600. Wie geht es Vera? (TVS 06/18)

600. Wie geht es Vera? (TVS 06/18)

Die Medienwelt macht sich ernsthafte Sorgen um den mentalen Gesundheitszustand der fleischig-fröhlichen Fernseh-Facharbeiterin der vorgetäuschten Freundlichkeit, Vera Int-Veen. In einem Podcast-Interview behauptete sie kürzlich vollkommen ernsthaft, ihre hochgradig menschenverachtende und nur schwer ertragbare Verkupplungs-Show SCHWIEGERTOCHTER GESUCHT sei ‚kein Trash, sondern sehr gut gemachte Fernsehunterhaltung’! Sie machte diese Äußerung in scheinbar nüchternem Zustand, zwinkerte dabei nicht und zeigte kein unterdrücktes Lachen, es folgte nicht einmal eine erklärende ‚War doch nur Spaß!’-Geste. Auch in den Tagen darauf wurde diese absurde These von ihrer Agentur weder berichtigt noch zurück genommen, bis heute ist sie exakt so nachhör- und lesbar. Wie konnte es dazu kommen?
Natürlich möchte niemand dem maliziös-monströsen, mopsig-muttihaften Moderationsmeerschweinchen mit dem manischen Zwang zu affig-albern alliterierenden Alphabets-Aneinanderreihungen eine bewusste und dreiste Lüge unterstellen – bleibt also nur die besorgte Frage, ob hier vielleicht eine Form kurzfristiger Unzurechnungsfähigkeit, einsetzender Demenz oder krankhaften Realitätsverlusts vorliegt. Kein Mensch bei klarem Verstand könnte allen Ernstes eine Behauptung wie diese treffen, ohne sich ihrer hundertprozentigen Unwahrheit bewusst zu sein. Zur Erinnerung: SCHWIEGERTOCHTER GESUCHT ist jenes schamlos schäbige RTL-Vorführ-Format mit Schwefelgeruch direkt aus dem Anus der Hölle, bei dem bedauernswert entwicklungsverzögerte Singles mit beschränkten sozialen Kontakten, die trotz fortgeschrittenen Alters größtenteils noch bei den Eltern wohnen, unter dem boshaft falschen Vorwand der vermeintlich freundlichen Partnersuche einem sich beömmelnden Millionenpublikum zur Befriedigung niederer Triebe zum Auslachen dargeboten werden – meist in unvorteilhafter Kleidung, beim nicht enden wollenden Wurst- und Kuchenverzehr, in ihrer größten Schwäche hervorgehoben und gern zusätzlich mit fiktiven kindlich-naiven Hobbys versehen. Noch deutlich mehr als bei ähnlich blödsinnig-widerwärtigen Verkupplungsformaten wie der familienfreundlichen Farmerfickhilfe BAUER SUCHT FRAU oder dem begattungsbereiten Blumenbumser BACHELOR liegt bei der Schwiegertochter-Suche der Fokus klar erkennbar auf der bewussten Verspottung und Vorführung von Menschen, die in einer humanistisch geprägten Gesellschaft unseren Schutz genießen würden, beim Privatfernsehen allerdings mit herunter gezogenen Hosen als Spottvieh in die Manege der kollektiven Häme getrieben werden. Gäbe es einen Gott, hätte sämtliche Verantwortliche dieser Sendung bereits vor sehr langer Zeit der Blitz beim Scheißen getroffen. Ist jedoch leider nicht geschehen. Vielleicht ist die elektrische Entladung allerdings bloß abgerutscht und traf das Dach des Toilettenhäuschens, von dem aus Vera Int-Veen lediglich ein Ziegel auf die Rübe knallte – was wiederum eine Erklärung für ihre alberne Aussage vom Anfang sein könnte. So schließt sich der Kreis der Scheußlichkeit.

Schwesternhilfe

Ja, schon die Vorstellung allein klingt sehr schlimm: eine RTL2-Daily-Impro-Soap im Krankenhaus mit den dösigsten Dumpfgesichtern aus BERLIN – DINGS & BUMS und Knatterformaten wie LOVE ISLAND. Wird aber wahr, soll SCHWESTERN – VOLLE DOSIS LIEBE heißen und wird testweise erst mal drei Wochen im März auf dem Kanal mit der durchgehenden Brain-Flatline laufen. Aber auch wenn einem bei der Ankündigung übel wird – jetzt bloß nicht krank werden… sonst landet man noch in dem Hornochsen-Horror-Hospital!

Löwenschiss

Es ist soweit: der dubiose Salontiger und zahm chargierende Höhlenlöwe Maschmeyer schleicht mit dem geklauten Formatknochen von VOX rüber zu den Ideen-Mopsern von SAT1, um dort ab Ende März seine ganz eigene Gründer-Show zu veranstalten. START UP! WER WIRD DEUTSCHLANDS BESTER GRÜNDER soll die freche Löwenhöhlen-Kopie heißen, wo am Ende allerdings nach einigen BIG BOSS-artigen Wettbewerben bloß einer von 14 potentiellen neuen Großunternehmern einen Preis erhält und dann mit Maschi gemeinsame Sache machen dürfen muss. Alte Ideen als Copy&Paste-Patchwork, null Kreativität, kein Business-Plan, ein utopisch überbewerteter Gastgeber mit mauem Marktwert – nichts für mich, ich bin deshalb raus.

Wortverlust

Der Trend geht zum Drehbuch ohne Worte. Ist schlanker, wiegt nicht so viel und kostet weniger. Die Handlung einer durchschnittlichen Scripted Reality-Folge passt als krickelige Strichmännchen-Zeichnung auf ein gebrauchtes Papiertaschentuch. Deshalb versucht man das jetzt auch mal mit teilweise richtigen Schauspielern im Hauptabendprogramm bei RTL: TATVERDACHT heißt die Krimiserie, in der echte Fälle pseudo-dokumentarisch mit improvisierten Dialogen nachgespielt werden sollen. Autoren, Handwerk und echtes Können werden doch eh überschätzt!

2018-03-13T17:45:14+00:00
Hier schreibt der Chef.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hier in unserer Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen