497. Kein Preis für Scheiss! (TVS 07/14)

STARS AM ENDE

Das traurige und unwürdige Siechtum hat endlich ein Ende. Die gnädigen Gesellschafter des viel zu lange unwürdig am Leben gehaltenen Deutschen Fernsehpreises haben beschlossen, die Geräte zur künstlichen Beweihräucherung endgültig abzustellen und die vitalen Geldhähne zuzudrehen. 16 Jahre vernebelter Oscar- und Emmy-Träume im Wachkoma der Bedeutungslosigkeit sind genug. Wenn man ehrlich ist, wollte den Preis eh keiner wirklich haben, vor allem weil man dann zu der (bis auf wenige löbliche Ausnahmen) höchst grauenhaften Veranstaltung erscheinen musste. Dort wurden die Nominierten gezwungen, viele endlos erscheinende Stunden verkrampft lächelnd einer pompös-schnarchigen Selbstlob-Gala der Peinlichkeiten beizuwohnen, in der unbeholfen versucht wurde, die ernüchternd geringen Momente gelungenen deutschen Fernsehens als Normalität erscheinen zu lassen. Oder schlimmer noch so zu tun, als könne man sich gar nicht entscheiden, welches von den vielen tollen Programmen man denn eigentlich auszeichnen solle! Wobei diese Farce nach Qualitäts-Preisen für Tine Wittler und Barbara Salesch natürlich irgendwann verdammt schwierig wurde, ohne bei der Trophäen-Übergabe vor Scham zu erröten oder laut zu lachen. Den Todesstoß gab aber anscheinend die letztjährige Katastrophen-Moderation des Comedy-Killerkommandos Prolli Ocher & Cindy aus Neukölln, deren gelangweilter Dilettantismus nur noch von der lieblosen Unfähigkeit von SAT1 unterboten wurde. Danach waren sich die Betreiber einig: von deutschem Bühnenboden darf nie wieder solch eine würdelöse Veranstaltung ausgehen!
Ganz möchte man auf so eine Art TV-Preis allerdings auch nicht verzichten, weshalb jetzt fieberhaft nach Alternativen gesucht wird. Um den Mangel an hochwertigen Sendungen zu kaschieren, diskutiert man derzeit über ehrlichere zeitgemäße Formen der Trophäen, wie z.B: der Goldene Kotzbeutel, die Hämorrhoide in Silber, der Kopp-im-Klo, die Hand-vor-den-Augen, der Preis des Erhängten Zuschauers oder der TrittindenHinterndesGebührenzahlers. Zur Entlastung des Publikums wird es keine Gala mehr geben, der Preis kommt gegen Vorkasse nach Haus oder kann aus dem Internet geladen werden. Ganz generell dürfen sich die Verantwortlichen von Formaten, bei denen vor und hinter der Kamera nicht ausschließlich Laien beschäftigt sind, die Löhne um weniger als 50% der vorgeschriebenen Tarife unterschritten wurden und mindestens ein Mitarbeiter wirklich geglaubt hat er mache eine gute Sendung, einmal im Jahr beim Pförtner eine Tafel Schokolade mit Smiley-Aufkleber abholen.

Wetten Sie Spaß?

Wie eine Medien-Bombe schlug die Nachricht ein, DAS ERSTE wolle sein Entertainment-Schlachtschiff Numero Uno VERSTEHEN SIE SPASS? aufpäppeln, denn laut ARD-Unterhaltungschef sei es schließlich ‚das WETTEN DASS der 80-er Jahre’! Was all jene verwirrt, die bisher immer WETTEN DASS für das WETTEN DASS der 80er gehalten, aber anscheinend nur mit VERSTEHEN SIE SPASS verwechselt hatten. Das jetzige WETTEN DASS mit Markus Cantz ist demnach nur ein Jux der ARD mit versteckten Kameras im ZDF, um die empörte Reaktion der verzweifelten Zuschauer auf eine überlange überteuerte Schnarch-Show einzufangen. Womit man WETTEN DASS heute quasi als das VERSTEHEN SIE SPASS der 2010er-Jahre bezeichnen könnte.

Rettet die Millionenretter!

Nur weil Geflügelwurst-Werbegesicht Jörg Pilawa mal wieder vom ZDF zur ARD wechselt, scheint auch seine crazy Quiz-Show RETTE DIE MILLION! jetzt vor dem Aus zu stehen. Berichten zufolge soll man auf dem Lurchiberg bereits Oliver Pocher und Marco Schreyl als Ersatz ausprobiert haben, allerdings ohne zufriedenstellendes Ergebnis, selbst ein wiederverschließbarer Eimer Hackbällchen konnte nicht vollends überzeugen. Ohne den Rügenwälder Power-Präsentator scheint auch dessen Sendung in die Ewigen Jagdgründe der Nichtigkeit einzureiten. Ruhe in Frieden.

Schnarch if you want!

Pro7 hat es wieder mal geschafft, mit Riesen-Tamtam und Ansage volle Kanne auf den Arsch zu knallen: SCREAM IF YOU CAN! Öde Bi-Ba-Butzemann-Spiele mit fünf bemützten Stammelschlümpfen nachts im Märchenwald, zwischendurch immer wieder unterbrochen durch eine Runde Fangen mit einem Rudel lahmender Pudel, die man als Kampfhunde verkleidet hatte. Angekündigt als große Mystery-Reality–Show, in Wirklichkeit aber weniger gruselig als ein Glas lauwarme Milch in der Kinder-Geisterbahn. Mit Ausnahme des untoten Horror-Moderators Thore Schölermann, einer satanischen Kreuzung aus einem verfluchten Waschlappen und einer unten zugenähten Teufels-Handpuppe. Wer sich bei der Schwachmaten-Erschreck-Show wirklich gruselte, kriegt auch einen Herzinfarkt wenn Oma zu laut einen fahren lässt. Buh!

2017-02-10T01:40:04+00:00

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Hier schreibt der Chef.

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