564. Go, Geissen, Go! (TVS 22/16)

564. Go, Geissen, Go! (TVS 22/16)

Seit dem Jahr 2011 kennen die deutschen Privatfernseh-Nutzer, Gelegenheits-Glotzer und Boulevardblatt-Durchblätterer ungewollt zwei vormals rechtmäßig unbekannte Gestalten namens Carmen und Roooobert Geiss aka DIE GEISSENS. Und wegen ihres aufgezwungenen medialen Dauerdaseins in ihrer eigenen Doku-Soap über Smiling-Sofa-Sitting beim damals gerade im Sterben liegenden WETTEN DASS bis hin zu unzähligen Werbespots für so allerlei dubiosen Kokolores glauben viel zu viele Menschen leider ebenfalls, dieses sehr reich behauptete und pornös protzende Präsenz-Pestilenz-Pärchen wäre so was wie ganz dolle berühmt und prominent. Denn wie wir alle aus dem Medienbetrieb der letzten Jahre gelernt haben, haben Berühmtheit oder Prominenz längst nichts mehr mit Attributen wie Können, Talent oder Bedeutung zu tun, sondern lediglich mit maßlos übertriebener Präsenz, schamloser Eigenvermarktung und freiwilligem Verzicht auf persönliche Würde und Privatleben. Diese Untugenden verbunden mit offensiv plakativem Protztum, volksnah erscheinendem Bildungsmangel und ansatzweise selbstironischer Dusseligkeit bescherten dem debil dauergrinsenden Großgebissträger und seiner knarzkrächzenden Ehebeilage einen nur schwer nachvollziehbaren Superstar-Status. Wahrscheinlich weil sich ein Großteil der weniger betuchten Deutschen genau so einen Selfmade-Millionär vorstellt: nicht talentiert, aber clever – bisschen doof, aber nicht komplett blöd – nicht wirklich sympathisch, aber für einen netten Abend reicht es. Von nix ne Ahnung, aber immer ne dicke Hose. Und später ohne Anstrengung sich selbst und ollen Krimskrams mit eigenem Namen drauf ganz teuer verscherbeln. Der Traum des geistig Kleingebliebenen: Reich sein ohne Anstrengung und es sehr laut lachend der ganzen Welt zeigen!
Nun allerdings sorgte das stets so charmant inszenierte Höchststapler-Duo vor kurzem in der generell jedem Scharlatan sonst so gewogenen Boulevard-Berichterstattung für einigen Schock und Missmut. Einerseits durch diverse eher weniger schöne Geschichten (Klagen von Ex-Mitarbeitern, unangenehmes Geschäftsgebahren, etc.), andererseits aber vor allem mit der Androhung, das immer frecher bzw. kritischer werdende Publikum bald mit der schmerzhaften Entziehung der eigenen Medienpräsenz zu bestrafen. ‚Uns wird das alles zuviel!’ soll Carmen G. verzweifelt in Interviews geklagt haben, ebenso wie ‚Warum tun wir uns das überhaupt an?’ Eine richtige Aussage und eine gute Frage, obwohl es korrekterweise heißen müsste: ‚Den Zuschauern ist das alles schon lange zuviel!’ und ‚Warum tun sie uns das überhaupt immer noch an?’ Denn ehrlich gesagt: es hat sie ja im Grunde gar keiner darum gebeten! Auch wenn es anfangs schwer erscheinen würde, wage ich die Prophezeiung: die Welt wird auch ohne die wohltuend wohlhabenden und um sich selbst drehenden Geiss-Planeten recht gut existieren können – wir haben auch ohne sie keinen Mangel an bedeutungslosem Wahnsinn. Und notfalls müssen wir nur den ekligen Yotta und seine temporäre Porno-Trulla rufen, die verbrennen für etwas Ruhm noch mehr Millionen. Tschüssikowski!

Fantastische Farbwelten

Eine mehr als nur fantastische Nachricht, auf die alle treuen Fans und Zuschauer schon sooo lange sehnsüchtig gewartet haben: der SAT1-Logo-Ball wird wieder bunter! Endlich! Fist-in-the-Sky! Bislang farbig und von Weiß mit Ritzen umhüllt, wird er nun wieder außen colorierter mit Dunkel-White aus der Kimme glimmend! Wow! Wir alle spüren schon jetzt die Quoten in der Hose steigend – no question, die vielen Tausend Euro für das Re-Design haben sich bereits jetzt mehr als gelohnt! Wie gut dass die Kohle nicht für das pissige Programm, die austauschbaren On-Air-Arschgesichter oder langweilige Inhalte ausgegeben wurde, sondern für das wirklich Wesentliche! Denn wer erinnert sich schon heute noch an Harald Schmidt oder sonstige Quoten-irrelevante Nullnummern? Die Farben des furzigen Hüpfballs hingegen leben ewig auf unserer Netzhaut!

Vernebelte Spendengelder

Als hätten wir es nicht längst geahnt: das plakativ präsentierte karitative Herz der TV-Sender lassen sich diese von den Spenden-sammelnden Organisationen in der Regel recht gut bezahlen. So müssen zB die präsentierten gemeinnützigen Organisationen mehrere hunderttausend Euro für die großherzig erscheinenden Carmen Nebel-ZDF-Spenden-Galas auf den Tisch legen, damit auch pompös genug für den guten Zweck getrommelt werden kann. Laut ZDF nur im Sinne des Zuschauers zur Vermeidung verschwendeter Gebührengelder. Wobei das Publikum ja gar nicht darum gebeten hat, dass die alte Nebelkrähe falsch süßlich grinsend ihre Gage einsackt und für Bedürftige bettelt. Könnten wir nicht einfach so spenden? Oder das ZDF an unserer Stelle? Oder ist eklig verlogene Scheinheiligkeit nun mal einfach so teuer?

Tanzende Trottel

Talente im TV suchen ist immer ganz dufte irgendwie, genau so wie Prominente Sachen machen zu lassen, die sie gar nicht können. Beispielsweise Tanzen. Ganz suidupitoll ist es, wenn man beides verbinden kann, so wie jetzt im BUNDESTANZCONTEST aka DEUTSCHLAND TANZT auf Pro7. Pseudo-Promis tanzen und blamieren sich für ihr Bundesland. Sogar ich wurde in der Verzweiflung der Produzenten angefragt, für Niedersachsen zu performen. Leider habe ich ein Attest. Außerdem möchte meine Gegner nicht beschämen.

2017-02-10T01:40:00+00:00
Hier schreibt der Chef.

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