515. Aufruf zum Streik! (TVS 25/14)

Der erste bundesweit ausgerufene Zuschauerstreik stößt bei den Sendern und Redaktionen des Landes auf Ärger und Unverständnis. Die kürzlich gegründete Publikumsgewerkschaft GEZZ (Gewerkschaft Enttäuschter Zahlender Zuschauer) hatte seine knapp 70 Millionen Mitglieder dazu aufgefordert, am zweiten Dezember-Wochenende dieses Jahres in einen befristeten Warnstreik zu treten und von Donnerstag, 11.12., 2 Uhr bis Montag, den 15.12. um 4 Uhr die Fernbedienungen niederzulegen. Die Programmgeber sollen durch diesen Schritt zu längst überfälligen Verhandlungen mit den Programmnehmern gezwungen werden, die sich schon seit vielen Jahren über die teilweise unerträglichen Zustände auf den deutschen Bildschirmen beschweren. Gefordert werden unter anderem verbesserte Sendezeiten, zusätzliche Kika-Plätze für Alleinerziehende, ein gesetzlich geregeltes Mindestmaß an Intelligenz sowie dringend notwendige Überdummungsbegrenzungen für nationale Produktionen. Zusätzlich durchgesetzt werden soll ein sofortiger Stopp der zynischen Zuschauerdiskriminierung durch menschenunwürdige und vorsätzlich verblödende Fließbandformate, meist verbunden mit der so dreisten wie unbewiesenen Behauptung, das Publikum würde das ja so wollen.
Das Datum der geplanten Rezeptionsverweigerung erweist sich jedoch als zunehmend heikel und provokativ, denn für Samstag, den 13.12. sind bereits seit Monaten die großen Feierlichkeiten zum Ende von WETTEN DASS… terminiert. Das ZDF und die Bundesregierung appellieren nun an die GEZZ, den Streik auf einen späteren Termin zu verlegen, damit ‚die Zuschauer in Ost und West diese historische letzte Sendung gemeinsam auf der Fernsehcouch genießen können’. Gewerkschaftsführer Kalkofsky zeigt sich bislang von dieser Bitte unbeeindruckt, auch Lösungsversuche durch einen neutralen Schlichter aus dem Internet wurden abgelehnt. ‚Der Zuschauer macht lediglich von seinem Grundrecht Gebrauch, dem Recht aufs Abschalten!’ Diverse Programmgeber behaupten inzwischen, die GEZZ hätte nicht die Befugnis, sowohl Zuschauer der Privaten wie auch der Öffentlich-Rechtlichen zu vertreten, dies wolle man nun gerichtlich prüfen lassen. Insider vermuten dass die Gewerkschaft nicht von ihrem harten Kurs abweichen wird, viele rechnen allerdings mit einer Art Kompromiss in letzter Minute. So könnte das Streik-Ende kurzfristig auf Samstag 23 Uhr vorgezogen werden, damit zur Einlösung der Saalwette wieder zugeschaltet werden kann. Solidarität!06

STARS AM ENDE

Spannung pur

Das Fernsehen überrascht uns immer wieder mit faszinierenden Sendungen. Manchmal übertreibt es allerdings mit Thrill und Nervenkitzel. Die neueste Ankündigung für das RTL-Vormittagsprogramm ließ mir jedenfalls vor Aufregung die Füße schwitzen und die Sackhaare kräuseln: TRAUMKLEID GESUCHT begleitet täglich eine andere Frau auf der Suche nach dem perfekten Hochzeitskleid! Wow. Mehr Spannung geht nicht. Höchstens wenn RTL täglich einen Bauarbeiter auf der Suche nach der perfekten Unterhose mit Eingriff begleiten würde. Aber ich will die Überraschung für Staffel 2 nicht verderben!

Quiz total

Sorge um Jörg Pilawa: als Moderator von gefühlten 597 verschiedenen Quiz-Shows (plus Dunkelziffer) verkündete JP kürzlich, jetzt auch noch die NDR-QUIZSHOW zu übernehmen. Aus medizinischer Sicht scheint es sich bei ihm um eine ausgewachsene pathologische Quiz-Psychose zu handeln. Wahrscheinlich wurde er als Kind zum Ansehen zahlreicher Rate-Sendungen gezwungen, konnte aber die Fragen nie beantworten. Die Tränen seiner Eltern müssen bei ihm ein schweres Trauma hervorgerufen haben, verbunden mit der manischen Wahnvorstellung, seine Seele könne erst Ruhe finden, wenn er wirklich jede Quiz-Sendung der Erde übernommen hat. Spotten wir also nicht, sondern zeigen wir lieber Mitleid.

Mutanten adé

Schockierende Nachrichten. Der Original MUTANTENSTADL, einer der letzten Klassiker der öffentlich-gebrechlichen Schunkelschnarch-Unterhaltung, soll angeblich für immer seine Pforten schließen! Oder von außen verbarrikadiert werden, damit die Stimmungs-Zombies nicht mehr rauskommen. Hausmeister Andy Borg hat jetzt in einem offenen Brief zum Erhalt der Volksmusik-Senioren-Serengeti aufgerufen und bittet die Ärzte der ARD darum, die Geräte nicht vorzeitig abzuschalten. Diesem Aufruf schließe ich mich voll und ganz an. Der Stadl muss als lebendiges Mahnmal erhalten bleiben, um uns den Schrecken und Wahnsinn der Volksmusik immer wieder bildlich vor Augen zu führen und uns am kollektiven Vergessen zu hindern. Stadl-Power Forever!

2017-02-10T01:40:03+00:00

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