557. Nur mal kurz austreten (TVS 15/16)

557. Nur mal kurz austreten (TVS 15/16)

Betrachtet man die Medien der letzten Wochen, so erkennt man drei Kernthemen, die derzeit die Weltpolitik beherrschen: Austritte, Volksabstimmungen und Unzufriedene Bürger. Letztere gibt es scheinbar immer mehr und überall. Fast alle sind mehr und mehr unzufrieden, können aber leider nur schwer kommunizieren, womit denn eigentlich konkret. Das wird auch dadurch erschwert, dass von Seiten Politik, Banken und Großkonzernen immer wieder darauf hingewiesen wird, dass ja im Grunde alles ganz dufte ist und es gar keinen Grund gibt sich aufzuregen, außer man ist ein durchgeknallter Verschwörungstheoretiker. So genannt zu werden bringt alle amtlich durchgeknallten Verschwörungstheoretiker natürlich auf die Palme und zum lautstarken Protest, dem sich ein Großteil der einfach nur Besorgt Verstörten und Verärgerten gern wütend und mit voller Stimme anschließt. Einfach nur, weil sie das Gefühl haben, endlich überhaupt mal gehört zu werden, wenn sie mit vielen sich gleichsam hilflos Fühlenden zusammen ihren Zorn verkünden, während sich die Vertreter der angesprochenen Instanzen gütig lächelnd bis dumm grinsend die Ohren zuhalten. Alles soweit verständlich und in einer Demokratie absolut in Ordnung.

Die Natur des Menschen und dessen Fähigkeit, in einer sich heimisch anfühlenden Herde die individuelle Intelligenz schnell und gern dem Massenverstand unterzuordnen (welcher sich wiederum meist eher durch Vehemenz und Lautstärke definiert denn durch Intelligenz und Weisheit), führt dazu, sich schnell möglichst einfache vermeintliche Lösungen für komplexe Probleme zu schaffen. Dabei hilft es vor allem, jemand zu finden, der pauschal an allem die Schuld hat und an dem man die rechtmäßige Wut auslassen kann. In besonderen Fällen kommt es auch zu demokratischen Volksabstimmungen. Dumm allerdings, wenn dort viele bis zu viele vorschnell ihre emotionalen Protestkreuze setzen, die sie im Falle eines wirklichen Sieges später dann bereuen, da sie ja im Grunde nur als Scherz oder versteckter Schrei nach Liebe gemeint waren. So jedenfalls scheint es den Briten beim gerade erfolgten ‚Brexit‘ aus der EU gegangen zu sein, die sich nun darüber ärgern, dass man keine Volksabstimmung darüber machen kann, ob die Wähler ihr Voting in der letzten Volksabstimmung eigentlich wirklich ernst gemeint haben.

Da in Zeiten großer Verstörung grobschlächtige Populisten mit absurden Forderungen immer besondere Chancen auf Erfolg haben und ich  (trotz fehlender pissegelber Meerschweinchen-Frisur) nicht unzeitgemäß erscheinen will, möchte ich an dieser Stelle ein passendes Abstimmungs-Thema vorschlagen, über das wir vehement und emotional diskutieren sollten: den Austritt aus der GEZ (#gezexit)! Lasst uns endlich den aufgezwungenen ‚Beitragsservice‘ abschütteln und frei entscheiden, wem wir für welche Programme Geld bezahlen! Schluss mit dieser scheinheiligen Kreuzung aus Medien-EU und Gebühren-Mafia – ich fordere ein Referendum zur medialen Selbstbestimmung! Damit auch bei uns endlich mal wieder ein bisschen Stimmung im Lande ist! Auf geht’s!

Großes Fernsehen

Freuen Sie sich auch schon so auf die großartige neue Sendung von Frank Otto und Natalie Volk? Wie, Sie kennen die gar nicht? Doch, haben Sie vielleicht schon mal beim Friseur in den Boulevardblättern gesehen oder ein Fisch war drin eingewickelt – er so ein bärtiger Smiley-Millionär, sie so ein berechnend lächelnder GNTM-Kühlschrank mit Dschungelcamp-Erfahrung. Diese beiden jedenfalls planen jetzt ein supertolles TV-Format, am liebsten für RTL, in denen sie Promis und Politiker treffen und mal ganz toll mit denen reden und so, zB als erstes mit Fürst Albert von Monaco. Bisher wissen zwar weder RTL noch der Fürst etwas davon und wirklich sehen möchte die zwei Glamour-Gurken auch niemand, aber Hut ab für die kreative Eigeninitiative! Wird sicher supi!

Ohne Worte

Die ARD wird immer mutiger: jetzt plant sie sogar eine Folge TATORT namens BABBELDASCH, die komplett ohne ausformuliertes Drehbuch auskommen soll! Viele werden jetzt verwundert fragen: Was, der TATORT hatte bisher ein Drehbuch? Und wenn ja: wen kann man dafür verantwortlich machen? Spaß beiseite – was hier als wagemutiges Experiment mit Darstellern des Ludwigshafener Amateurtheaters angekündigt wird, birgt auch große Gefahren: sollte die Quote stimmen, könnte der TATORT demnächst theoretisch aus Kostengründen zur ersten öffentlich-rechtlichen Scripted Reality in der Primetime werden. Dann braucht man bloß alte Folgen VERDACHTSFÄLLE oder der TROVATOS etwas umscripten und mit den Darstellern von BERLIN – TAG UND NACHT als neuen Kommissaren noch mal drehen. Win-Win!

Alle Neune

Sehr schwierige Frage: Welche Sportart wurde eigentlich noch nicht als großer Promi-TV-Event verwurstet? Ich weiß, da fällt einem kaum etwas ein, aber RTL2 hat doch noch was gefunden: Kegeln! Okay, die meisten kennen das nur als Bewegungs-Alibi zum Marathon-Saufen, aber es hat ja doch auch eine leicht sportliche Note, ist relativ verletzungsfrei und auch nicht so aufregend, daher für nicht allzu anspruchsvolle Zuschauer durchaus als viereinhalb-Stunden-Event inszenierbar. Richtige Promis sucht man vergebens, aber dafür hat man eine hauseigene Nulpenparade mit den Geissens, dem Trödeltrupp-Team und anderen Bekanntheits-Resten aufgestellt. Ich sag mal: schöner Versuch, leider ’ne Pumpe!

2017-02-10T01:40:01+00:00
Hier schreibt der Chef.

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