498. Geld zurück für alle! (TVS 08/14)

Mit einem Paukenschlag sorgte die Ministerpräsidenten-Konferenz kürzlich für eine der größten Überraschungen in der Geschichte der deutschen Gebührenverordnungen: noch im Jahr 2015 soll der Rundfunkbeitrag um volle 48 Cent gesenkt werden! So etwas gab es noch nie und wird wohl auch einmalig bleiben im politischen Leben. Die freiwillige Reduzierung einer bereits allgemein akzeptierten Zwangsabgabe – und das um sage und schreibe fast einen halben Euro! Wer das Geld gut anlegt, kann sich am Jahresende mit etwas Glück eine gute DVD aus dem Sonderangebot kaufen. Oder seinen Lebensabschnittspartner auf einen Premium Grande Vanilla & Garlic Cream Frappuccino Light Doubleshot Decaf con Panna to go bei Starbucks einladen. Die Menschen im Land konnten es kaum glauben. Wildfremde Niedriglohnempfänger lagen sich weinend in den Armen, Familien fassten sich an den Händen und tanzten im Kreis um die Funkhäuser, und die Frankfurter Börse vermeldete Rekordwerte. Von Regierungsseite aus wurde empfohlen, das dazu gewonnene Geld nicht sinnlos zu verprassen, sondern bedacht in eine private Altersvorsorge zu investieren, die so genannte Mainzelmann-Rente. Begründet durch den niedrigen Leitzins liegt dort der jährliche Wachstum zwar noch bei minus zwölf Prozent, aber die Beträge können wahlweise auch in Wiederholungen der besten Folgen vom TRAUMSCHIFF und KLINIK UNTER PALMEN ausgezahlt werden.
Ein seltenes Bild: alle sind glücklich, sogar die öffentlich-gütigen Sendeanstalten selbst. Die Alternative wäre nämlich gewesen, die 4,8 Euro-Groschen zu behalten und sich dafür mehr anzustrengen oder erkennbar neue Ideen zu entwickeln. Ein Schreckens-Szenario, das natürlich keiner wollte, und somit wurde auch niemand geweckt um darüber zu diskutieren. Dieser popelige Beinahe-Halb-Euro ist perfekt: gerade augenwischend genug für eine großmütig anmutende Geste als Konsequenz der neuen Beitrags-Gerechtigkeit, aber klein genug dass jedes stolze Sparschwein es beleidigt aus dem Schlitz spucken würde und für die Öffentlich-Gemächlichen trotzdem ein milliardenhoher Überschuss erwartet werden darf. Den Sendern aber bleibt so die Möglichkeit, weiter über die für Qualität und Innovation viel zu geringen Gelder zu jammern, ohne die Füße vom Tisch nehmen oder später Feierabend machen zu müssen. Chapeau! Und viel billiger als bei den meisten anderen Betrügern – da kostet Arschlecken Einsfuffzig!

Weiter tanzen!

Das Deutsche Fernsehballett ist einfach nicht totzukriegen! Nachdem es bis in die 90er hinein in jeder öffentlich-rechtlichen Sendung inklusive Tagesschau noch mindestens drei Auftritte haben musste, wollte es im neuen Millennium irgendwann keiner mehr haben. So wurde es privatisiert und hauptsächlich vom mdr, dem Regionalsender mit der kaputten Uhr, am Leben gehalten. Als aber selbst die östlich-rechtlichen nicht mehr so viel Verwendung fanden wie erst versprochen, sollte die Hupfdohlen-Brigade endgültig aufgelöst werden. Doch der Gott des Gruppentanzes hat es noch mal gut gemeint: die Auftragsbücher sind wieder voll, der mdr hat die Uhr erneut um zehn Jahre zurück gedreht und so können die Stelzen weiter gleichzeitig in die Höhe geworfen werden! Wäre ein Grund um vor Freude zu tanzen, aber das bezahlt ja keiner.

Weiter jodeln!

Die guten Nachrichten brechen einfach nicht ab: jetzt wurde bekannt gegeben dass auch der MUTANTENSTADL bis mindestens Ende 2015 weiter auf Sendung bleiben soll! Nicht dass jemand etwas anderes erwartet hätte, denn Das Erste ohne Stadl kann und möchte sich selbstverständlich kein gesunder Mensch vorstellen. Außerdem hätte man viel zu viel Angst bei der ARD was geschehen würde, wenn plötzlich all die hauptberuflichen Volksmusik-Darsteller aus der Jodelklapse auf der Straße unterwegs wären und nichts mehr zu tun hätten! Der Beginn der Apokalypse, man müsste nur von einem gebissen werden und schon würde sich die Hirntoten-Seuche weiter verbreiten. Ich habe THE WALKING DEAD gesehen – THE SCHUNKLING DEAD möchte ich nie erleben!

Weiter labern!

Erinnert sich noch jemand an ZWEI BEI KALLWASS? Falls ja, tut es mir leid. Aber wie auch immer: Lady Kallwass kehrt zurück! Während sie früher noch besonders schlechte Laiendarsteller bei SAT1 ins Koma laberte, wird sie nun das gleiche bei RTL tun müssen. Zuerst mal nur im mehrteiligen Nachmittags-Brainkiller: FAMILIEN IM BRENNPUNKT SPEZIAL – TYPISCH PUBERTÄT! Aber wenn die Sendung hält was der Titel androht und ein Erfolg wird, dürfen wir uns wahrscheinlich nicht weiter über ihre Mattscheiben-Abstinenz freuen. Na dann, Augen zu und durch!

2017-02-10T01:40:04+00:00

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Hier schreibt der Chef.