Dieser Tage feiere ich mein persönliches TV-Jubiläum in Form von 25 Jahren Aufarbeitung deutschen Fernseh-Wahnsinns in KALKOFES MATTSCHEIBE. Danke für die Glückwünsche. Und in der Rückschau ist es wahrhaft verblüffend, wie sich das Medium seit der Anfangszeit verändert hat. Man stelle sich vor: es war inmitten der semi-wilden Neunziger. Kabelfernsehen war gerade der hotteste shit in Town und so langsam konnte fast jeder diese verrückten neuen Privatsender empfangen. Die von RTL im Vollsuff erfundene ‚werberelevante Zielgruppe der 14 bis 49-jährigen’ war existent aber weniger bedeutsam als die Gesamtzuschauerzahl, weshalb auch die älteren Humpel vor der Glotze für den Markt noch interessant waren und die Entertainmentwelt von der Volksmusik im festen Schunkelgriff gehalten wurde. Nach drögen Dekaden stocksteif-verspannter Bildungsfernseh-Diktatur der Öffentlich-Rechtlichen mit nur äußerst sparsam zugeteilten Unterhaltungs-Rationen, versuchten die Privaten anfangs die verlorenen Jahre mit einem knallbunt-irrwitzigen Vergnügungs-Tsunami zu kompensieren. Man wollte zeigen was man konnte und dass wir uns wahrlich nicht hinter dem Spaßfaktor anderer Nationen verstecken mussten.

Wie in jeder vollen Badewanne bei zu viel Übermut schwappte das Wasser des Wahnsinns irgendwann allerdings über und das Publikum begann sich zu fragen: ‚Sagt mal, wollt Ihr uns eigentlich verarschen? Und haltet Ihr uns für total behämmert?’ Die Antwort hieß leider schon bald: Eindeutig JA! Denn aus dem Streben nach kompromissloser Zuschauerbespaßung als oberste Direktive wurde zum Millenniumswechsel der Wunsch mit möglichst geringen Kosten und Mühe möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften. Das funktionierte kurzfristig recht gut mit der Reduktion auf den moralisch-intellektuell geringsten gemeinsamen Nenner – die größte Dummheit wurde zur höchsten Messlatte. Die internationale Finanzkrise führte kurz darauf zur radikalen Drosselung sämtlicher Eigenproduktions-Etats und der Konzentration auf so sinnfrei wie menschenverachtende Scripted Reality-Formate ohne jeglichen Qualitätsanspruch. Die waren herrlich billig und trotzdem guckten sie irgendwelche Idioten, was die Redaktionen über die schon immer so behauptete Blödheit des Publikums herzlich lachen ließ. Verachtung und Faulheit übernahmen die Programmleitung, und wer Fernsehen mit Inhalt liebte und die Möglichkeit dazu hatte, verabschiedete sich von seinem ehemaligen Lieblingsmedium. Den zynischen TV-Machern war das wumpe – jedenfalls bis sie in realen Zahlen bemerkten wie viele Zuschauer zu Streamingdiensten abgewandert waren und dort genau die intelligente Unterhaltung suchten, für die man sie bislang als zu doof gehalten hatte.

Jetzt hat das Fernsehen den Salat. Die nicht ganz so dusseligen Älteren mit Kohle sind verduftet und geblieben sind die gehorsam Desinteressierten und jung-gepimpten Hohlhirne. Ganz cool für ein schnelles Nümmerchen, auf Dauer aber eher peinlich und keiner von denen zahlt selber die Rechnung. Das verlorene Vertrauen zu erneuern und die einstmals Verschmähten wieder zurück zu holen dürfte jedoch schwierig werden. Eine Entschuldigung und ein paar Blumen sind trotzdem überfällig.

Österlicher Eiertanz

Wurde hier eigentlich schon einmal erwähnt dass wir viel zu wenig Dance-Shows im deutschen TV haben? Nun, über die Ostertage jedenfalls bittet RTL zum gemeinsamen Eiertanz mit Anfassen in einer rhythmischen Sendungs-Polonäse für Couch-Potato-Sitztänzer: zuerst ein LET’S DANCE – BEST OF mit den schönsten bisherigen Promi-Stolpereien, und danach bittet der Eitelkeits-marinierte Schlechtlaune-Lächler Joachim Llambi zu seinem Pöter-pudernden Solo-Abenteur LLAMBIS TANZDUELL, in dem Profi-Hüpfer in fernen Ländern lokale Tänze lernen und dann im Battle vorkaspern müssen. Galt am Karfreitag nicht früher mal das Tanzverbot? War nicht alles schlecht damals.

Auf- und Abdecker

Über Humor kann man streiten und jeder lacht halt über was anderes. Wenn aber die sich selbst belachende Flachwitz-Planierraupe Mario Barth in seinem brachial konsenskomischen Recherche-Format MARIO BARTH DECKT AUF als empörter Intelligenz-Abdecker über den angeblichen Wahnsinn der Grenzwerte für Stickoxide berichtet, und dabei mit brutaler Dummdreistigkeit, hanebüchen falschen Beispielen und anerkannten Fehlberechnungen um den zustimmenden Schenkelklopf-Applaus der Realiätsrenitenten Wackeldackel bettelt, dann schämt man sich als Zuschauer mindestens so wie der Sender für die peinliche Ausstrahlung… ach nein, lief ja bei RTL! Mein Fehler…

Haarloses Remake

Man hat sich ja daran gewöhnt, dass inzwischen jede erfolgreiche Serie der Vergangenheit ein zeitgemäßes Update im TV oder Kino erhält – und manchmal funktioniert es ja auch. Wenn allerdings der charmant-überlässige Eighties-Detektiv Thomas MAGNUM schnauzbartlos ohne Hawaiihemd neu aufgelegt wird, mit einem weiblichen Higgins als sexy junge Ex-MI6-Agentin, aufgepeppt mit überdrehter Fast & Furious–Cartoon–Action und zwangsmodernisierter Obercoolness – dann wünscht man den Produzenten nur noch einen kräftigen Arschbiss von Zeus & Apollo. Jetzt auf Vox – allerdings ohne mich!