467. R.I.P. RTL! (TVS 03/13)

Betrachten wir das große Sauriersendersterben in der zweiten Dekade dieses Jahrtausends, so war das Ableben von RTL das mit der wohl makabersten Komik. Denn während das Publikum das Hinscheiden des einstigen Marktführers nach langem kreativem Siechtum längst bemerkt hatte, war ihm persönlich dies gar nicht bewusst. Man lachte noch hämisch über die gesundheitlichen Probleme der Konkurrenz und war selbst schon lange tot. Den Verwesungsgeruch hielt man für Chanel No. 5 und den Leichenwagen für einen VIP-Shuttle zur After Show-Party der eigenen Existenz. Dabei hatte es schon lange nicht mehr wirklich gut ausgesehen. Der allmorgendliche Champagner zum Anstoßen auf den Erfolg des Vortags war letztlich vom preisgünstigen Tetrapack-Weißwein abgelöst worden, den man im hauseigenen Wassermaxx heimlich zum Sprudeln bringen musste. Wichtig war nur, dass die anderen immer noch das Klingen der Gläser hörten.
In den goldenen Jahren des Wachstums hatte sich der RTLosaurus an den blühenden Quoten satt gefressen, ohne sich je um die nutzlosen Nährwerte dieser absurden Speise zu scheren oder um eine Alternative für den kargen Winter zu kümmern. Schwimmend im See der Trägheit genoss man das faule Fettsein, verbot jegliche Innovation und erkor den Stillstand zum neuen Motor des Erfolgs. Die starrsinnige Rudelführerin Anke S., die sämtliche Throne des Imperiums störrisch für sich beanspruchte und mit sturer Verweigerung des Fortschritts regierte, drehte jedem noch so kleinen Pflänzchen der Veränderung persönlich die aufmüpfige Gurgel um. Wie im Märchen oder einem künstlichen Komatraum spulte sich gefühlte hundert Jahre das immer gleiche Sendeschema mit den immer gleichen Sendungen in der immer gleichen Reihenfolge ab, ganz so wie einst, als man damit mal erfolgreich gewesen war. Die Menschen draußen vor den Bildschirmen aber ermüdeten, und selbst die eingelulltesten von ihnen fanden irgendwann die Umschaltknöpfe zu den anderen Sendern. Während der Organismus RTL längst keine Lebensenergie mehr hatte, wurde er dennoch mit gespielter Selbstherrlichkeit künstlich von der Verwaltung am Leben gehalten. Der Plan war, durch Festnageln der Zeiger die Zeit anzuhalten. Aber ähnlich wie das römische Reich versank auch RTL im Sumpf der eigenen Zufriedenheit. Man war beim Versuch nach den Sternen zu greifen auf der eigenen Schleimspur ausgerutscht und hatte sich das Genick gebrochen. Oder beim Kacken eingeschlafen und schlicht erstunken. Ruhe (und lass uns) in Frieden, RTL.

STARS AM ENDE

1. Öffentliche Privatsachen

Erst saß Jenny E.E. lulle auf dem DAS!-Sofa und machte sich live lächerlich beim Versuch, sich als seriöse Schauspielerin zu promoten. Dann sorgte ihr cleverer Gatte für sofortigen Verspottungs-Stopp durch die emotionale Meldung einer schweren Alkoholkrankheit und bat medienwirksam um Wahrung der Privatsphäre. Um dem Zuschauer-Verarschungs-Gesamtpaket die Krone in den Hintern zu bohren folgt nun zur besten Sendezeit auf RTL das große Special ‚DIE ALKOHOLBEICHTE! JENNY ELVERS – DIE UNGESCHMINKTE WAHRHEIT’. Privater geht es ja kaum. Also bitte Verstand ausschalten, keine Scherze mehr und auf keinen Fall einschalten… wegen der Privatsphäre!

2. Geschlossen Akten

Nach nur über 2000 Folgen verabschiedet sich SAT1 nach Babbel Salesch nun auch von RICHTER ALEXANDER HOLD und zieht endgültig den Stecker im Gerichtsförmigen Aufenthaltsraum für minderbegabte Laiendarsteller. Doch falls irgendwer dem blassblütigen Justitia-Roboter im Fledermausmantel versehentlich nachtrauern sollte, weil inzwischen alle denkbaren Ersatz-Formate ja immer noch viel schlimmer werden: bitte nicht vergessen, die Sendung war nicht unterhaltsamer als eine Horde Schimpansen, die sich gegenseitig am Hintern puhlen! Danke für das viel zu späte Ende. Einspruch abgewiesen!

3. Aufgewärmtes Altgebackenes

Staffel 10 von DSDS – und alles fühlt sich so lähmend langweilig an wie immer, obwohl RTL krampfhaft Flippigkeit beweisen wollte! Als neues Moderatoren-Paar Nazan Eckes und GZSZ-Grinsefresse Raùl Richter, die erfrischend sind wie eine alte Unterhose, dafür aber im großen Fremdscham-Fake-Flashmob-Intro crazy singen und tanzen müssen. In der Jury neu neben Altmotzcontainer Bohlen die Kaulitz-Brothers, wobei Weißhaar-Bill aussieht, als hätte er sich vor jeder Aufzeichnung zwei Wochen vor dem Spiegel überlegt, wie er wohl stets anders, aber immer total bescheuert aussehen könne. Dazu lustige versteckte Kameras in der Kandidaten-Umkleide als neu erschlossene Extra-Spott-Quelle und der Rest exakt so wie immer. Gähnst du noch oder schläfst du schon?

2017-02-10T01:40:07+00:00

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