Letzte Nacht hatte ich einen furchtbaren Albtraum. Ich erwachte in einem Krankenhausbett in Köln, wo ich anscheinend bereits längere Zeit in komatöser Starre herumgelegen hatte. Ich stand auf, aber das gesamte Hospital war verlassen, keine Seele war zu sehen. Draußen bot sich ein ähnlich verstörendes Bild: sämtliche Geschäfte und Ämter waren geschlossen, das öffentliche Leben schien stillzustehen. Doch plötzlich entdeckte ich an einer Hauptstraße große Menschenmengen, es schien als hätten sich alle noch lebenden Wesen durch mysteriöse Signale geleitet an genau diesem Ort versammelt– auch wenn ‚lebend‘ ein sehr hoch gegriffener Begriff ist für das, was ich dort erblickte. Schwankende, taumelnde und zuckende Gestalten, die orientierungslos herumtorkelten, zu Boden stürzten oder sich in den Rinnstein übergaben. Sie schienen miteinander zu kommunizieren, in einer Mischung aus Grölen, Stammeln und Singsang, jeglicher Artikulation und Sinnhaftigkeit beraubt. Manche formierten sich in schlangenförmig eiernden Personenreihen, aneinander an den Schultern festhaltend um nicht zu fallen. Fast alle von ihnen trugen absurde bunte Kleidung, künstliche Riechkolben-Aufsätze und groteske Hüte, jegliche menschliche Intelligenz und humanoide Überlegenheit schien aus ihrem Bewusstsein gesogen. Es war ein furchtbarer und erschütternder Anblick. Kurz gesagt: ein ganz normaler Rosenmontag in Köln! Also setzte ich mich in mein Auto und fuhr heim nach Berlin.

Dort angekommen machte ich mir so meine Gedanken, während ich durch die TV-Programme zappte und hilflos zuschauen musste, wie in absurd-rituellen Kult-Versammlungen von satanischen Subjekten mit diabolischen Dreizack-Kopfbedeckungen bis hin zu verkleideten Hausmeistern, Putzfrauen und Weltenbummlern, der deutsche Humor grausam und unbarmherzig verstümmelt, massakriert und auf offener Bühne geschändet wurde. Immer wieder unterbrochen durch aggressive High-Kick-Tänze kurzberockter Militärmädels, Zwischenschnitte auf professionell besoffenes Publikum und Fake-Gelächter erzwingende Tusch-Belästigungen als musikalisches Emoji des Teufels.

‚Ja nun mal halblang, ist doch nur Karneval, ein bisschen Spaß muss sein – und das hat doch auch mit christlicher Fastenzeit und den Oberen den Spiegel vorhalten zu tun und so!‘ höre ich viele Fans der fünften Jahreszeit jetzt unken, aber das stimmt ja alles schon lange nicht mehr. Vielmehr erscheint mir die Fassenacht als die nächstmögliche Annäherung der menschlichen Zivilisation an eine drohende Zombie-Apokalypse. Wobei mir eine trostlose Dystopie wie THE WALKING DEAD gegen diese Vorstellung beinahe schon als eine heiter-verspielte Wellness-Utopie erscheint, denn dort sind die Wackler wenigstens stumm und tragen keine Pappnasen. Nehmen wir also einfach die tollen Tage als mentale Vorbereitung auf den möglichen Weltuntergang, lernen wir daraus und üben wir uns in Selbstverteidigung – zB durch Lesen (auch Bücher!), Humor-Weiterbildung (Monty-Python) und Einfach-mal-so-einen-saufen-oder-lachen, auch wenn es nicht im Kalender steht und keiner tuscht. Vielleicht sind wir dann ja doch noch nicht verloren… Narrhalla-Marsch!

Klum-Zulage

Eine Welt ohne Heidi Klum können wir uns alle schon längst nicht mehr vorstellen: junge Mädchen würden fröhlich essend orientierungslos durch die Welt schlendern, die Promi-Boulevard-Blätter und Online-Klatschkolumnen könnten dicht machen und weniger Menschen hätten Tinnitus. Deshalb erwartet uns jetzt nicht nur die unvermeidbare jährliche GNTM-Staffel, sondern auch ein neues Streaming-Format: MAKING THE CUT bei Amazon Prime, in dem das nächste frittenfettheiße Modelabel gesucht, gefunden und dann über die Online-Shops auch gleich vermarktet werden soll. Nicht dumm, Frau Klum!

Wendler-Ableger

Ebenfalls recht clever: wenn man als selbst ernannter Schlagergott auf dem Sing-along-Olymp nicht mehr die ganz große Numero Uno ist, kann man trotzdem super im Gespräch bleiben, wenn man ersatzweise einfach alle Frauen von einst bis heute auf die bunte Medienreise schickt. So war DerWendler durch seine Ex Claudia im Dschungelcamp just mehr und öfter Thema als bei seiner persönlichen Teilnahme 2014, und seine derzeitige Jugendfreundin Laura sorgt jetzt dank ihrer Playboy-Fotos und der kommenden LET’S DANCE Tanz-Teilnahme für durchgehende Dauerpräsenz! Alles erreicht – jetzt müsste er nur noch mit dem Singen aufhören, dann wären wir alle glücklich!

Flop-Eigenwahl

Wir müssen nicht drum herumreden: die Geschichte von Deutschland und dem EUROVISION SONG CONTEST ist eine Geschichte voller Missverständnisse. So richtig hat es nie gefunkt, außer 1982 mit Friedensengel Nicole und den Malen, in denen Stefan Raab mit Selbstironie und Leidenschaft mitwirken durfte. Inzwischen versucht es der NDR seit längerem wieder seriöser, langweiliger und vor allem erfolgloser – und weil es die letzten Jahre selbst mit Publikumswahl stets granatenmäßig in die Hose ging, plant man nun, einfach auf die teure Voting-Show zu verzichten und wieder mit Karacho ganz alleine in die Scheiße zu greifen! Am besten wir nehmen uns für den ESC-Abend schon mal alle was ganz anderes vor, um das Elend nicht miterleben zu müssen…