466. Der Ball ist ausgerollt (TVS 02/13)

In loser Folge soll an dieser Stelle Sendern oder Prominenten gedacht werden, die uns viel zu früh, viel zu spät oder leider immer noch nicht verlassen haben. Beginnen wir heute mit SAT1, die Älteren erinnern sich vielleicht noch. Einst ein durchaus ambitionierter Privatsender mit dem kecken Vorhaben, sich unter die Top 5 der großen TV-Stationen zu mogeln und dem überbreiten Großfressemufti RTL Paroli zu bieten. Zeitweilig sogar mit Erfolg, auch wenn der Kanal mit dem farblich variierenden Streifenball schon immer unter seiner hibbeligen Orientierungslosigkeit zu leiden hatte. Ein bisschen erschien er dem Zuschauer stets wie der sympathischere, aber leider auch etwas dusseligere kleine Bruder von RTL, der unter ADHS litt, sich bei den Muttis anschleimen wollte und immer als Erster loslief, noch bevor er überhaupt den Weg wusste. Am Ende hechelte er meist nur den Trends der anderen hinterher und kam als letzter an. Je mehr er an seiner eigenen Kreativität und Intelligenz zweifelte, stattdessen aber auf schnellen Sex und billigen Kick in Form kurzfristig geschönter Bilanzen schielte, desto verwirrter wurde er und begann sich selber einzunässen. Mit der Zeit erkannten ihn selbst seine alten Freunde nicht mehr. Als wenig hilfreich erwies es sich da, sämtliche Programmchefs und Geschäftsführer im Hütchenspieler-Shuffle-Modus schneller untereinander zu tauschen oder zu entlassen, als die Beschriftung an den Bürotüren trocknen konnte. Ein Sender der verwischten Farben, Namen und Ideen, selbst der Wasserball ergraute.
Nachdem sämtliche verfügbaren Promis teuer eingekauft, ein paar mal durch die Kimme gezogen und achtlos wieder weggeworfen waren, konnte ihn das Publikum nicht mehr von anderen No-Name-Tiefkühlprodukten unterscheiden und wandte sich von ihm ab. Billig kopierte Billigstformate der Konkurrenz, gescripteter Fake und so gedanken- wie lieblos hingeschissene Sendungs-Placebos prägten das Programm, bis selbst vereinzelt aufblitzende Qualitätsprodukte im Sumpf des stumpfen Sendungsmülls untergingen. Als der Kanal seine Krankheit bemerkte und Besserung gelobte, war es leider bereits zu spät. SAT1 verschied nach langem Siechtum im Jahr 2012 friedlich und vom Publikum unbeachtet. Die Phantomschmerzen sind derzeit aber noch auf der alten Frequenz zu empfangen. Herzliches Beileid.

STARS AM ENDE

1. Gefangene des Dschungels

Das alte Jahr geht, das Dschungelcamp kommt! Und immer wieder quält uns bis vorher die Frage: welcher uns allen auf den Sack gehende Restpromi darf rein in den offenen Vollzug für Medien-Arschgeigen? Meine Favoriten 2013: Helmut Berger (könnte sich aus Verzweiflung gestoßene Känguru-Hoden durch die Nase ziehen), Kaufhauserpresser Dagobert (vom grauen in den grünen Knast), die Mutter von Daniela Katzenberger (ihr Großonkel konnte leider nicht), Klaus Baumgart (Freund Speckbulette mit Pferd auf dem Flur). Plus der üblich belanglose Bodensatz aus Ex-Casting-Kandidaten und irgendeiner schiefgepoppten Ex-Bachelor-Schlonze. Ich freu mich drauf!

2. Orte des Irrsinns

Manchmal möchte man einfach nur noch und um das Fernseh-Programm weinen. Z.B. wenn eine pissdoof gespielte und stümperhaft gedrehte Idiotenserie wie BERLIN – TAG & NACHT auf RTL2 trotz/wegen all ihrer Scheißigkeit so erfolgreich wird, dass man davon sogar noch Ableger aus dem Pöter zieht (coming soon: Köln 50667), und andere Sender neidisch versuchen, schnell eine ähnlich stinkende Kackhaufen-Kopie in der hauseigenen Mikrowelle zu erhitzen. Freuen wir uns (Ironie!) auf die SAT1-Konkurrenz PATCHWORK FAMILY, eine Art Scripted-Doku-Fake-Soap, gegen die selbst GZSZ mit Oscars und Grimme Preisen beworfen werden müssten. Es ist alles so traurig…

3. Fälscher der Freude

Sorry, aber noch mal SAT1, aber es ist einfach zu lustig! Weil die hochgradig überflüssige Yet-Another-Model-Show MILLION DOLLAR BORINGSTAR mit Bar Bumserelli eine totale Quoten-Arschbombe hinlegte, schob man sie nach der ersten Folge ins Spätprogramm. Da in der letzten Sendung aber das Publikum das neue Megamodel wählen muss, zur neuen Sendezeit gegen 1.30 nachts aber außer ein paar Onanier-Hotline-Callern keiner mehr wach ist, hat man einfach drei spontane Live-Finale vorab aufgezeichet, jedes mal mit spontanen Jubeltränen der gewinnenden Arschwacklerin. Zwei davon werden am nächsten Tag heulen. That’s Emotainment – und Zuschauerbeschiss in einer neuen Dimension!

2017-02-10T01:40:07+00:00

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Hier schreibt der Chef.

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