499. Piratensender ZDF (TVS 09/14)

Wieder einmal sorgt der funky-coole Hipster-Sender ZDF völlig unerwartet für ein lautstarkes Rappeln im Karton der Medienwelt. Laut Bundesverfassungsgericht ist der Staatsvertrag des Zweiten Deutschen Fernsehens in seiner derzeitigen Form in großen Teilen verfassungswidrig! Wow. Die letzten Folgen von WETTEN DASS waren demnach illegal, was vielleicht die schlechten Quoten erklärt. Viele ehrliche Zuschauer wollten wahrscheinlich bei aller Liebe zur gehobenen Samstagabend-Unterhaltung dennoch nicht das Risiko eingehen wegen krimineller Kumpanei mit Markus Lanz verhaftet zu werden. Das Gericht stellte gewissermaßen amtlich fest, dass das ZDF eine höchst ungesetzliche Bande von Lumpenhunden und Galgenstricken bilde, denen man nicht trauen dürfe.

Hauptgrund dafür sei die Zusammensetzung des so genannten ‚Verwaltungs- und Fernsehrats’, in dem eigentlich sämtliche gesellschaftsrelevanten Gruppierungen sich liebevoll umarmen und gemeinsam ein tolles unabhängiges Programm planen sollten. Momentan wird er aber zu 44% verstopft von Politikern, so was wie der Bushido-Clan mit Krawatten, wodurch Ehrlichkeit und produktive Zusammenarbeit natürlich von vornherein ausgeschlossen sind. Positiv ist allerdings, dass sie dadurch weg von der Straße sind und raus aus den Parlamenten, wo sie wahrscheinlich noch viel mehr Unheil anrichten würden. Das ZDF muss sich nun entscheiden. Einerseits könnten sie einfach komplett auf Politiker verzichten und diese durch andere relevante Gesellschaftsgruppen unseres Landes ersetzen, wie z.B. bisexuelle linkshändige Veganer mit Migrationshintergrund oder vom Verfassungsschutz als unauffällig eingestufte Neo-Nazis mit Leseschwäche und ADHS. Andererseits könnte man mutig in die Offensive gehen, auf alberne Mädchen-Attitüden wie ‚Staatsferne’ verzichten und auch die fehlenden 56% mit Parteifreunden besetzen. Bei all den vielen Kanälen könnte sich Deutschland ein reines Staatsfernsehen durchaus leisten, und letztlich wäre absolut alles spannender als DER BERGDOKTOR. Pochen die Rebellen vom Lerchenberg aber auf ihre theoretisch zugesicherte Unabhängigkeit, müssten sie sich wahrscheinlich mit Vitali Klitschko an der Gulaschkanone in der ZDF-Kantine verschanzen und VOLLE KANNE von dort aus senden, schlimmstenfalls mit Waffengewalt verteidigt bis zum letzten Mainzelmann. Wie auch immer man sich beim Zweiten entscheide, Kanzlerin Merkel hat dem Intendanten ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen. Quasi eine Kriegserklärung.

Mehr Idioten

RTL2 macht alles richtig und bleibt seinem Idioten-Image treu: die Super-Scripted-Volldeppen-Parade X-DIARIES macht Pause, wird dafür ersetzt von der kolossalen Knallkopp-Kuppelshow NEXT, PLEASE! von der Karibik-Insel Curacao. Ein knatterwilliger Single hat drei Dates mit rammelwilliger Restware mit ulkigem Geheimnis (ein Pimmel zu viel, ein Pimmel zu wenig – je nach Geschlecht, etc.) und mit irgendeinem davon wird dann vielleicht irgendwas gemacht oder so. Eigentlich egal. So wie früher die schlecht synchronisierten MTV-Kopulations-Anbahnungen für affenhirnige Großkotz-Teenies aus den USA. Von Doofen für Doofe – sollte also funktionieren!

Weniger Schmunzler

Die ungeduldige ARD zieht nach nur vier Jahren und zwölf Serien so was ähnliches wie eine Konsequenz. Da das doofe Publikum die schöne Idee der beruhigend-einlullenden täglichen Vorabend-Schmunzelkrimis mit immer gleichem Inhalt aber wechselnden Ortsnamen nicht ganz so supi-dupi fand wie geplant, wird nun der Donnerstags-Platz frei gemacht für Anwalts- und Familienserien. Der Mittwoch bleibt kicher-kriminell, allerdings in rein bayerischer Hand, denn von Bayern lernen heißt Siegen lernen. Der Freitag bekommt demnächst den Schmunzel-Upgrade zum Schenkelklopfen, denn da will die ARD wieder auf ihre Kernkompetenz Comedy setzen. Das klingt so spannend, ich füll schon mal die Wärmflasche neu auf!

Falsche Realitäten

Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung AGF, zuständig für die Messungen der Quoten und Marktanteile, wundert sich, warum ihren Zahlen zufolge immer weniger Menschen überhaupt fernsehen. Dabei kamen sie zu einer verblüffenden Erkenntnis, mit der keiner rechnen konnte. Anscheinend sehen viele, vor allem jüngere Menschen nicht mehr ausschließlich am Empfangsgerät im Wohnzimmer fern, sondern nutzen sogar gänzlich andere (total moderne) Medien. Die meisten Haushalte haben auch mehr als ein Gerät und sogar Patchwork-Familys mit wechselhaften Lebenssituationen soll es inzwischen geben. Verblüfft musste man feststellen, dass sich wohl einiges verändert in den letzten 50 Jahren. Wahnsinn wie die Zeit verfliegt. Ob man die Messmethoden aber den wilden Trends anpassen soll, wird die erst mal ein paar Jahre diskutiert.

2017-02-10T01:40:04+00:00

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Hier schreibt der Chef.

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