559. Feinde sind die besten Freunde (TVS 17/16)

Jeder redet immer nur über die große Bedeutung von wahren Freunden, dabei sind echte Feinde mindestens genauso wichtig, wenn man Spaß haben will. Nehmen wir nur mal als Beispiel den medial derzeit omnipräsenten bosporospotischen Präsidenten, dessen Namen man nicht nennen darf – jedenfalls nicht ohne Lob, Ehrfurcht und Bewunderung, wenn man nicht verklagt oder verhaftet werden möchte. Durch einen dümmlich vergeigten Putsch-Versuch bekam er nun die Gelegenheit zum generellen Großreinemachen im Lager der Gegner – und es scheint, als hätte er gerade the Time of his Life. Einmal alle, aber wirklich alle einfach verhaften lassen, die einem schon immer irgendwie auf den Senkel gingen, zu gehen schienen oder irgendwann hätten gehen können. Sämtliche Richter, die die Rechtmäßigkeit dieser Aktion anzweifeln könnten, prophylaktisch erst mal mit ins Loch und den potentiell staatsfeindlichen Meckermedien mutig den Saft abgedreht, natürlich alles nur zur Rettung der theoretischen Demokratie. Am besten gleich noch mit neuer rechtsstaatlicher Rübe-ab-Regelung im Gesetzes-Upgrade, um spätere Diskussionen und lästige Revisionsverfahren zu vermeiden. Herrlich wie sich das anfühlt, pure Macht in Dosen, wirkt besser als Wodka-Viagra mit Stierhodenpulver und gibt ordentlich Tinte auf den Füller! Whoof Whoof!

Nur was kommt danach? Wer denkt an die trostlose Zeit, wenn alle Feinde vernichtet sind und das ganze Land brav und folgsam vor sich hin schlurft? Wenn Trübsal und Langeweile die einzig Inhaftierten sind in all den vielen neu gebauten Zellen? Wen soll man dann jagen und verklagen? Ärzte bestätigen: Despoten-Depressionen und Berserker-Burnout darf man keineswegs unterschätzen! Eine vernünftige Anzahl Feinde ist wichtig für den Seelenfrieden. Gerade wenn man Minderwertigkeitskomplexe hat oder sich chronisch schlecht behandelt fühlt. Wie schön ist es da, wenn man jemand die Schuld für alles geben und dementsprechend wütend auf dieses dumme Arschloch sein kann. Politiker, Bonzen, Flüchtlinge – wird alles gern als allgemein gültige, anonyme Größe genommen, aber erst ein realer Gegner mit Gesicht und Namen ist die Sahnehaube auf dem Wuthaufen. Kenne ich ja selbst aus meiner Arbeit als TV-Kritiker. Wie wünsche ich mir die Zeiten zurück, als es noch schräg-verrückte Charakterköppe gab, so wie den maliziösen Moik, den hektischen Heck, die resolute Reiber und den schmierlappigen Lindner-Patrick. Das waren noch echte Sparrings-Partner, über die man sich aufregen und amüsieren und dadurch auch kritisieren und parodieren konnte. Heute lassen sich die meisten geklonten Moderations-Roboter nicht mal mehr auseinander halten: dunkle Haare, angedeuteter Vollbart, Sakko zum lässig labberigen T-Shirt, Turnschuhe, dämlich grinsende Ohrfeigenvisage – fertig! Ganz zu schweigen von den tausenden namenlosen Scripted Reality – Opfern, die stümperhaft so tun müssen, als wären sie ein furchtbar fehlbesetzter Laiendarsteller-Ersatz. Bei so viel fehlender Angriffsfläche macht doch das ganze schöne Ärgern keinen Spaß mehr, sondern bleibt einfach nur ärgerlich. Echte Feinde sind nun mal Gold wert!

Einsame Liebeswirte

Wer nichts wird, wird Wirt! Sagt zumindest ein altes Sprichwort. Wer nun aber Wirt wird und vor lauter wilder Wirterei selbst Jahre später immer noch ganz allein den eigenen Zapfhahn bedient, dem bietet RTL2 jetzt die Chance auf das persönliche Glück in WIRT SUCH LIEBE. Dort, Sie ahnen es vielleicht bereits durch den subtil augenzwinkernden Hinweis im Titel, sollen allein gebliebene Single-Wirte endlich die große Liebe finden. Das wird natürlich ganz aufregend, voll emotional und super unterhaltsam – denn dafür wurde das Fernsehen schließlich erfunden. Und es wird nicht aufhören zu senden, bevor nicht jeder selbst noch so blöde Zuschauer endlich seinen Traumpartner gefunden hat. Ein wenig Dankbarkeit in Form guter Quoten wäre da von uns wohl angebracht.

Verirrte Richter

Nach dem Versuch der Linken mit Tatort-Kommissar Peter Sodann und der dubios geheimen Selbst-Kandidatur von Walter Freiwald versucht nun eine weitere TV-Persönlichkeit, sich zum Bundespräsidenten krönen zu lassen: Ex-SAT1 – RICHTER ALEXANDER HOLD. Okay, warum eigentlich nicht? BARBARA SALESCH könnte in dem Zuge auch gleich Merkel ersetzen, INGO LENSSEN wird Vizekanzler, die TROVATOS übernehmen das Außen-/Innen-Ministerium, PETER ZWEGAT die Finanzen und der restliche Bundestag würde dargestellt von den Darsteller-Darstellern aus BERLIN – TAG & NACHT. Schlimmer als jetzt könnte es kaum werden – höchstens authentischer. Und man hätte zwischen den Krisen entspannende Werbepausen.

Sportliche Bauern

Na gut, als Abschluss zum Einschlafen noch eine letzte langweilige Idee aus dem kreativen Wachkoma-Stübchen der immer währenden TV-Recycling-Mikrowelle: die große BAUERNOLYMPIADE mit Inka Bause! Ja, auch hier ahnen Sie bereits alles richtig: die bereits restlos abgenutzten liebeshungrigen Landwirte aus BAUER SUCHT FRAU werden noch mal lau aufgewärmt und müssen alberne Sport-Wettkämpfe von Strohballen-Stapeln bis Stall-Ausmisten gegen andere Prominenz-Behaupter aus der RTL-Portokasse absolvieren. Auf das traditionelle ‚Kühe umschubsen’ wird man aus Rücksicht auf die Gesundheit der Moderatorin wohl allerdings verzichten müssen.

2017-02-10T01:40:00+00:00

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