505. Miss Personalpronomen (TVS 15/14)

Die größte Gefahr in der Geschichte der Frauen-Emanzipation aus heutiger Sicht ist die Frau an sich. Nach Jahrhunderten der Unterdrückung und nimmermüden Kämpfen um Gleichberechtigung, gekrönt von respektablen Erfolgen und Führungspositionen (Verteidigungsministerium, Sportmoderation, DSDS-Jury, Kanzlerin, Promi-Mutter, Bundespräsidenten-Gattin) ist sie es heute selbst, die sich im Fernsehen durch Formate wie BACHELOR, GNTM oder SCHWIEGERTOCHTER GESUCHT zu aufgebrezelt anbiedernden Sättigungsbeilagen für den erfolgreich erscheinenden Mann degradiert.

Allen voran marschiert auf wackeligen Stöckelschuhen das so genannte IT-GIRL. Eine Art Mädchen, das sich über angenehmes Äußeres, freiwillige Willenlosigkeit und penetrante Medienpräsenz definiert und folgerichtig selbst auf das namenlose Personalpronomen reduziert, da die hohle Hülle zum bestimmten Artikel nicht ausreicht. IT kommt aus dem Englischen und bezieht sich hier nicht auf Computer-Genies aus der IT-Branche, sondern steht für ‚it’ – also unser ‚ES’ wie in EScort, ESsstörung oder VergESsen-werden. Früher einmal verstand man unter IT-Girl eine junge Frau mit Stil und dem ‚gewissen Etwas’, heute ein operativ gepimptes Boulevardmagazin-Luder mit dem gewissen Nichts, dem beim Haare-Fönen die Windhose der Unwichtigkeit durch die Ohren wirbelt.

Wann immer bei TAFF, RTLexclusiv & Co. akuter Ideenmangel herrscht, also täglich, schickt man ein rudimentär bekleidetes IT-Girl in die Fußgängerzone, um mit dem breiten Grinsen selbstverliebter Dümmlichkeit Erotik-Shops zu besuchen, Reizwäsche zu testen oder ahnungslosen Passanten schweinische Fragen zu stellen. Die professionelleren Itterinnen landen irgendwann in irgendeiner der herkömmlichen Casting-, Promi- oder Bums-Anbahnungs-Shows, in denen sich das Publikum für ihre egomanische Dämlichkeit schämen darf. Der männliche Zuschauer tut dies oft mit einer Hand am schüttelnden Kopf und einer in der zuckenden Hose. Das It-Being ist temporär und bröckelt wenn die schöngespachtelte Optik die ersten Makel offenbart. Sobald reines Hinschauen als Ablenkung nicht mehr reicht und man gezwungen ist zuzuhören, schlägt meist jeglicher Rest an Sympathie um in Mitleid, Fassungslosigkeit oder den Wunsch nach einer radikalen Veränderung des Schulsystems. Die Karriere des It-Girls endet somit gewöhnlich durch das Erkennen der Diskrepanz zwischen ‚Sächlich’ und ‚Tatsächlich’.

STARS AM ENDE

Geissen-Drama

Puh! Alle Fans des überbräunt-überbissigen Macho-Millionärs Roooobert und seinem dicklippigen Dusselinchen dürfen aufatmen: DIE GEISSENS gehen weiter! Auch wenn sie sich gerade öffentlichkeitswirksam aus der sklavischen Knechtschaft ihrer finsteren Produktionsfirma befreit haben, so haben sie in den letzten Jahren doch so viel Uninteressantes erlebt und Dünnes gelabert, dass noch Material für mindestens zwei Staffeln abenteuerlicher Ödnis im Großkotz-Modus in den Fremdschäm-Archiven schlummern. Und danach geht’s dann halt mit anderen Flachnasen hinter der Kamera weiter, Hauptsache davor bleibt alles genau so doof wie vorher!

Messie-Massaker

Die deutschen Messies dürfen aufatmen: endlich wird ihnen wieder geholfen! Lange Zeit waren sie ganz vorn mit dabei im deutschen Doofenfernsehen, die Sender überboten sich gegenseitig mit Formaten über desorganisiert-schlampige Mitbürger in lebenden Restmüll-Biotopen, die ohne Kamerateam zu doof zum Aufräumen waren. Dann wurde es auf einmal still um sie, weil sich nicht mehr genügend apathische Allesglotzer fanden um den ganzen Scheiß mit ausreichend Quotenschmiere am Leben zu halten. Da durch die Argentinien-WM-Spiele aber wieder so viel über Messi geredet wurde und RTL2 sonst auch keine besseren Ideen hat, wird man sich wieder um die gestörten Gerümpel-Heinis kümmern: DAS MESSIE-TEAM kehrt zurück – auch wenn keiner von uns darum gebeten hat. Verhaltener Applaus und Mülltüten-Laola.

Fußball-Blabla

Das ZDF kann stolz sein: trotz der harschen Kritik an den luftig-fluffigen Relax-Kommentaren zwischen Fußi-Plaudertäschchen Kati-Mü-Hohenstein und Olli Kahn bei der EM vor zwei Jahren, hat man es im Zweiten doch noch mal geschafft, eine Schippe drunter zu legen. Diesmal wurde Kate Highstone als Sport-Boulevard-Mäuschen vor die Tore des deutschen Lagers verbannt, und siehe da: Campo Bahia wurde das neue Usedom! Kuschelweiche Belanglosigkeiten im Kaffee-Kuchen-Talk bei schönem Wetter, quasi der brasilianische Fernsehgarten ohne Kackmusik und Schunkelrentner. Bieder, brav und behäbig – da kann man auch gleich den GEZ-Geldern beim Verwesen zugucken!

2017-02-10T01:40:04+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hier in unserer Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen