556. Momentaufnahme für die Ewigkeit (TVS 14/16)

/, Kalkofes letzte Worte 2016, 3. Quartal/556. Momentaufnahme für die Ewigkeit (TVS 14/16)

556. Momentaufnahme für die Ewigkeit (TVS 14/16)

Die Vor- und Nachteile der inzwischen fast lückenlosen Kamera-Überwachung unserer Gesellschaft aus Sicherheitsgründen ist ein durchaus strittiges Thema, das uns noch viele Jahre beschäftigen wird. In manchen Momenten jedoch bleibt selbst den erbittertsten Gegnern des Global Monitoring keine andere Wahl, als dessen eindeutigen Nutzen anzuerkennen. Beispielsweise, wenn durch bestimmte Aufnahmen ein gesuchter Schwerverbrecher gefasst oder ein furchtbarer Terroranschlag vereitelt werden kann. Oder man zehn Sekunden brisanten Videomaterials erhält, in denen sich Jogi Löw am Gemächt kratzt und danach an der Kraulepfote schnüffelt.

Bevor wir über die weiteren weltweiten Konsequenzen des viralen Genital-Phänomens sprechen, schauen wir zuerst noch einmal zurück auf den mutmaßlichen Tathergang: Im EM-Vorrunden-Spiel Deutschland gegen Habichvergessen begab es sich, dass das geschmeidige Nivea-Model und TUI-Testimonial Jogi Löw einen Moment der Muße auf dem Weg zur Sitzbank nutzte, um mit einem beherzten Griff in die eigene Hose einen kurzen Hoden-Check durchzuführen. Im Grunde nichts Besonderes, die regelmäßige Genital-Inventur zur Klöten-Kontrolle gehört beim gesunden Mann seit der Urzeit zu einem genetisch angeborenen Ritual. Zick-Zack, Hand zum Sack und schnell durchgezählt: ‚Eins, zwei, drei, vier… oops, ein Marder!’ – wie oft konnten durch rechtzeitiges Erkennen der Gefahr größere Katastrophen verhindert werden! Der manuelle Schlübber-Spaziergang des Schwarzwälder Hobby-Trainers Jogi L. wäre somit auch kaum eine Meldung in der internationalen Presse wert gewesen, hätte er danach die Greifhand nicht noch zum olfaktorischen Finalcheck der Nase zugeführt, was in einigen Kulturen als blasphemische Beleidigung der Fruchtbarkeits-Götter gewertet wird. Andere finden es einfach nur ekelig. Der Fairness halber müssen wir allerdings zugestehen, dass wir die wahren Gründe für den Schnupper-Abschluss nicht kennen – vielleicht wollte er nur wissen ob das frisch angebundene Schniedel-Duftbäumchen von Nivea auch den versprochenen Dienst verrichtet.

Halten wir uns also lieber mit spöttischen Spekulationen zur Löw’schen Scratch & Sniff – Akion zurück. Fakt ist allerdings, dass kaum ein Ereignis der diesjährigen Europameisterschaft die Medien derart zu beeindrucken wusste wie dieses. Der finale Kampf um den Titel, Boatengs Back-Drop-Hero-Goal-Rescue, Schweinsteigers Tor-Joker-Comeback, okay – alles ganz nett, aber vergänglich. Dieser Moment der verträumten Intimität – vor Millionen möglicher Zuschauer, entfernt und doch so nah, ganz allein mit sich inmitten von Hektik, Adrenalin und Testosteron – ja, dieser Moment des bezaubernd Banalen wird bleiben. Für immer. Denn das Internet vergisst nicht. Und das Fernsehen wird sich aus Faulheit auf ewig dieser Bilder bedienen, so wie unseriöse Möchtegern-Komiker nei endend dumm darüber spotten werden. Dabei ist es für einen jeden Mann das Normalste der Welt. Und möge den der Blitz beim Kraulen treffen, der etwas anderes behauptet!

Ausgeprotzt

DIE YOTTAS: Er ist aus irgendeinem Grund angeblich sehr reich und hat nen gebuildeten Body, seine Frau die dazugehörigen Geldspeicher-Riesenmöpse. Anstatt sich still und leise darüber zu freuen, prollt man es hauptberuflich in die Welt als wäre Angeberei ein Ausbildungsberuf. Solch aufgeblasene Nichtigkeit fasziniert mediale Hohlraumvergolder wie Pro7 und so wird man dort grundlos zu einer Art Vorabend-Berühmtheit. Das verführt zu weiterem Größenwahn in Form einer eigenen Protz-Boulevard-Doku-Soap, die natürlich floppt, weil einen ja eigentlich schon von Anfang an gar keiner sehen wollte. Dann geben sich Sender und Arschgeigen-Akteure gegenseitig die Schuld für das Desaster und gehen wütend auseinander. Privatfernsehen nach dem Lehrbuch.

Ausgeschossen

Fußballwetten sind immer schwierig, aber auf ein Ergebnis kann man risikolos sein gesamtes Vermögen setzen: Egal was ARD oder ZDF zur WM oder EM als locker-humoristische Ausklang-Show nach dem PrimeTime–Spiel planen – es wird definitiv ein Desaster! Eine verstandseinschmelzende Fremdscham-Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes wie BECKMANNS SPORTSCHULE im Ersten hatte allerdings niemand erwartet. Alt-Männer-Fußball-Anekdoten-und-Feelings-Gefasel aus einer imaginären Umkleidekabine, umrahmt von körperlich schmerzenden Sketch-Versuchen und absurden Selbstverliebtheits-Cameos unerwünschter Pseudo-Promis, denen von der Redaktion die unterhaltungsarme Absurdität ihres Auftritts als Kult erklärt wurde. Um den Grad des Grauens in all seine Geisteskrankheit verstehen zu können, müsste man es gesehen haben – aber genau das sollte man unbedingt vermeiden!

Ausgezogen

Kaum jemand interessiert sich noch für klobig konstruierte Dating-Shows mit rammelwilligen Vollidioten, die sich trotz ihrer Unausstehlichkeit selbst für cool halten. Daher versuchte es RTL mit einem besonders pfiffigen Kniff: liebeshungrig unsympathische Arschpfeifen mit ohne Sachen an! Zwei Staffeln ADAM & EVA sind rum, mit mäßigem Erfolg. Damit sich das Aufschütten des Nacktbadestrands rentiert, geht man dennoch in Runde drei, diesmal mit so genannten ‚Promis’. Erster Kandidat: Ex-Promi-Big-Brother-Pimmelschwinger Roland Schill aka Riemen-Richter Gnadenlos. Noch unwichtigere sollen folgen.

2017-02-10T01:40:01+00:00
Hier schreibt der Chef.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hier in unserer Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen