Deutschland muss sich mit einer neuen, ernsthaften Bedrohung auseinandersetzen: die so genannten ‚YouTuber’. Für alle analogen Leser: gemeint sind jene komischen Vögel, die in diesem Junge-Leute-Fernsehen namens Internet ihre Sendungen machen. Also keine wirklich richtigen mit Moderator, Quizfragen und Gesangsauftritt von Hansi Hinterseer, sondern einfach so wild zusammenhangloses Gesabbel und Gefuchtel, bei dem man die letzten Drogerie-Einkäufe präsentiert, sich den Körper mit Nutella und Hackfleisch einreibt oder den Vorschul-Kids erklärt, wie man sich mit Muttis Make-up in nur fünf Minuten nuttig schminkt. All diese ulkigen medialen Nichtsnutze haben häufig Tausende oder gar Millionen Fans, größtenteils bei Kindern und Jung-Jugendlichen, weil es halt kein ZDF-Ferienprogramm oder andere Alternativen mehr gibt.

Während man in den übrigen Medienbereichen zunehmend bemüht ist, sich bei den pfiffigen Fame-Vortäuschern archkriecherisch anzubiedern, um dadurch vielleicht wieder ein paar jüngere Zuschauer anzulocken, sehen viele Erwachsene diese eher kritisch. Fürchtete man bisher allerdings hauptsächlich die Influencer-Beeinflussung unserer Jugend in Richtung rauschhafte Konsum-Animation, Hirn-Einlullung und generelle Doofwerdung, so haben sich die vormals inhaltsleeren Digitalwelt-Trolle jetzt zu einer massiven Gefahr für die Demokratie gemausert. So ruinierte beispielsweise ein einziges Laber-Zappel-Filmchen eines unbekannten YouTube-Spaßvogels namens Rezo den kompletten grandios geplanten Mega-Sieg der CDU und der meisten ihrer beliebten Volkspartei-Kollegen bei der Europa-Wahl. Hatte man die (für eine seriöse Partei selbstredend nicht ernstzunehmenden Äußerungen) des blauhaarigen Kindskopfs mit seinen knapp 30 Lenzen zuerst lächelnd ignoriert und später ignorant belächelt, so erfreuten sie sich bei vielen unter 70-jährigen Netznutzern großer Beliebtheit und regten viele junge Menschen zu politischen Diskussionen an, die vorher doch immer so erfrischend uninteressiert ihre Klappe gehalten hatten. Die tiefsympathische Unions-Vorsitzende AKK reagierte auf diese ungewohnte Reaktion der aufmüpfigen Bevölkerung mit trockenpfläumischer Gelassenheit und der Ankündigung, dass man zukünftig vor den Wahlen populären Medienvertretern und journalistischen Schwergewichten wie Rezo zum Wohle des Volkes besser höflich aber bestimmt untersagen solle, nicht mehr einfach so ihre Meinung zu sagen, außer sie ist neutral positiv oder objektiv lobend der Regierung gegenüber. Denn Pressefreiheit ist zwar wichtig und schützenswert, aber nur wenn man sie nicht übertreibt. Zudem kritisierte sie zu Recht die zahlreichen Fehler im Video, allein schon im Titel – so handelte es sich schließlich nicht um die ‚Zerstörung der CDU’, sondern vielmehr um die ‚Vorlage zur Selbstzerstörung der CDU’ – die dann am Ende auch noch frecherweise von der SPD vorweggenommen wurde.

Eine durchaus bemerkenswerte Entwicklung – verbunden mit der erstaunlichen Erkenntnis, welch gewaltige Sprengkraft ein harmlos anmutendes Tischfeuerwerk doch entwickeln kann, wenn man seine mögliche Auswirkung überheblich abstreitet, es trottelig handhabt und am Ende unbeholfen in der eigenen Fresse explodieren lässt.

Hautmalereien

War das tintengespritzte Körpergemälde einstmals noch vornehmlich Seeleuten, Gang-Mitgliedern und Knast-Insassen vorbehalten, so fand das Tattoo über den Umweg falsch geschriebener Fremdsprach-Sinnsprüche, schwurbeliger Fantasy-Tribals und aus Damen-Tangas flatternder Riesen-Arschflügel allmählich den Weg zum Szene-Must-Have. Da die Rezeptionen der künstlerisch wie flächenmäßig immer ausufernderen Body-Bemalungen zwischen Faszination und Fassungslosigkeit schwanken, es aber für alles ja immer irgendeinen Grund gibt, beleuchtet RTL2 die spannenden Geschichten hinter den Körperkrickeleien jetzt dokusoapig in TATTOO-STORIES – DAS GEHT UNTER DIE HAUT. Ritzig, witzig und spritzig – that’s Tatootainment!

Rechenfehler

Armes Deutschland! Hätte Madonna beim EUROVISION SONG CONTEST nicht gnädigerweise für Ablenkung gesorgt, wäre unsere erneute Komplett-Abkackung wahrscheinlich die größte Zielscheibe des Spottes geworden. So bekam unsere eigentlich maschinell einwandfrei abgespulte Pillepalle-Pop-Performance als einzige von sämtlichen (!) europaweit teilnehmenden Publikums-Votings Null Punkte, was uns auf den drittletzten Platz katapultierte. Als Krone der Demütigung wurde dieses Ergebnis wenige Tage später wegen eines Rechenfehlers aber korrigiert, wodurch unsere S!sters noch eine Nummer tiefer rutschten. Kommt schon – jetzt seid wenigstens so fair und gebt uns den allerletzten Platz! So wirkt das irgendwie halbherzig.

Horrorverlängerung

Das Grauen kennt keine Gnade und kein Ende! So wurde bekannt, dass Heidi Klum bei Pro7 für furchtbare weitere sechs Jahre ihrer maliziösen Mutantinnen-Show zur militärischen Erotik-Umformung unschuldiger junger Mädchen zu willfährig latschenden Lustobjekten unterzeichnet hat. An alle Eltern knapp geschlechtsreif gewordener Töchter: wenn ein GNTM-Wagen durchs Dorf knattert oder in der Ferne die fiepsende Heidi-Quäke ertönt – versperrt die Türen und versteckt Eure Mädels! Der Model-Gollum darf sie nicht erwischen!