Weihnachten ist nicht mehr das was es mal war. Alle Leser jenseits der Verwesungsgrenze, die vor dem Jahrtausendwechsel geboren wurden, wissen was ich meine. Früher hatte das Christfest noch unveränderbare Rituale, fest verwurzelt in den Traditionen der jeweiligen Eltern, Großeltern und Vorfahren, stoisch begleitet von der jahrzehntelang unveränderten Abfolge des öffentlich-rechtlich gesalbten TV-Programms – vererbte Langeweile und  vorgelebte Ödnis im Taumel der simulierten Barmherzigkeit. Heiligabend und seine zwei sackfaulen Fress- und Feiertagsgesellen standen stets im Zeichen der Familie, bzw. meist den Teilen der verabscheuten Verwandtschaft, deren störende Existenz man den Rest des Jahres über erfolgreich aus dem Bewusstsein verdrängt hatte. Doch egal wie groß die Abscheu zu den Mitgliedern im Blutlinien-Brutclub auch war, an mindestens einem der heiligen drei X-mas-Days musste man in den übersäuerten Giftapfel beißen und mit den nervigen Kacknasen ein paar gemütlich behauptete Stunden verbringen, meist weil die senilen oder einfach bösartigen Großeltern das wünschten und sonst mit plötzlichem Herztod plus vorheriger Enterbung drohten.

Der 24.12. selbst stand meist unter dem Motto ‚Familien am Rande des Nervenzusammenbruchs’. Die Organisation von prachtvoller Baumschmückung plus Bescherung, verbunden mit dem vorherigen Großkampf-Kochspektakel und nur schwer erträglichem Blockflöten-Musizieren des eigenen Rudels – das überstanden vor allem die Mütter nur selten ohne Schrei- und Heulanfälle, denn auf ihren schmalen Schultern ruhte stets die Anforderung aller, gerade diesen schwierig überfrachteten Tag zu etwas GANZ BESONDEREN zu machen. Eine undankbare Aufgabe, die seit Erfindung des Jesus-Birthdays an sich zum kompletten Scheitern verurteilt ist. Kein Tag im Jahr birgt ein statistisch gesehen höheres Risiko für Tränen, Streit und Verzweiflung, allein durch die überhöhte Erwartungshaltung überdurchschnittlich großer Freude und Harmonie, der kein Mensch in der Geschichte des Homo Sapiens je gerecht werden konnte.

Das Fernsehen mit seinen einst gerade mal zwei amtlichen Vollprogrammen tat sein Übriges, um die volle Dröhnung betulichen Überschmalzung zu vollenden. Am Nachmittag warteten die zwangsweise vor der Glotze geparkten und verzweifelt der Beschenkung entgegenhibbelnden Kinder gemeinsam aufs Christkind, später versauten einem wachsvisagig grinsende Schlager-/Volksmusik- oder Operetten-Knödler bei kunstschnee-verkitschten Krippengesängen den Abend, und in jeder Programmlücke wurde irgendwo georgelt und im Chor gesungen. Tausend Gründe zur Flucht, nur kaum Möglichkeiten sich zu verstecken.

Heute ist das eh alles wurscht. In den Familys mit einem letzten minimalen Hauch von Eltern-Autorität wird vielleicht noch schnell ne Kleinigkeit gemeinsam gegessen, danach wird ein X-mas-Sampler gestreamt und später gehen die Kids irgendwas mit irgendwelchen obskuren Freunden machen, während sich die Eltern angesoffen in die Festtags-Starre netflixen und noch mal kurz einander zulallen, wie wundervoll besinnlich es früher doch alles war. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und so!

Ära-Ende

Fast gleichzeitig mit der angekündigten Parteivorsitz-Aufgabe unserer steinernen Kanzlerin mit den Klebstoff-Schuhsohlen und dem prognostizierten Ende der unsterblich geglaubten Sozialzeigefinger-Dauerseifenoper LINDENSTRASSE erreichte uns die schockierende Nachricht eines weiteren niemals erwarteten Abgangs aus der Medienwelt: Anke Schäferkordt, die stets missmutige Miss Ellie des Mittelmaßes und mehr als 13 Jahre konservativ innovationsbremsender CEO des mächtigen Medienriesen RTL wird zum Jahresende die Sendergruppe verlassen. Das Ende einer Ära, wenn auch nur des erfolgreich vermarkteten Stillstands. Ich prophezeie: kein Zuschauer wird jemals etwas merken!

Winter-Gähns

Kurz vor Weihnachten überrascht uns ProSieben auch noch mit so einer Art groß angelegtem Promi-Sport-Event im Stil der alten Raab-Mega-Shows. Nur halt ohne Raab. Und ohne Promis. Mega-Event ist vielleicht auch eher stark übertrieben. Das debil-fröhliche Doofen-Debakel nennt sich WINTER GAMES, und dort veranstalten irgendwelche irre spontan programmierten taff-Moderationsmaschinen voll crazy Fun-Spiele wie ‚Snow-Kajak’ und ‚Schnee-Schwalbe’, unterstützt von ganz vielen nervenden Hackfressen mit selbst geritztem ‚Promi’-Tattoo auf einer Arschbacke, so wie Jürgen Milski, Antonia aus Tirol und Lucas Cordalis. Mehr Spaß haben Sie höchstens, wenn Sie im Schneesturm ein paar fahren lassen und Ihren Fürzen vorher Namen geben!