470. Einfach gerecht verarscht! (TVS 06/13)

Das Jahr 2013 begann für uns alle so grandios wie kaum je eines zuvor. Denn am 1. Januar trat die neue Gebührenordnung für das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem in Kraft und schenkte uns unser Lächeln zurück! Seitdem werden wir über deren Kanäle rund um die Uhr mit der frohen Kunde beschallt, die uns auf den Straßen tanzen und alte Frauen weinen lässt: Einfach kann so einfach sein! Oder: Endlich Gerechtigkeit! Schön dass sie die himmelschreiende Ungerechtigkeit der letzten vierzig Jahre damit zumindest indirekt selbst zugeben. Doch nun wird alles wunderbar, und durch unsere Heimat geht ein hoffnungsvoller Ruck des Neuanfangs wie einst in England zur Rückkehr von Richard Löwenherz, nachdem Robin Hood den gierigen Prinz John und seinen GEZ-Fahnder von Nottingham besiegt hatte. Ja, reden wir ruhig ganz offen – bisher herrschten diktatorische Willkür und bürokratischer Wahnsinn. Die königlich-rechtlosen Urzeitkrebs-Sender zogen Gelder ein, gegen die sich niemand wehren konnte, gestützt auf ein Gebührensystem von derart irrwitziger Komplexität, dass selbst der Ehrlichste unfreiwillig daran scheitern musste. Zur Aufrechterhaltung dieses Absurditäten-Apparats wurde jeder Bürger als potentieller Betrüger eingestuft, der dem klingelnden GEZ-Cop erst seine Unschuld beweisen musste.
Jetzt aber ist alles so einfach und gerecht, dass einem das Herz aufgeht. Vor allem heißt die mediale Pflichtabführung nicht mehr Gebühr sondern Beitrag, das klingt schon mal viel sozialer. Außerdem gibt es keine nimmersatte Eintreibergesellschaft GEZ mehr, sondern einen kundenfreundlichen Beitragsservice. Allein dieser sprachliche Kunstgriff beraubt die steuerähnliche Zwangsabgabe ihrer Schärfe und macht sie durch den fingierten Hauch der Freiwilligkeit für das wehrlose Publikum gleich viel erträglicher. So wie auch die freundlichen Kollegen der Mafia kein Schutzgeld dafür nehmen, dass sie die Pizzeria nicht auseinandernehmen, sondern augenzwinkernd eine Versicherung des Inventars verkaufen. Da möchte man auch gar nicht weiter diskutieren ob diese Unsummen beim öffentlich-egozentrischen Sendermoloch sinnvoll angelegt sind und wo die ganze Kohle eigentlich hin fließt oder ob das komatöse Programm es überhaupt wert ist. Man möchte einfach nur Danke sagen. Für dieses wunderbare neue Lebensgefühl der verkomplizierten Einfachheit und vorgetäuschten Gerechtigkeit. Irgendwie fast beruhigend, heute noch so altmodisch-naiv aber dennoch mit derart seriöser Dreistigkeit verarscht zu werden!

STARS AM ENDE

Copy-Pop

Und wieder stand unser Land vor der schwierigen Entscheidung, eine nicht all zu pupsige Performance für den alljährlichen Jurowischen Song Contest in Malmö zu finden. Dieses Mal fiel die Wahl auf CASCADA, eine leidlich bekannte Lala-Combo mit blondiertem Pferdefleisch-Imitat im Minirock und Tüllgardine im Schlüpfer. Eine Art akustische Zeitreise in die Neunziger, zur Freitagabend-Zeltdisco von Bunkenhausen mit Friseusen-Dance-Contest. Vor allem aber ein dreistes Plagiat des Siegertitels aus dem Vorjahr und somit eine Rückkehr zur Kernkompetenz deutscher Kreativität: große ausländische Erfolge frech kopieren, ihrer Besonderheiten berauben und qualitativ auf langweiliges Mittelmaß reduzieren!

Endlos-Comedy

Pro7 hat schon lange ein großes Problem: so ein Sender ist theoretisch ja gut und schön – nur was soll man den lieben langen Tag zeigen, das möglichst keine Mühe macht und nicht all zu viel von dem vielen schönen Geld kostet, das man doch selbst gern behalten würde? Seit einiger Zeit lautet die Zauber-Antwort: US-Sitcoms! Einfach emotionslos hintereinander geklebt in Endlosschleife, von jeder Serie mindestens vier in-a-row, Comedy nonstop, all day long (klingt auf Englisch irgendwie nicht ganz so langweilig). Und sogar in der Primetime, jetzt Montag bis Mittwoch auch am Hauptabend, keine Filme/Serien mehr, nur noch Sachen zum Lachen, ganz egal was, der ewige Murmeltier-Tag. Wie wäre es mit Umbenennung in Ho-Ho-Sieben? Wäre lustig wenn es nicht so traurig wäre.

Hansi-Heimgang

Nie hätten wir gedacht, diese Nachricht einmal lesen zu dürfen: die ARD beendet seine HANSI HINTERSEER-Shows! Seit gefühlten Ewigkeiten schleimte sich der blonde Schlager-Yeti und Ex-Ski-Wedler Hansi H. mit eingefrorenen Dauerlächeln und wimmerndem Säuselsingsang durch die öffentlich-rechtlichen Kanäle. Und niemand hätte damit gerechnet, dass uns Das Erste je aus freien Stücken von diesem quotenbringenden Heimat-Horror erlösen würde. Eher tritt der Papst zurück, dachten wir… okay, so langsam ergibt sich ein Gesamtbild!

2017-02-10T01:40:06+00:00

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Hier schreibt der Chef.

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