462. Ruf doch mal an! (TVS 24/12)

Politiker haben es nicht leicht in den Medien. Einerseits sollen sie ehrlich und unverkrampft daher kommen, aber sobald sie sich mal wirklich locker verhalten, kriegen sie einen Riesenärger. So wie kürzlich der ehemalige CSU-Pressesprecher Strepp. Dabei hatte er nur ganz ungezwungen beim ZDF angerufen um den Verantwortlichen kumpelhaft zu drohen und einen persönlichen Tipp zur allgemeinen Verbesserung des Programms abzugeben. Zufällig hatte er nämlich mitbekommen, dass ‚heute’ vom SPD-Parteitag und der Wahl des Münchener Oberbürgermeisters Ude zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl berichten wollte. Nun wusste er allerdings aus internen repräsentativen Umfragen innerhalb der CSU, dass dieser Ude ‚ganz schlecht getestet’ hatte und den aktuellen Werten nach ‚gar nicht so toll ankommt, wie manche verblendete Sozis immer behaupten’.

Außerdem hatte sein (viel beliebterer) Chef Seehofer letztens schon festgestellt, dass die CSU ‚bärenstark’ sei und bei den Wahlen ohnehin konkurrenzlos die bayerische Weltherrschaft erringen würde. Da wäre es ja blöd vom ZDF gewesen die teure Sendezeit mit Berichten von schwiemeligen chancenlosen Schnauzbartträgern zu verschwenden, die niemand sehen möchte. Strepps Zusatz, ein Bericht über den völlig uninteressanten SPD-Parteitag würde ‚Diskussionen nach sich ziehen’ bezog sich daher lediglich auf die Gespräche mit der Programmdirektion wegen des an dieser Stelle zu erwartenden Quotenlochs. Kaum in den Medien erwähnt wurde, dass seine Kritik zudem rein konstruktiv gemeint war und er sogar ‚tolle Alternativen’ zur Füllung des Sendeplatzes angeboten habe, wie z.B. einige sehr gelungene Kurzreportagen über Horst Seehofer beim Hallenbad-Besuch, der Einweihung eines Ismaninger Autohauses oder als Pate eines dreibeinigen Stirnlappenbasilisken im Tierpark Hellabrunn.

Die CDU/CSU stellte noch einmal fest, Strepps harmlose Äußerungen seien keineswegs als versuchte Einflussnahme der Partei misszuverstehen. Wenn man wirklich in das Programm des ZDF eingreifen wolle, dann bestimmt nicht auf diese Art, sondern offiziell und schamlos wie sonst, z.B. damals beim Absägen dieses anderen Nervschnauzkommis Brender. Wozu ist die ganze schöne Macht denn sonst gut, wenn man sie nicht ab und zu mal offen missbrauchen darf?

STARS AM ENDE

1. Brillenschlange im Dschungel

Wow, gegen RTL sind inzwischen selbst der mdr und die katholische Kirche ein Feuerwerk der Innovation und Kreativität! Wichtigste Regel: kein noch halbwegs atmendes Format darf jemals verändert oder erneuert werden. Und so wird selbst nach dem traurigen Ableben von Dirk Bach nichts Neues versucht, sondern einfach herzlos die leere Stelle mit einem anderen Grinsespaßvogel aus der hauseigenen Hühnerzucht besetzt. Denn ob Bach oder Hartwich, Gottschalk oder Motsi Mabuse, Schreyl oder ein Toaster, Nachdenken oder Einen-fahren-lassen – ist doch sowieso egal. Die doofen Zuschauer merken ja eh nix!

2. Push & Pull

Breaking News: PUSH wurde abgesetzt! Auch wenn es die meisten wahrscheinlich gar nicht mitbekommen haben: ja, diese Boulevardblase der banalen Belanglosigkeiten gab es wirklich, sogar 102 Folgen lang in SAT1, obwohl es im Grunde weder einer senden noch sehen wollte. Aber zum Glück gibt es dafür jetzt das neue Promi-Magazin PIN! Klingt ähnlich, ist mindestens genau so überflüssig und läuft auch nicht besser. Bereits in Arbeit: PFUSH, PLOP, PLING, PROLL, PUFF und PUPS! Freut Ihr Euch drauf?

Wendler-Wahn

Was ist denn da bloß bei dem erfolgsverwöhnten Egomanie-Wunder Wendler los? Plötzlich sorgt der spektakulär unsympathische ‚König des Pop-Schlagers’ für jede Menge Schlagzeilen, Klagen und Internet-Shit-Tsunamis. Angebliche Fan-Abzocke, Pferdebetrug, schlechte Presse und Anti-Wendler-Seiten – auf einmal berichten alle über den singenden Speditionskaufmann, und die Verschwörungstheoretiker duellieren sich, ob das ganze nun eine gesteuerte Hetz- oder Promo-Kampagne sein soll. Das Wendler ist und bleibt nun mal ein Phänomen, das kein gesunder Mensch erklären kann. Und erst recht nicht will.

2017-02-10T01:40:07+00:00

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Hier schreibt der Chef.