616. Evolutionsfaktor Doofheit (TVS 22/18)

Es lässt sich weder leugnen noch schönreden: uns allen geht es viel zu gut und die Erde wird immer voller. Mehr als 7,6 Milliarden Menschen leben derzeit auf unserem Planeten, rein rechnerisch kommen sekündlich 2,6 Nasen hinzu. Selbst wenn wir es oft anders empfinden und es an Ungerechtigkeiten und Katastrophen wahrlich nicht mangelt, so geht es der Weltbevölkerung ganz generell in puncto Gesundheit und Wohlstand mit jedem Jahr besser. Trotz unfairer Umverteilung der errungenen Vorteile ist es eine Tatsache, dass die Menschen immer älter werden und nur wenige Interesse verspüren, freiwillig Platz für die ungebetenen Nachrücker zu machen. Da gleichzeitig die Anzahl globaler Epidemien und Weltkriege deutlich reduziert werden konnte, muss sich das Ökosystem wie immer selbst helfen.

In den ärmeren Regionen der Erde regulieren zum Großteil noch immer die altbekannten Evolutionsfaktoren wie Krankheit, Hunger und Armut die statistischen Populationswerte. In den wirtschaftlich besser gestellten Gebieten wird es schon schwieriger, den zähen Ludern der Wohlstandsgesellschaft die eigene Sterblichkeit schmackhaft zu machen, außer man ist Kassenpatient. Deshalb hat die Natur die Dummheit, den Egoismus und die Ignoranz erfunden. Je blöder man ist, desto unsterblicher fühlt man sich und sorgt dadurch für eine erhöhte Chance auf vorzeitigen Exitus.

Ein schönes Beispiel ist die individuelle Neuzeit-Todesfalle ‚Handy’. Allein die Zahl der jährlichen Opfer durch Unachtsamkeit im Straßenverkehr wegen Gerät am Ohr bzw. konzentriert belangloser Twitter-/sms-oder-Whatsapperei steigt exorbitant, mögliche Strahlungsfolgen nicht mitgerechnet. Dazu kommt der neue tragische Trend des Selfie-Tods durch das ultimative finale Grinsefoto am Klippenrand oder auf der Balkonbrüstung, bei dem Hintergrund und Vordergrund oft schneller und härter als erwartet aufeinander treffen. Alles hochgradig unnötig und durch nichts anderes verursacht als die unheilige Paarung von Dämlichkeit und Egomanie. Im größeren Umfang hilft generelle eselhafte Problem-Verleugnung, wie das sture Abstreiten menschlicher Beteiligung am Klimawandel, Feinstaub-Verschleierung durch kreatives Marketing, gepflegtes Scheißen auf den Umweltschutz um die sensible Wirtschaft zu schonen, etc. Dauert zwar etwas, schnürt aber langfristig genauso zuverlässig den Lebenssack zu. Hilfreich ist dafür die weltweit steigende Intelligenz-Resistenz der Politik sowie als notwendiger Nährboden die allgemeine schleichende Verblödung durch Fernsehen, Internet und Boulevard-Medien. Doof und selbstbewusst sind wunderbare Voraussetzungen für den verfrühten menschlichen Existenz-Ausstieg zur Wahrung der Selektiven Evolutionslehre. Solange wir uns also weiterhin nicht darum kümmern, Schulen attraktiver zu machen, Bildung zu fördern oder zu verhindern dass künstlich aufgespritzte Hohlhirn-Influencer im Ego-Koller mehr Applaus bekommen als blässliche Krebsforscher und so boring schwerverständlich labernde Wissenschaftler, müssen wir uns um die Überbevölkerung keine all zu großen Sorgen machen.

Kapitäns-Suche

Nach der unerwarteten Mützen-Rückgabe von Sascha Hehn steht dem ZDF eine der bedeutendsten und schwierigsten Aufgaben seiner Geschichte bevor: wer soll neuer TRAUMSCHIFF-Kapitän werden? Sogar eine Frau (!) wäre denkbar und es wurde bereits mit Veronica Ferres (!!) spekuliert, vielleicht sogar im Doppelpack mit Leichtmatrose Maschmeyer als trickreich-charmanten Bord-Betrüger. Noch ist nichts entschieden und je nach anvisiertem Publikum alles denkbar, von Mario Barth über Jorge Gonzales oder Daniela Katzenberger  bis Micaela Schäfer. Notfalls geht auch immer ‚Unser Charly’, der war stets beliebt, ist seit Jahren arbeitslos und wäre mit Abstand der beste Schauspieler an Bord.

Ideen-Casting

Supersänger, Topmodels und Talentinhaber hat das deutsche Privatfernseher inzwischen zur Genüge gefunden und gezüchtet, die braucht kein Mensch mehr, man weiß ja gar nicht mehr wohin damit. Was das Land bzw. das TV jetzt sehen will sind Gründer, Erfinder und Ideenhaber. Damit fernab von Löwenhöhlen und anderen Wichtigtuern auch der kleine Geistesblitzer eine Chance hat, bietet RTL jetzt die nachmittägliche Chance bei HOL DIR DIE KOHLE! – 5000 EURO FÜR DEINE IDEE, wo man eben jenes für eben solche gewinnen kann, wenn man in 100 Sekunden das 100-köpfige Publikum zu überzeugen schafft. Interessantes Konzept, aber nicht wirklich neu – und deshalb steige ich aus!

Wort-Weitergabe

Die Jüngeren werden gar nicht wissen was das überhaupt ist, die älteren sich wundern, dass es das immer noch gibt: DAS WORT ZUM SONNTAG. Eine seit Jahrzehnten als unchristliche Pullerpause geschätzte ARD-Samstagabend-Zäsur zwischen den späten Spielfilmen, quasi 5-Minuten-Kirchen-Stand-Up ohne (gewollte) Lacher, aber mit irgendwas zum Nachdenken. Jetzt wurden zwei brandneue Sprecherinnen angekündigt – obwohl man bisher gar nicht wusste, wer da überhaupt immer so redet. War aber wohl eine feste Wortgruppe aka Das A-Z-Team. Okay, freuen wir uns also auf frischen weiblichen Wind im Hintergrund bei der wöchentlichen Blasenerleichterung. Danke und Amen.

2018-10-22T02:55:17+00:00