581. Mach es gut – werde Rekrut! (TVS 13/17)

Unsere Bundeswehr hat große Probleme: Waffen, die nur bei gutem Wetter in Friedens-Situationen funktionieren. Veraltete Hubschrauber, die den Pi-loten während des Flugs unter dem Hintern wegrosten. Militärdienstleis-tende, die versuchen ihre Kasernen mit illegalen Wehrmachts-Devotionalien, Führer-Fotos und Hakenkreuz-Schnitzereien gemütlicher zu machen, obwohl das in Wirklichkeit gar nicht gemütlich ist. Und (wie ge-sagt) sogar rechtlich gesehen a bisserl grenzwertig, wenn man pingelig sein möchte. Ein offensichtlich deutscher Soldat hatte sich letztens sogar auf seinem Stützpunkt als syrischer Flüchtling ausgegeben, um dort einen vor-getäuscht islamistischen Terrorakt zu planen. Unverhohlener Rechtsextre-mismus, schwere sexuelle Belästigungen, Erniedrigungen und psychischer Missbrauch von Untergebenen – alles weder Einzelfälle noch wirklich neue Phänomene, welche die bereits überlange Negativliste allerdings stolzen Schrittes weiter Richtung Unendlichkeit marschieren lassen.
Erschreckend – doch wer trägt eigentlich die Schuld an diesem plötz-lich so überquellenden Sammelsurium der Unglaublichkeiten? Leichter ge-fragt als beantwortet. Über dem gesamten schillernden Kaleidoskop der Un-fähigkeiten thront auf der Spitze des Chaoten-Haufens die lebende Haar-spray-Sturmhaube und gestrenge Kompanie-Mutter Ursula von der Leyen, die allerdings durch einen strategisch sauberen General-Anschiss an alle anderen den eigenen Namen vorerst aus der Schusslinie zu rücken ver-mochte. Cleveres Krisen-Management aus dem VW-Lehrbuch, was zumin-dest bereits dazu führte, dass die Kanzlerin ihr das volle Vertrauen aus-sprach. Was übersetzt in den Militärjargon jedoch leider so viel heißt wie: ‚Ein geladener Revolver liegt in der Schublade. Wir warten draußen.’
Quo vadis also, Bundeswehr? Erschwert wird die Krise ja zusätzlich auch noch dadurch, dass nicht nur die Qualität und Qualifikation der Bun-deswehrlinge abnimmt, sondern auch noch ihre reine Anzahl. Früher zu Zeiten der Wehrpflicht war das ja kein Problem, da kriegte einfach jeder volljährige Volltrottel-Anwärter männlichen Geschlechts einen zünftigen Zwangs-Arschtritt mit dem dicken Regierungsstiefel in die Kimme und flog in hohem Bogen bis zur Pforte der nächsten überfüllten Kaserne. So er denn nicht in einem interrogativen Folter-Verhör einer kleinen Gruppe emotionsloser Hochleistungs-Skeptiker mühsam seinen krankhaften ange-borenen Pazifismus glaubhaft machen konnte.
Die letzte Rettung für die BW liegt nun überraschenderweise in einem Projekt, mit dessen Erfolg wohl wirklich niemand zu rechnen gewagt hatte: DIE REKRUTEN! Diese unterhaltsame kleine Reality-Soap-Reihe realis-tisch anmutender Videotagebücher von den verschiedenen Ausbildungs-Stufen auf dem Weg zum Generalfeldmarschall war weit weniger peinlich als befürchtet und mauserte sich im Internet zu einem veritablen Überra-schungserfolg. Und da es ja nun schon mal da ist und nichts extra kostet, hat RTL2 sich schnell die Rechte für die TV-Auswertung dieser dumm-dreisten Dauerwerbesendungs-Reihe unter den Nagel gerissen. Sehr pas-send, werden es die meisten Stammzuschauer ohne Ton doch meist für eine neue Folge von X-DIARIES, BERLIN – TAG & NACHT oder THE WALKING DEAD halten. Und wenn Duckface-Drohne Bibi H, die Helene Fischer von YouTube, den Titelsong zur Serie singen würde (That’s just how it is – wap bap badadida Peng Peng), dann hätte auch der Rest der Welt endlich wieder die nötige Mischung aus Furcht und Respekt vor unse-rem Militär. Wie in der guten alten Zeit.

Senioren-Verkupplung

Was wäre das Fernsehen bloß ohne seine vielen Verkupplungs-Shows, in denen auf amüsant-anrüchige Art liegengebliebene Singles zur Freude des bräsig-hämischen Publikums zur theoretischen Zwangsverpaarung getrieben werden. Da allerdings fast alle alleinstehenden Bürger bereits vor die Knatter-Kameras gezogen wurden, freuen sich die Sender immer wieder ein Loch in den Kopp, wenn sie eine noch unverbrauchte Opfer-Gruppe zum liebevoll-seelenlosen Vorführen entdecken. SAT1 trumpft nun auf mit der deutschen Version der belgischen Rentner-Dating-Show HOTEL RÖMANTIEK, in der Ü60-Single-Senioren noch mal eine Chance für die Liebe bekommen sollen. Natürlich mit Niveau, charmant und respektvoll – dafür steht SAT1 mit seinem guten Namen. Ach so, haben sie ja gar nicht mehr… dann halt furchtbar wie immer!

Eier-Beichtstuhl

In Spanien gibt es ein neues Format namens OVO, bei dem eine Art eiförmiger Beichtstuhl mit Kamera in die Füßgängerzone gestellt wird, in dem dann Passanten ihre Meinung loswerden, ihre Sorgen artikulieren oder private Geheimnisse ausplaudern dürfen. Das soll nun bald ebenso in Deutschland geschehen, denn auch hier gibt es mit Sicherheit viele Leute, die gern ungefragt dummes Zeug labern und kostenfrei ein paar Stunden Sendezeit voll quatschen. Noch hat kein Sender zugeschlagen, aber wenn es so billig wird wie es klingt, werden wir es demnächst wahrscheinlich auf allen Kanälen sehen.

Augen-Duell

Feelings-Fernsehen ohne viel Labern: zwei Leute, die sich mal irgendwie nahe standen und bei denen es dann aber mal irgendwann richtig gerummst hat, erzählen im Fernsehen ihre Geschichte, setzen sich dann einander gegenüber und glotzen sich zehn Minuten nonstop in die Klüsen ohne was zu sagen. Das läuft dann in Slow-Motion im Vorabendprogramm von SAT1 und heißt DER AUGENBLICK – VERZEIHEN OHNE WORTE. Bis einer weint. Aber das tut wahrscheinlich nur der Zuschauer. Aus Verzweiflung. Und darf dafür dann zehn Minuten lang schweigend den SAT1-Hüpfball böse anschauen.

2017-06-17T01:05:20+00:00

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Hier schreibt der Chef.

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