621. Generation Unzufrieden (TVS 27/18)

Wiederholt sich die Geschichte? Manchmal sieht es jedenfalls so aus, denn einige der größten Fehler der Menschheit scheinen sich in gewissen Zyklen automatisch erneut zu ereignen. Langfristig aus selbst produzierten Katastrophen zu lernen, fällt uns anscheinend schwer. Kaum sind ein paar Jahrzehnte vergangen, denken viele, selbst im schlimmsten und ungerechtesten Chaos sei irgendwie ja auch nicht alles schlecht gewesen, und sogar der stinkendste Horrorhaufen erscheint manch verblendetem Ignoranten in der Rückbetrachtung nur noch als harmloser Vogelschiss. Besonders gefährlich wird es absurderweise aber in relativ guten Zeiten.  Stehen nicht mehr Lebenserhaltung und Existenzsicherung an erster Stelle, kümmert man sich stattdessen vermehrt um den eigenen Status in der egomanischen Gesellschaft, denn leider neigt man in Zeiten von Ruhe und Stillstand weniger zum kollektiven Zusammenhalt als in  echter Not. Überspitzt gesagt: geht es dem Menschen zu gut, wird er unzufrieden!

Vergleicht man zB die 80er Jahre mit der Gegenwart, entdeckt man viele Gemeinsamkeiten: größenwahnsinnige Weltmachtsführer im Testosteron-Taumel, Hetzer und Kriegstreiber an allen Ecken, Deutschland in lethargischer Langzeit-Regierungsstarre, industriell verursachte Naturkatastrophen und vieles mehr. Allerdings haben sich in der Zwischenzeit die Generationen und ihr jeweiliger Antrieb verschoben. Die damalige Jugend hatte Eltern, die von Krieg, Entbehrung und der daraus resultierenden Wohlstands-Spießigkeit geprägt waren. Ab 50 galt man als altes Eisen, deshalb wurde die medial ‚werberelevante Zielgruppe der 14-49jährigen’ erfunden, da man Älteren eh nichts mehr zutraute. Jungen Menschen ging es zum ersten Mal vergleichsweise gut und die engsten Ketten der Verklemmtheit begannen vom Körper der Gesellschaft zu platzen. Da Selfies und Influencer allerdings noch nicht erfunden waren, suchte man die Gemeinschaft im persönlichen statt virtuellen Kontakt und ging gemeinsam auf die Straße um gegen globale Bedrohungen und allgemeine Ungerechtigkeit zu demonstrieren.

Heute hingegen geht es den meisten Kindern der westlichen Welt besser denn je, aber sie erstarren im immensen Entertainment-Überangebot und medialen Zelebrieren des Bedeutungslosen, während die Alten um/über 50 die verzweifelten Versuche der Motivation übernehmen. Am Ende fühlen sich immer mehr Menschen grundlos unzufrieden, nur weil sie überall Leute sehen, die noch blöder sind als sie selber, aber trotzdem viel erfolgreicher und im Haus von Promi Big Brother wohnen. Nach Generation Babyboomer/Golf/X/Y/Z sind wir nun bei ‚Generation Unzufrieden’ angekommen, im Zeitalter von Neid und Mauligkeit, wo jeder denkt dass ihm im Grunde irgendwie mehr zusteht, einfach weil andere das ja auch haben. Daher mein Wunsch fürs neue Jahr: Herr, lass Hirn vom Himmel regnen und rühre den Menschen einen Löffel Verstand mit ins Essen! Und für die Jüngeren das Ganze vielleicht zum Runterladen als Nächstenliebe-App im altmodischen Retro-Look mit kostenlosem Verstands-Upgrade. Notfalls hilft allerdings auch ein simpler, altmodisch-kräftiger Tritt mit Anlauf in den Arsch!

Vortänzer

Die Dance-Season ist eröffnet und Pro7 will diesmal unbedingt zuerst auf die Tanzfläche! Deshalb startet man noch vor dem Jahresende in München mit MASTERS OF DANCE, wo statt bemühter Humpel-Promis professionelle Top-Tänzer vor einer vierköpfigen Jury sich durch verschiedene Stile und Aufgaben um den Meistertitel batteln. Gewissermaßen THE FEET OF GERMANY mit Fresse halten und Hingucken, wie immer lächelnd an die Wand moderiert von Thore Schölermann plus Rebecca Mir statt Langweiler-Lena als optische Ablenkung.

Trockentänzer

Wer sich für total uninteressante Gerüchte interessiert, hatte vielleicht Spaß an den unspektakulären Spekulationen rund um die ewig gleich bleibende RTL-Hüpf-und-Hoppel-Show LET’S DANCE! Breaking News: die große Veränderung lautet, dass es auch im dutzendsten Jahr keine Veränderungen geben wird. Selbst das fahrige Verplapperhühnchen Victoria Swarovski (als Ersatz für die grinsende Moderationsmaschine Sylvie Meis) bleibt trotz schwerer Stammelstolpereien im Team, und vorher geht es mit Arroganz-Adlatus Llambi und Restjury noch auf Deutschland-Tournee. Darauf einen verstolperten Quickstep mit Arschbombe!

Eistänzer

Klar ist: wenn alle anderen zum Quotentanz bitten, darf SAT1 nicht ganz ohne rhythmische Sportgymnastik bleiben. Um sich aber selbst zumindest auf den ersten Blick vom Rest unterscheiden zu können, verlegt man die grazile Bewegungstherapie hier auf die Eisbahn mit Marlene Lufen: DANCING ON ICE lässt ab Anfang Januar gleitfreudige Pseudo-Promis von Pietro-Ex Sarah Lombardie bis Giftzicke Desiree Nick elegant auf den Pöter plumpsen. Genauso langweilig wie alle anderen Formate, aber das Hinfallen ist lustiger!

2018-12-29T12:19:08+00:00