592. Die hohe Kunst des Vorentscheids (TVS 24/17)

Eine bittere Erkenntnis: bei den meisten Entscheidungen kann man sich auf das deutsche Volk einfach nicht verlassen! Gerade bei der Bundestagswahl mussten wir es wieder erleben: anstatt einfach wie gelernt brav zu 100% Merkel anzukreuzen, wurde ein wildes Kuddelmuddel zusammengewählt, das im Grunde gar nix werden kann, aber eigentlich irgendwie muss, am Ende aber wie erwartet mit Land in die Hose gehen wird. Keine schöne Situation, aber zum Glück geht es hier ja nur um die Bundesregierung.

Schlimmer sieht es aus bei Entscheidungen, die wirklich wichtig und bedeutsam sind, wie zB der Vorentscheid für den deutschen Beitrag zum EUROVISION SONG CONTEST. Dreimal hintereinander bildeten wir jetzt nämlich schon den Arsch der Liste und ließen unser bescheidenes Licht müde flackernd aus dem Pöter der Teilnehmerliste leuchten. Ehrlich gesagt waren seit dem Verzicht auf die Mithilfe von Stefan Raab die deutschen Beiträge regelmäßig kein simpler Griff ins Klo, sondern vielmehr ein Latrinen-Köpper mit Ansage und Anlauf. Zuerst vermutete man, Gründe für diesen beschämenden Blamagen-Marathon hätten die fehlende Leidenschaft oder die chronisch verkniffene Humorlosigkeit der bürokratisch zwangsemotionalisierten ARD-Verantwortlichen sein können, die sich stets unter strikter Umgehung ehrlichen Bauchgefühls stur nach dem öffentlich-rechtlichen Formel-Handbuch für konsenskonform glattgeschliffene Massenzufriedenheit richteten. War aber nicht so. Vielmehr wurde von den Leitern der Spezial-Abteilung ESC nun klargestellt, dass in allererster Linie das Publikum, welches bislang per Voting in die Auswahl eingebunden wurde, einfach zu blöd dafür ist, einen garantierten Siegertitel herauszufinden.

Deshalb wurde für den nächsten Vorentscheid nun das bisherige Regelwerk durch ein hochkompliziertes neues Auswahlverfahren zur Auswahl der später Auswählenden ersetzt. Als Grundlage dient eine ‚internationale Experten-Jury’ aus ca 25 internationalen Experten (für was auch immer, notfalls sogar aus dem musikalischen Bereich) sowie ein 100-köpfiges ‚Europa-Panel’, deren Teilnehmer über soziale Netzwerke gesucht und einen mehrstufigen Auswahlprozess abschließen müssen (Gesundheits-Check, Zirkeltraining/Triathlon, Steuerprüfung, Pisa-Test, großes Blutbild, Darmspiegelung, Lückentext, musikalisches Führungszeugnis, HotDog-Wettessen, Schlaflabor, Rohrschach-Test). Eine speziell ausgebildete Gruppe von 200 via Tinder und Instagram gecastete Schimpansen werden mit verbundenen Augen die konkurrierenden Probanden mit Affenkot bewerfen, wobei die größte Scheiße wie immer einen Punkt erhält. Diverse übersinnlich begabte Tier-Telepathen werden ihre Prognosen einfließen lassen, zB Fußballkrake Paul (junior), Future-Frog Flimmer-Fred, Wahrsage-Warzenschwein Willi und Kakerlaken-Orakel Krätze-Karl. Dazu kommen wissenschaftliche Hilfsmittel wie Münze werfen, Streichholz ziehen, Schwarzer Peter, Abzählreime und Gebete sämtlicher WORT ZUM SONNTAG – Geistlichen. Stellen Sie also schon mal den Schaumwein kalt, es kann im Grunde nichts mehr schiefgehen. Hauptsache das blöde Publikum hält endlich die Klappe!

Mainz Forever

Es gibt Sendungen, die gab es schon immer und die wird es immer geben, egal wie gruselig verwest sie bereits sind, wie sehr es staubt im Gebälk und wie stark die Würmer aus der Nase quellen. Aber ein ZDF ohne die jährliche Pappnasen-Parade der humortoten Zombie-Jecken von MAINZ BLEIBT MAINZ ist einfach nicht denkbar. Bis 2024 wurde der Vertrag jetzt verlängert und wir können sicher sein, auch für die nächsten 6 Jahre zumindest einen sicheren TV-freien Abend mit Abschaltgarantie spendiert zu bekommen! Narrhalla-Marsch!

Copy & Paste

Ganz neue Idee für ein Show-Format: zwei Promis reisen um die Welt und müssen an verschiedenen Orten diverse verrückte Challenges bestehen. Okay, klingt ein bisschen wie das DUELL UM DIE WELT mit JOKO & KLAAS, aber zu höchstens 98%. Zumindest die zwei Probanden wurden ausgewechselt, nämlich gegen Jan Köppen und Frank Buschmann. Und sogar der Sender wurde getauscht, denn BUSCHI VS KÖPPEN läuft gar nicht auf Pro7, sondern auf RTL! Gewissermaßen volle Innovations-Power, mehr eigene Ideen darf man heutzutage ja nun wirklich auch nicht erwarten!

Spiegelpromis

RTL stellt eine wichtige Frage, deren Antwort man bisher gar nicht wissen wollte: Wie sehen sich Prominente eigentlich selber? Bzw. deckt sich das imaginäre Selbstbildnis mit dem des Publikums – oder findet das einen im Grunde gar nicht so toll? Oder vielleicht sogar noch viel toller? Ehrlich gesagt scheißegal, trotzdem wird man es nun bei STARS IM SPIEGEL versuchen herauszufinden, indem Sonja Zietlow und Lutz van der Horst das Publikum gewisse Prominente oder solche die sich dafür halten, bewerten lassen und dann mit deren Selbsteinschätzung vergleichen. Meine Einschätzung: das wird langweilig!

2017-11-21T00:16:26+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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