringend benötigten Zuschauer des eher rechts orientierten Spektrums.

Allerdings muss man sich schon fragen, wie wir Deutschen ohne LINDENSTRASSE auskommen sollen, ohne unsere sonntäglich-moralische Orientierungshilfe und ohne all diese lieb gewonnenen hochnotpeinlichen Dauerbewohner der germanischen Alltagsgasse. Bedeutet die Sperrung der L-Street letztlich auch die Abschaffung urdeutscher Familienwerte? Wo sonst sollen wir diese heute noch vorgelebt bekommen – etwa bei BERLIN – TAG & NACHT oder FAMILIEN IM BRENNPUNKT? Moppelmutter Beimer zumindest kündigte bereits empört Protest an und prophezeite, die Zuschauer würden mit Sicherheit auf die Barrikaden gehen. Droht unserem Land nach Ost-West eine neue Spaltung Pro und Contra Lindenstraße? Kommt nach der ‚Merkel-muss-weg!’-Bewegung jetzt die ‚Beimer-muss-bleiben!’-Welle? Hauptsache die ARD dreht nicht komplett durch und produziert stattdessen eine wirklich moderne, spannende und innovative Serie – den Schock könnte keiner überstehen!

Allstar-Promi-Brüder

Wir alle lieben Promis, egal ob sie jemand kennt oder nicht – und ihnen beim Wohnen, Atmen und anderen verrückten Normalo-Aktivitäten zuzuschauen, ist immer besonders aufregend. Weil kürzlich der RTL-BACHELOR bei seiner Altstar-Zusammenrottung im Paradies so erfolgreich war, zieht SAT1 nun kopierfreudig nach und plant derzeit eine PROMI BIG BROTHER – Variante mit den bislang interessantesten (also beklopptesten, nervigsten und belanglosesten mit großen Titten) Bekanntheits-Darstellern an einem exotischen Ort, wahrscheinlich in Mexiko. Das erste und einzige Mal, dass der von Donald Trump geplante Schutzwall dort doch sinnvoll erscheinen könnte…

Couch-Kartoffeln

Momentan läuft’s nicht so rund in den meisten Nachmittags-Vollverblödungs-Schienen der Privatsender. Sogar bei den Mainstream-Müll-Mastern von RTL haben selbst die dösigsten und anspruchslosesten Zuschauer so langsam die Schnauze voll von all dem minderwertigen Scripted Reality-Schwachsinn, daher plant man ganz neue Wege der Publikums-Einlullung. Demnächst im Angebot: AUF FREMDEN SOFAS, wo sich Paare, Familien und Semi-Prominenz mit diversen Überwachungs-Kameras in ihren Wohnungen filmen lassen und dann von der Couch aus ihren ultraspannenden Langweiler-Alltag kommentieren. Klingt wieder mal nach ganz viel Garnichts mit Sahne und bunten Streuseln!

619. Sackgasse Lindenstrasse (TVS 25/18)2018-12-03T04:04:05+00:00

618. Germanys Next Top Merkel (TVS 24/18)

Oops, jetzt ist ganz plötzlich doch etwas geschehen, womit wirklich niemand im Land mehr gerechnet hatte: die Kanzlerin hat sich bewegt! Und das auch noch in Richtung Ausgang, nicht nur wie sonst mal kurz zum Baumarkt um einen neuen Eimer Sitzkleber für den Regierungssessel zu besorgen oder in sämtlichen Zimmern des Reichstags die Uhren anzuhalten. Nein, nach dem bayerisch-hessischen Arschtritt-Doppel-Whopper für die Union blieb ihr am Ende anscheinend doch keine Wahl als zumindest eine Konsequenz zu ziehen: die Aufgabe des Parteivorsitzes. Und auf einmal geht’s jetzt richtig rund im Altenheim, denn aus allen Ritzen kommen die möglichen Nachfolger gekrochen, die sich vorher höchstens trauten,  mauseschüchtern nickend hinter der Raute her zu trippeln. Mindestens ein Dutzend Konservativ-Kasper haben bereits schnipsend den Finger gehoben, um die rechtsdrehende Rasselbande ab Dezember als neuer Führer in eine gloriose Zukunft zu führen.

Wären beide Seiten clever, würden Fernsehen und CDU eine Kooperation schließen und statt langweiliger Zettelwahl beim nächsten boring Parteitag die ganze Chose via TV-Casting durchziehen. GERMANYS NEXT TOP MERKEL läge als Titel auf der Hand, aber für Pro7 wären da wahrscheinlich zu viel olle Humpel und zu wenig magersüchtige Instagram-Models im Spiel. Denkbar wäre allerdings im Zusammenspiel mit SAT1: Blind Auditions ohne Hingucken, was sicher für alle von Vorteil wäre, auf der Suche nach der VOICE OF CHRISTLICHDEMOKRATISCHE-UNION, in der Jury zB Norbert Blüm, Christian Wulff, Alexander Gauland und Xavier Naidoo. RTL als Mutter aller Casting-Gewölle hätte natürlich diverses im Programm, was man für die Wahl umbauen könnte. DSDSV – DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERVORSITZ oder DAS FÜHRUNGSTALENT wären sichere Quotenhits. Andererseits wäre eine LET’S DANCE – Variante, in der die Kandidaten ihre Vision für das neue Parteiprogramm vortanzen müssen, wesentlich mutiger und auch unter Darwin’schen Gesichtspunkten spannender, da sich die meisten Kandidaten bei zu überdrehten Ideen durch Haxenbruch von selbst aus dem Rennen schießen würden. Sollte keine der großen Stationen anbeißen, bliebe immer noch NIX FACTOR bei SKY oder CURVY SUPERVORSITZ (aka THE FATTEST FRONTMAN)  bei RTL2.

Alles etwas unorthodoxe Ideen, wenn man das bislang übliche Seilschaften-Geschachere im Intriganten-Stadl der Politik betrachtet, aber wenn sich schon im Kern der Fäulnis ohnehin nichts ändert und wir als Bürger später darunter leiden müssen, darf man ja wenigstens vorher etwas Spaß haben. Sollte das Modell funktionieren, könnte man in Zukunft sogar die lästigen Bundestagswahlen umgehen, bei denen eh nichts Gescheites rauskommt, wie wir unlängst erfahren durften. Soll das doch besser gleich das HÖHLE DER LÖWEN bzw HÖLLE DER DOOFEN – Team übernehmen, Maschmeyer hat da ja bereits einige Mauschelei-Erfahrungen. Und beim Programm der AfD gäbe es dann zB keine langen Diskussionen, sondern hieße nur: da ist keine Substanz drin, gab’s alles schon mal und ging in die Hose, die Bewertung ist viel zu hoch und es fehlen Herz und Verstand – Wir sind raus!

Wohn- und Back-Wahn

Schluss mit jung & crazy – RTL möchte den Sonntagnachmittag von nun an der öffentlich-rechtlichen Ruhe und lauwarm-lulligen Gemütlichkeit widmen und bringt zwei neue Wohlfühl-Family-Formate im Doppelpack. Erst UNSERE SCHÖNE GEMEINSAME WOHNUNG, wo mit Hilfe von Schönwohn-Profis Resi & Guido schwierige ‚Krisen- zu Kuschelzonen’ umgemuckelt werden sollen, danach zur Kaffeezeit dann HAUPTSACHE SÜSS, eine Art regionaler Bäcker-Battle für virtuelle Tortenfresser. Früher aß man am Sonntagnachmittag Kuchen in der Wohnung und schaute dazu Filme – heute sieht man anderen Leuten beim Wohnen, Backen und Essen im TV zu und netflixt zum Nachtisch.

Fang die Wurst

Da SAT1 schon seit Jahren verlässlich eine Show nach der anderen geradlinig mit Schwung an die Wand fährt, reist man derzeit wiederholt ein bis zwei Jahrzehnte zurück, um alte Konzepte aufzuwärmen oder das Genre der ‚Promis-machen-Kinderspiele’-Genre zu recyceln. Neue Idee von Luke Mockridge, dem mainstreamlinienförmigen Gag-Granatenwerfer des Bällesenders: CATCH – DER GROSSE SAT1 FANG-FREITAG’. Funny Fangen mit Abschlagen und Wegducken über ulkige Hindernisse ohne Wiederklatsch – wahrscheinlich aber nur der Vorläufer zum Promi-Käsekästchen, Eurovision Eierlauf und Celebrity Topfschlagen. Frei nach dem Motto: sinnfreie Langeweile soll wenigstens lustig sein! Und sei es nur im Titel so behauptet.

618. Germanys Next Top Merkel (TVS 24/18)2018-11-21T18:39:38+00:00

617. Die Grenzen der Pressefreiheit (TVS 23/18)

Reden wir einmal offen über ein wirklich heißes Eisen im Medienbetrieb: den so genannten ‚kritischen Journalismus’, auch bekannt als ‚Lügenpresse’. Gut, früher war das vielleicht mal eine ganz gute Sache, da gab es auch viel aufzudecken und zu berichten überall, weil damals noch eine ganze Menge vertuscht und gemauschelt wurde. Mitunter soll es sogar Fälle gegeben haben, in denen Reporter echte Skandale oder politische Schweinereien entlarvten, aber wie gesagt: das ist lange her. Heute leben wir glücklicherweise in einer viel besseren Welt, angeführt von so integren wie intelligenten Politikern, denen wir hundertprozentig vertrauen können. Seehofer, Söder, Merkel bis hin zu Gauland, Trump, Erdogan – von solch redlichen und klugen Köpfen konnten wir früher nur träumen. Mehr als verständlich aber, wenn tapfere Weltverbesserer wie sie dann auch mal sauer werden, wenn sie sich trotz aller Philanthropie und ausnahmslos grandioser Leistungen immer wieder hämische und überpingelige Kritik gefallen lassen müssen, gewürzt mit erfundenen Fakten über angebliche Fehlleistungen. Früher haben sich Obrigkeiten solche Respektlosigkeiten jedenfalls nicht einfach so gefallen lassen, und wir wissen: früher war nicht alles schlecht!

