459. Im Strudel der Selbstsucht (TVS 21/12)

Als wir alle schon dachten, wir hätten endlich Ruhe vor ihnen, hat die freundliche Familie Wulff aus dem Hannoveraner Randgebiet es zum zweiten Mal in diesem Jahr geschafft, die gesamte Medienwelt auf den Kopf zu stellen und sich in einem selbst geschaffenen Strudel aus Selbstmitleid, Dusseligkeit und Geltungssucht in den Abgrund zu ziehen. Dabei war das Volk so dankbar, sich endlich mal wieder über andere Unwichtigkeiten aufregen zu können und genoss die Ruhe.
Doch plötzlich schwappt aus dem Nichts die zweite Welle des Wulffensturms über uns hernieder: Betty W. verklagt Google, weil dort mit ihr so doofe Suchbegriffe aus dem Pfui-Bereich erscheinen und nicht die eigentlich erwarteten, wie bildschön oder blonde Göttin. Auf einmal kämpft die bislang von der Presse verschonte Ex-First-Lady den Kampf um ihre Ehre gegen all die uralten bösen Gerüchte, die sie selbst erst publik gemacht hatte, weil sie vorher kaum jemand überhaupt kannte.
Erschreckend viele Medienvertreter lassen sich von der perfekt inszenierten Ehrenrettungsfarce blenden und werden nicht mal stutzig, als ganz zufällig die noch druckfeuchte Autobiographie für übermorgen (!) angekündigt wird. Die Präsenzbombe wird mit atomarer Wucht gezündet, gefüllt mit bitterem Klagen über den erlittenen Luxus und deutlicher Distanzierung zum Ehemann (ihrer Beschreibung nach mehr Wurm als Wulff). Aber ein weiteres Mal erkennen die Menschen die geplante Verarschung und verweigern ihre Teilnahme – und so weht der faulige Wind der Unaufrichtigkeit in das eigene schöne Gesicht zurück und ruiniert das eingeübte Lächeln. Alle Auftritte im TV plus Lesereise werden abgesagt – wegen der zu großen Öffentlichkeit, die man zuvor selbst erschaffen hat. Tja, so was passiert halt, wenn man beim Furz den Rückstoß nicht berechnet! Ein Lehrstück über den Fluch manipulativer Media-Planung, quasi Frankenstein im PR-Business. Jetzt frag ich mich nur, was wohl in der Zeit zwischen Schreiben und Veröffentlichung dieses Textes passiert sein mag: Vorbereitung des zweiten Buches über die schlimmen Erlebnisse bei der Promotion des ersten? Klagen gegen alle Nicht-Käufer? Oder zumindest ein paar TV-Auftritte, wie z.B. bei Das perfekte Promi-Dinner (Großburgwedel-Edition) und Mein Mann kann… Okay, letzteren Vorschlag nehme ich zurück.

STARS AM ENDE

1. Winke Winke, Waldi!

Time to say Goodbye: Waldi verabschiedet sich vom Bildschirm. Besser gesagt, er wird von der ARD höflich mit der Mistgabel in die Rente gepiekst, da er nun endlich 65 ist und aufs Altenteil geschoben werden kann. Okay, ich gebe zu, auch ich habe nach der EM eine Kerze für das baldige Ende von Waldis EM-Club angezündet – aber wie die ARD-Obermöpse jetzt mal wieder eine ihrer ehemaligen und nur selten von ihnen hinterfragten Allzeitwaffen der Präsenz-Penetranz dann einfach eiskalt abservieren, nur weil sie nach über 30 Jahren plötzlich die Gelegenheit dazu haben, ist schon irgendwie schäbig.

2. Sitz bei Bohlen!

RTL lässt gerade einen Kracher nach dem anderen aus der Hose fahren! Erst bringen sie Gottschalk dazu, sich selbst neben Bohlen die eigene Legende zu zersägen, aber jetzt sollen bei DSDS auch noch zwei Pagen vom Tokio Hotel und der Frontmann von Culcha Candela den Dieter am Jurypult umranken. Ziemlich fiese Bestrafung von der Plattenfirma, seine Künstler zu so was zu zwingen. Aber da Roberto Blanco und die Amigos abgesagt haben, blieb halt keine andere Wahl – einer muss den Scheißjob ja machen!

3. Ta-Ta-Ta-Taaaaaaa!

Oh mein Gott, was macht die ARD denn da bloß? Kündigt im totalen Kreativ-Koller an, zum Jahresende die gute alte Tante Tagesschau zu pimpen und das seit dem Mittelalter so beliebte wie bewährte ‚Ta-Ta… Ta-Ta-Ta-Taaaaa’ neu einspielen zu lassen! Und das auch noch von so einem Kerl aus Hollywood und nicht von Dieter Bohlen! Dazu soll auch noch das Studio umgestrichen werden, vielleicht gibt es sogar noch einen neuen Tisch und die Sprecher müssen die Unterhosen wechseln! Bei so einem Modernisierungsschub der Öffentlich-Dösigen kriegen die konservativeren Zuschauer natürlich schnell Angst, schließlich war ‚Innovation’ bisher der Staatsfeind Nummer Eins! Nun gut, ich lass mich überraschen. Come On, Erstes – flash my brain!

2017-02-10T01:40:07+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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