Eine interne Workshop-Unterlage der ARD von 2017 sorgte kürzlich für überraschenden Medienwirbel. Es handelt sich um das ‚Framing Manual’ einer renommierten Linguistin, die ein wissenschaftliches Gutachten über den Sprachgebrauch rund um die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender erstellte. Okay, das Blättchen kostete rund eine Viertelmillion unserer fast freiwillig eingezogenen Gebührengelder, aber immer noch besser als dafür Programm zu machen. Die daraus resultierende Enttäuschung der Chef-Etage war nur allzu verständlich, stellte sich doch heraus dass die ARD immer häufiger mit negativen Begriffen wie ‚Lügenpressen-Hackfressen-Staatsfernsehen’ oder ‚verkacktes Zwangssteuer-Schnarchprogramm’ belegt wurde, und das nur von den eigenen Mitarbeitern. Was die Zuschauer sagten, lässt sich hier gar nicht erst abdrucken.

Um das Offensichtliche wissenschaftlich zu beweisen, nämlich dass sich so frech-fiese Worte irgendwie voll gemein anfühlen für einen Sender, musste also schnell ein möglichst teures Papier erstellt werden, inklusive einem Leitfaden, was man denn dagegen tun könne. Die Lösung liegt im so genannten ‚Framing’ – das ist Englisch und bedeutet sowohl Rahmen wie auch formulieren, gestalten oder einfach manipulieren und reinlegen. Gemeint ist allerdings ganz einfach: wenn man sich selbst in seiner Sprache schön genug redet und die Konkurrenz subtil lingual in den Arsch tritt, allerdings sprachlich elegant und möglichst unauffällig, dann glauben die Leute irgendwann, man wäre viel toller als man eigentlich ist. So wurde der ARD geraten, öfter frische und positive Wortkombinationen für den alten TV-Runzelrochen zu benutzen, wie zB ‚unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD’ – das klingt doch gleich nach dem Wind von Freiheit und Abenteuer, der dem Zuschauer um die Nase weht, gemeinsam errungen im gerne doch gebührenfinanzierten Kampf gegen die diktatorische Knechtschaft der tyrannischen Privat-Stationen. Diese darf man ruhig auch mal als ‚profitwirtschaftliche Sender’ oder ‚medienkapitalistische Heuschrecken’ bezeichnen, damit man sich schon beim Hören ein bisschen vor ihnen ekelt. Allerdings ohne sie wirklich zu beleidigen, man sollte dabei stets irgendwie noch halbwegs sachlich klingen: ‚geldgeile amoralische Quotenhuren’, ‚teuflische Verstands-Vernichtungsmaschinen’ oder ‚brandschatzende Qualitäts-Vergewaltiger und TV-Terroristen’ sind daher nur sparsam und in bereits erkennbar gelockerter Atmosphäre zu verwenden.

Erforscht wird auch, wie man gegebenenfalls bestimmte Namen oder Titel abändern könnte, um eine größere Akzeptanz beim Zielpublikum zu erreichen. So klingt ‚Kai Pflaume’ beispielsweise ungewollt albern und weiblich, spannender und männlicher wäre für den Moderator ein Name wie ‚Ringo Banana’ oder ‚Karl Knüppelwurst’. Geeigneter als die sperrige Bezeichnung der ‚Öffentlich-Rechtlichen’ wären wahrscheinlich die ‚Freiheitlich-Demokratischen’, ‚Heldenhaft-Rechtschaffenden’ oder einfach die ‚Vorbildlich-Unfehlbaren’. Und statt ‚Das Erste’ ergäbe vielleicht ‚Das Allererste’ oder ‚Das Einzige’ eine sinnvolle Alternative. Das ZDF könnte sich dann ‚Das Zweite Erste’ nennen.

Maskierte Promis

Der neueste Irrsinns-Knaller kommt aus Korea: ein Sänger-Wettstreit mit Promis in knallbunt-bekloppten Tierkostümen! Der Witz: niemand weiß, welche Berühmtheiten unter den Verkleidungen stecken – quasi ein Mix aus Voice of Germany, Promi-DSDS und Kinderkarneval. Pro7 wird demnächst THE MAKED SINGER zu uns holen, aber so originell und verrückt das Format auch klingen mag, scheitern wird es wieder mal an unserem eklatanten Mangel an interessanten Stars – denn bei den meisten der üblichen Verdächtigen aus dem bekannt unbekannten Pseudo-Promi-Dumpfnasen-Pool wünscht sich wahrlich niemand, dass sie am Ende die Masken abnehmen!

Return of Superball

Bewegt-Buntball-Fans und Freunde dösig-charmanter Popeligkeit können aufatmen: nach dreizehn drögen Jahren ‚without balls’ hat das kernige SAT1-FRÜHSTÜCKSFERNSEHEN sein Mojo wiedergefunden und bringt den kultig verehrten SUPERBALL zurück! You remember: da musste immer so ein verrückter Multi-Color-Ball von links nach rechts und umgekehrt an Hindernissen vorbei bewegt werden, indem ein Zuschauer einem Moderator mit Bewegungs-Dildo über Telefon Richtungsbefehle gab. Schweißtreibende Action mit Schmunzelfaktor und hohe Thriller-Spannung am frühen Morgen – willkommen zur Rückkehr des intelligenten Qualitätsfernsehens!

Paar-Therapie

RTL ist und bleibt der Philantrop unter den Privatsendern: aus reiner Menschenfreundlichkeit schickt er glückliche junge Paare für seine fröhliche Flirt-Fickel-Versuchungs-Show TEMPTATION ISLAND auf eine paradiesische Trauminsel – allerdings getrennt voneinander. Und auf die frisch Separierten warten jeweils diverse attraktive und hoch begattungsbereite Single-Boys & blankbusige Knatter-Girls zur erotischen Anmache in Dauerschleife, was natürlich gefilmt und dem Partner brühwarm vorgeführt wird, hihihi. Verzweifelte Wut, furiose Eifersuchts-Szenen und tränenreiche Beziehungs-Trennungen vorprogrammiert. Endlich wieder modernes Fernsehen mit Dramatik, Titten und Niveau, fast noch geiler als der SAT1-Superball!