Uns sollte spätestens klar sein, dass mit unserer überheblich agierenden ‚Freien Presse’ etwas faul ist, wenn sogar herzensgute, grundehrliche und sensible Männer wie K.H. Rummenigge und Uli Hoeneß vom karitativen Leibesertüchtigungs-Verein FC Bayern München sich aus purer Verzweiflung gezwungen sehen, in einer öffentlichen Fußball-PK das Grundgesetz zu zitieren. ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar!’ – eine eher weniger bekannte Phrase aus unserer Verfassung, die im Zusammenhang mit der ungerechtfertigten Kritik am sportlichen Kicker-Club so viel heißen sollte wie ‚die Spieler des ewigen deutschen Meisters sollten doch bitteschön von der bösartigen Journaille komplett in Ruhe gelassen werden, wenn sie mal ausnahmsweise nicht glanzvoll siegen!’ Der Journalismus muss sich endlich angewöhnen, nicht immer bloß über die Herrschenden, Erfolgreichen und Wohlhabenden – also die Leistungsträger und Gestalter der Gesellschaft – zu meckern, sondern sich lieber die eher so linksgrünuntenrumversifften Skeptiker und Nörgler vorzunehmen, die ein Problem damit haben sich einfach mal still und leise den weisen Mächtigeren zu unterwerfen.

So kann das jedenfalls nicht weitergehen. Vielleicht sollte man über eine Art ‚Freiwillig rechtsverbindliche Vorab-Genehmigungspflicht für kritische Äußerungen’ gegen gefühlt Unantastbare nachdenken. Denn wäre es von diesen selbst ernannten ‚Journalisten’ wohl wirklich zu viel verlangt, wenn sie ihre geplanten Kommentare (aka Frechheiten) vorher kurz den Betroffenen zum Redigieren vorlegen würden, um im Interesse der Nationalen Sicherheit und Guten Laune unangenehme Anschuldigungen ein klein wenig schönfeilen zu lassen? Pressefreiheit sollte – wie jede gute Freiheit – klare, enge und gesunde Grenzen kennen. Denn die Freiheit der Berichterstattung sollte niemals die Freiheit des unentdeckten Scheißebauens einschränken dürfen!

Schöne Bergwelt

Das ZDF weiß was seine Zuschauer zum Einschlummern lieben: ruhige. nette Menschen in schönen Landschaften, wo die Welt noch in Ordnung ist. Wenn nicht auf schwülstig schippernden Traumschiffen, dann bevorzugt auf den grünen Auen der herrlich hügeligen Bergwelt, bei frischer Luft in der (außer von trampeligen Fernseh-Teams) unberührten Natur. Nach diversen Berg-Doktoren/-Rettern/-Gefährten/-Bauern/-Familien/-Besteigern und –Ziegen wird nun mit GIPFELSTÜRMER ein alpines Berg-Internat seine friedlichen Pforten öffnen. Auf dass sich ja nichts ändert und bloß keine Aufregung ins Programm einkehrt!

Wohn- und Back-Wahn

Auch RTL möchte den Sonntagnachmittag anscheinend der lauschigen Ruhe und lauwarm-lulligen Gemütlichkeit widmen und plant zwei neue Wohlfühl-Family-Formate im Doppelpack. Erst UNSERE SCHÖNE GEMEINSAME WOHNUNG, wo mit Hilfe von Schönwohn-Profis Resi & Guido schwierige ‚Krisen- zu Kuschelzonen’ umgemuckelt werden sollen, danach zur Kaffeezeit dann HAUPTSACHE SÜSS, eine Art regionaler Bäcker-Battle für virtuelle Tortenmampfer. Früher aß man am Sonntagnachmittag Kuchen in der Wohnung und schaute dazu Filme – heute sieht man im Fernsehen anderen Leuten beim Wohnen, Backen und Essen zu und netflixt zum Nachtisch.

St. Pauli – TV

RTL 2 weiß auch immer was seine Zuschauer am meisten interessiert, nämlich beispielsweise ein betreuter Spaziergang über den Hamburger Kiez, für alle die lieber analytisch dem Gebumse von außen zuschauen und im Notfall selbst Hand anlegen. REEPERBAHN PRIVAT! DAS WAHRE LEBEN AUF DEM KIEZ beleuchtet das Rotlicht-Milieu von allen Seiten und lässt den GV-interessierten Hobby-Voyeur bequem daheim im Warmen das anrüchige Milieu theoretisch miterleben, ohne ihm den mühsamen Gang in den Puff inklusive anstrengendem Dienstleistungs-Vollzug praktisch zumuten zu müssen. Das nennt man echtes Mitfühl- und Service-Fernsehen!

617. Die Grenzen der Pressefreiheit (TVS 23/18)2018-11-06T01:24:54+00:00