468. Die neue Umlaut-Prominenz (TVS 04/13)

Spätestens die letzte Staffel des Dschungelcamps hat bewiesen: so langsam bekommen wir mit unseren ‚Promis’ echte Probleme! Wie sollen wir all diese sendungssüchtigen Karriere-Kakerlaken überhaupt noch katalogisieren, die sich vermehren wie die Scheißhausfliegen und ungefragt unsere Bildschirme mit ihrer Präsenz verkleistern? Fernab von Begabung, Talent, Können, Sympathie, Charme, Professionalität oder sonstigen Attributen, die noch in früheren Zeiten so genannten ‚Stars’ zugeschrieben wurden, werden unsere medialen Arterien heute größtenteils von Gestalten verkrustet, die es im wahren Leben nicht einmal bis zum Mitarbeiter der Woche in ‚Furzis Pommes-Butze’ bringen würden. Trotzdem werden wir diese bedeutungslosen Berühmtheits-Blutegel nicht mehr los, da sie sich in grenzenloser Gier nach unverdienter Aufmerksamkeit an jedes noch so tote Wirtstier saugen, auf das mindestens eine Kamera gerichtet ist.
Nennen wir als Beispiel Entertainer wie Elvis Presley, Frank Sinatra oder Michael Jackson mal ‚A-Prominenz’, so merkt man schnell, dass für Selfmade-Medienmaden wie ‚Mutter von das Katzenberger’, ‚Bachelor-Retourware’ oder ‚Platz 4 in Staffel 2 dieser Model-Grütze’ das uns bekannte Alphabet nicht mehr ausreicht, um einen realistischen Abstand zu den echten Stars auszuweisen. Da selbst die Bezeichnung Z-Promi in solch einem Fall eine beleidigende Nähe vortäuschen würde, sollten wir auf das räumlich separierte Feld der Umlaute ausweichen. Ä, Ö und Ü sind zwar noch als Buchstaben erkennbar, befinden sich aber in einem abgetrennten Zwinger für alberne Schriftzeichen und passen somit perfekt zu den Freak-Mutationen der modernen Popularität. Zusätzlich ermöglicht das Lettern-Trio eine inhaltliche Einteilung: Ä wie Äh? oder Ägal drückt eine herausragende Position in puncto Unbekanntheit aus, das Ö symbolisiert Ödnis und Ü steht für Überflüssig. Schwer wird es nur, wenn alle drei Merkmale zutreffen – was dummerweise meist der Fall ist. Eine letzte (wenngleich optisch wenig ansprechende) Möglichkeit bietet das bucklig-verwachsene ß (Eszett), passend wenn sich neben der medialen Bedeutung auch die Attraktivität als nur rudimentär ausgeprägt erweisen sollte. Falls das nicht reicht, blieben nur noch Runen, Piktogramme oder hebräische Currentschrift – aber die können die RTL-Moderatoren so schwer aussprechen!

STARS AM ENDE

1. Viechervermittlung mit SAT1

SAT1 hat es gerade noch rechtzeitig bemerkt: der Sender hat viel zu wenig peinliche Billig-Shows minderer Qualität, in denen bemitleidenswerte schwer vermittelbare Randgruppen-Singles zwecks vorgetäuschter Partnersuch-Hilfe böswillig der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Deshalb kommt jetzt: TIERISCH VERLIEBT! Endlich gutes Fernsehen! Der gleiche unsägliche Mist wie in jedem der anderen Höllenformate, jetzt aber mit Viecher-Bonus und ProSeven-Allesmoderierluder Sonja Kraus als breit grinsende Kuppelhexe. Von den erfahrenen Machern von SCHWIEGERTOCHTER GESUCHT, wird bestimmt wieder ganz toll und sehr menschlich! Ich geh kurz brechen…

2. Zwangspoppen mit RTL

Geahnt haben wir es schon immer: kein Sender ist so sehr um unsere emotionale und physische Gesundheit besorgt wie RTL! Weil man dort gehört hat, dass glückliche Paare mehr Sex haben, drückt man nun ein paar der weniger glücklichen eine Woche lang Zwangs-GV mit RTL-TV-Begleitung aufs Auge, damit sie sich die vermurkste Beziehung wieder schön vögeln: 7 TAGE SEX – eine der besten Programmideen aller Zeiten. Und da viele Dinge erst durch ihre Regelmäßigkeit wirklich sinnvoll werden, bereits in Planung: EINE STUNDE ATMEN, EINE WOCHE DUSCHEN (MIT SEIFE) und EINEN MONAT TÄGLICH KACKEN.

3. Resteverwertung mit Goldkante

So langsam merken die Privatsender, dass sie mit ihrer selbst erfundenen ‚werberelevanten Zielgruppe’ der 14-49jährigen ganz schön Mist gebaut haben.
Die Jugend von heute sieht kaum noch fern, das ältere Publikum ist finanziell und zahlenmäßig gesehen viel interessanter, wurde aber aufs eigene Abstellgleis geschoben. Also eröffnet man jetzt diverse neue Spartenkanäle, wie z.B. SAT1 GOLD für die reife Frau jenseits der bisher favorisierten Zuschauergruppe – und die gruseligen Trailer mit den verknitterten Oma-Handpuppen als kalauernde Menopausenclowns lassen das Schlimmste befürchten! Hauptsächlich gibt es aber aufgewärmte Sendereste aus den ranzigen Archivkellern, die für eine Wiederholung im Hauptprogramm nicht mehr hip genug waren. Quasi gebrauchte Mottenkugeln mit Goldlackierung.

2017-02-10T01:40:06+00:00

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